Ist Burnout wirklich eine Krankheit? - Hintergründe und Entstehungsfaktoren einer Volkskrankheit

Raucht der Kopf?
Raucht der Kopf?

Ob Burnout wirklich eine Krankheit und ernstzunehmende Erkrankung ist, darüber streiten sich Mediziner, Psychologen und klinische Forscher seit Jahren. 
Nun haben Sie als aufmerksamer Leser meines letzten Blogs bereits einiges über dieses Thema erfahren können. Mit der Fortsetzung werden Sie nun etwas mehr über die Entstehungsfaktoren, Ursachen, Hintergründe und Auslöser von Burnout erfahren.

 

 

Ganz unten können Sie sich können den gesamten Artikel auch als PDF herunterladen.

Genaugenommen gibt es die Diagnose „Burnout“ im ICD 10, dem gängigen Diagnostik Manual der WHO (World Health Organisation), welches auch in Deutschland zur Klassifizierung und Diagnostik von Erkrankungen Standard ist, nicht. Burnout wird unter Z73.0 mit einer Zusatzdiagnose verschlüsselt. Zusatzdiagnosen sind aber keine Behandlungsdiagnosen! Damit ist das reine Burnout-Syndrom nach diesem System nicht behandlungswürdig und wird somit von den Krankenkassen auch nicht akzeptiert. Nur wenn die Diagnose "Burnout" in Kombination mit einer anderen, anerkannten Erkrankung gestellt wird, dann ist dies auch behandlungswürdig. 

 

Daher verwendet man im Bereich der Psychotherapie die klassischen „F-Diagnosen“. In der Regel wird hierbei eine Depression verschlüsselt. Je nach Schwere der Depression F32.0, F32.1 oder F32.2, bei mehrmaligem Auftreten dann sogar F33.0 – F33.2. Wie Sie im letzten Artikel lesen konnten, kann Burnout die Vorstufe zu einer Depression sein. Häufig haben die Betroffenen sogar das Vollbild einer Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung. Daher macht diese Diagnose durchaus Sinn. Genaugenommen lassen sich viele der Symptome des Burnout, den klassischen, psychischen Erkrankungen zuordnen. Eine Liste mit Symptomen zum downloaden finden Sie unter Burnout Coaching München. Somit werden daher oftmals neben den Depressionen auch Angst- und Panikerkrankungen diagnostiziert oder gar Somatoforme, bzw. psychosomatische Störungen. Das ist bei guter Diagnostik durchaus berechtigt. Manchmal zeigen sich sogar Dissoziative Symptome, welche wir auch häufig bei traumatisierten Menschen finden. Weitere Informationen zum Thema Trauma finden Sie unter Traumatherapie München.
Bezüglich des Zusammenhangs von Burnout und Trauma habe ich bereits im letzten Artikel ein paar Anmerkungen gemacht. Ausführlicher werde ich dazu in einem der folgenden Blogs berichten.

 

Diagnostisch sollte aber auch eine körperliche Erkrankung, wie z.B. eine Stoffwechselerkrankung ausgeschlossen werden. Daher ist eine allumfassende, ganzheitliche Diagnostik unerlässlich.

 

In Psychotherapie-Kreisen wird, in der Regel, auch nicht von einem Burnout gesprochen, bzw. davon ausgegangen, dass dies ausschließlich ein Modebegriff ist.

 

Warum dann der Begriff Burnout?

 

Weil Burnout besser zu unserer narzisstischen Leistungsgesellschaft passt. Weil es bedeutet, dass man mal „gebrannt“ hat. Das man „Leistungsträger“ ist. Das man nur etwas Coaching braucht und dann geht es munter weiter. Es hat etwas mit dem Bild zu tun, das nach außen präsentiert wird. Und es hat mit dem Menschenbild unserer narzisstischen Leistungsgesellschaft zu tun…

 

An dieser Stelle ist Ihnen als aufmerksamen Lesern natürlich aufgefallen, dass ich in diesem und dem letzten Burnout Artikel bereits drei Mal den Begriff „Narzisstische Leistungsgesellschaft“ verwendet habe. Und Sie ahnen es natürlich. Ja, es wird auch bald zu genau diesem Thema einen Artikel in meinem Blog geben.

 

…doch zurück zum Thema. Es ist ja fast schon schick Burnout zu haben. Psychische Probleme zu haben ist hingegen nicht schick. Das hat etwas mit Schwäche zu tun. Das würde mangelnde Leistungsfähigkeit suggerieren. Das würde bedeuten, dass man fehlerhaft ist. Und davon ist Mann (aber auch Frau) natürlich weit entfernt!

 

Burnout gehört, auch wenn wir dies meist im Leistungsumfeld und beruflichen Kontext finden, ganz klar zu den psychischen Erkrankungen. Auch wenn „Burnout“ energetischer, ja fast schon vitaler, klingt als „Depression“.

 

Aktuelle Studien belegen, dass im Bereich der psychischen und psychosomatischen Erkrankungen eine massive Zunahme zu verzeichnen ist. Und damit auch von Burnout und Depression. Die letzte Studie der TK von 2013 brauche ich an dieser Stelle gar nicht zu zitieren. Bereits im Gutachten des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen 2000/2001 wurde die Depression als eine der häufigsten Erkrankungen in der Bevölkerung und in der hausärztlichen Versorgung genannt. Gemessen an dem Indikator YLD (years lived with disability), der die Häufigkeit und Dauer einer Erkrankung sowie die damit verbundenen Beeinträchtigungen berücksichtigt, steht in den Industrieländern die unipolare Depression mit deutlichem Abstand an erster Stelle vor allen anderen Volkskrankheiten.“ (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, 2000/2001, S.169). Laut GBD-Report (Global Burden of Disease-Report) der WHO (World Health Organisation) ist die unipolare Depression derzeit die weltweit führende Ursache für Arbeitsausfälle sowie Erwerbs- und Berufsunfähigkeit und wird im Jahr 2030 auf Platz eins aller Krankheitsursachen stehen
(GBD-Report, 2004), noch vor den Herzkreislauferkrankungen! Diese Zahlen sind, im Übrigen, nach wie vor aktuell und müssen nur ein wenig nach oben korrigiert werden.

 

Burnout ist eine Volkskrankheit und Epidemie der Neuzeit. Wie bereits im letzten Artikel erwähnt, sind zur Erklärung der Burnout Problematik und der massiven Zunahme dieser Erkrankung sowohl persönliche, als auch gesellschaftliche Faktoren hinzuzuziehen. Wir haben es hier mit einem sehr komplexen Thema zu tun, welches auf multiple, ineinander wirkende Faktoren zurückzuführen ist. Genau hierin findet sich übrigens die Lösung (jedes Problem enthält zugleich die Lösung) – Reduktion! Doch dazu mehr im nächsten Artikel:
„Neue Wege gehen - Prävention, Therapie und Heilung von Burnout und Depressionen“.

 

Durch die Zunahme der Kommunikationsmöglichkeiten, die ständige Erreichbarkeit, steigt der Druck auf den Einzelnen. Das menschliche Gehirn ist nämlich gar nicht dafür ausgelegt ständig auf mehreren Kanälen erreichbar zu sein. Multitasking ist nicht nur für Männer nicht möglich, es ist gänzlich unmöglich! Genaugenommen können Sie immer nur eine Sache zu 100% ausführen. Ansonsten müssen Sie Ihr Potential, Ihre Aufmerksamkeit und Energie aufteilen. Die Illusion der erhöhten Möglichkeiten setzt ihr Gehirn in den Alarmzustand. Sobald sich Ihr Gehirn im Alarmzustand befindet, gibt es Ihnen sehr klare Anweisungen diesen Zustand wieder zu beseitigen. Falls Sie noch zu den glücklichen Menschen gehören, die diese Sprache und Anweisungen verstehen, brauchen Sie nicht mehr weiterlesen.

 

Viele Menschen haben aber entweder verlernt diese Anweisungen zu entschlüsseln und zu verstehen oder sie ignorieren sie einfach. Das ist eine gute Möglichkeit ein System zum Absturz zu bringen. Stellen Sie sich einmal vor Sie würden die Alarmanzeige in Ihrem Auto (z.B. Kühlertemperatur steigt) ignorieren. Oder Sie fahren Ihr wunderbares neues Auto permanent im roten Drehzahlbereich. Das kann man natürlich machen. Allerdings müssen Sie dann auch davon ausgehen, dass sich die Lebenszeit des Motors drastisch verkürzt. Nun gut, dann ließe sich ja immer noch der Motor austauschen. Doch die meisten Menschen fahren sinnvoller Weise im mittleren Drehzahlbereich. Oder beschleunigen und schalten dann wieder runter. Warum tun Sie das dann nicht bei sich selbst? Es ist ja inzwischen auch bekannt geworden, dass der Mensch keine Maschine ist. Trotzdem entsteht bei mir manchmal der Eindruck, dass manche Menschen ihr Auto besser pflegen als ihren Körper und ihre Seele.

 

Weitere Faktoren sind steigender Termindruck, aber auch Umweltbelastungen wie Lärm und selbst das Wissen um die ständige Erreichbarkeit, setzen unser Gehirn in den dauerhaften Zustand von Anspannung. Auch das Prinzip „immer schneller, weiter und höher“, mit einer nahezu exponentiellen Zunahme an Möglichkeiten, an Daten und Informationen die es auszuwerten gilt und der ständige innere Druck all‘ diese Möglichkeiten auch zu nutzen überfordert Menschen und wieder führt dies zu einer Zunahme der intrapsychischen und neuromuskulären Anspannung. Wir leben in einer Gesellschaft der Möglichkeiten, haben jedoch kaum Zeit und Kapazitäten diese zu nutzen. Das ist frustrierend und Frust ist Stress und Stress ist natürlich wieder mit steigender Anspannung gekoppelt. Ein Teufelskreislauf! Gesunde, natürliche Systeme funktionieren nach der Formel Anspannung - Entspannung.
Balance ist hier das Zauberwort. So auch der Mensch. Dies ist übrigens bereits auf neurobiologischer Ebene festgelegt, mit den beiden Ebenen des menschlichen Nervensystems „Sympathikus und Parasympathikus“. Doch Kraft unseres Geistes haben wir die Macht uns darüber hinwegzusetzen. Doch wie so oft, wenn Menschen glauben die Naturgesetze außer Kraft setzen zu müssen, mit fatalen Folgen. Die Natur lässt sich nicht vom Menschen außer Kraft setzen. Die Natur setzt den Menschen außer Kraft, wenn er sich ihren Gesetzen und Gegebenheiten nicht anpasst.

 

Wie oft schalten Sie eigentlich Ihr Handy aus?

 

Der künstlich erzeugte Konkurrenzdruck der narzisstischen Leistungsgesellschaft, ist eine perfide Manipulation des Selbstwertsystems. Hier wird sehr bewusst in eines der wichtigsten psychischen Systeme und ein angeborenes Grundbedürfnis des Menschen eingegriffen. Es wird suggeriert, dass jemand der mehr leistet auch mehr Wert hat. Wir alle haben diesen Wunsch nach „Sich wertvoll fühlen & Angenommen Sein“. Dies ist ein genetisch angelegtes Grundbedürfnis. Ein Grundbedürfnis, dass Überleben sichert und somit existentiell für uns Menschen ist. Viele Menschen glauben aber, wenn jemand mehr leistet als sie, dass sie dann nichts mehr wert seien. Diese unrealistische, aber zugleich existentielle Angst führt zu einer permanenten Selbstüberforderung, Selbstausbeutung und zur Erschöpfung psychischer und physischer Ressourcen. Erschöpfung im wahrsten Sinne des Wortes, bedeutet „Hier gibt es nichts mehr zu schöpfen, die Quelle ist versiegt, erschöpft“.

 

Dabei interagieren gesellschaftliche mit persönlichen Faktoren. Unternehmen machen sich dies übrigens zu nutze. Instrumente zur Leistungssteigerung setzen genau dort an. Interner Wettbewerb, Konkurrenz und Zielvereinbarungen generieren Stress. Es ist bekannt, dass Zielvereinbarungen i.d.R. zu hoch angesetzt werden. Mit fatalen Folgen. Der Mitarbeiter oder auch die Führungskraft bekommt das Gefühl immer mehr leisten zu müssen (um seinen Job zu behalten, Boni zu bekommen, gemocht zu werden etc.) und bringt dem Unternehmen sehr gute Leistungen. Doch da er permanent eine latente Angst spürt (Angst = Stress) und seine Leistung nie genug ist, wird er durch den Dauerstress auf lange Sicht immer weniger Leistung bringen. Lerntheoretisch ist dies übrigens ein Desaster. Neurophysiologisch, psychologisch und aus humanistischer Sicht sowieso. Doch das ist kurzfristig betrachtet erst einmal egal. Langfristig ist die Konsequenz ein Ausbrennen des Mitarbeiters. Oder er wechselt das Unternehmen. Hoffentlich.

 

Bereits jetzt wird dieses Vorgehen auch für Unternehmen ein immer größeres wirtschaftliches Problem werden, denn der Rohstoff „Qualifizierter Mitarbeiter“ wächst nicht in dem gleichen Maße nach, wie er verbrannt wird. Da kommen einem doch glatt Parallelen zu anderen Bereichen der Rohstoffausbeutung in den Sinn.

 

Auf der persönlichen Ebene finden wir beim Thema Burnout sehr häufig das Prinzip

Liebe durch Leistung. Viele Menschen haben folgendes erfahren und dabei gelernt:

 

„Ich bin nur etwas wert, wenn ich etwas leiste.“ Oder „Tust du was, dann bist du was!“

 

Das ist natürlich rein logisch betrachtet Unsinn, denn für das SEIN kann man nichts tun.

 

Und doch leben viele Menschen nach diesem Prinzip. Hier wird intrapsychisch Liebe mit Anerkennung verwechselt!!! Für Anerkennung kann man etwas tun, für Liebe nicht!

Liebe bekommt man geschenkt. Wenn Sie aber gelernt haben, dass Sie für Bindung, Beziehung und Liebe etwas tun müssen, dann verhalten Sie sich auch heute noch so, als wäre dies eine unumstößliche Wahrheit. Meist sind es Menschen mit sehr hohen Anforderungen an sich, die es einerseits zwar zu „etwas bringen“, andererseits aber Gefahr laufen auszubrennen. Spätestens dann wenn ein Kollege mal besser ist als sie (und das wird zwangsläufig passieren), die Gratifikation, der Bonus oder das Lob des Chefs wegfallen und die privaten Bindungen zerbrechen. Doch häufig kommt es gar nicht mehr so weit.

 

Meist hindern bereits die klassischen Symptome daran die gewohnte Leistung zu erbringen und die Maske fängt an zu zerbrechen. Zu lange haben Sie sich dann schon verstellen müssen, sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt.

Das fängt bei physiologischen Bedürfnissen an und hört bei emotionalen und psychischen Bedürfnissen auf.

 

Nehmen Sie sich doch mal einen Moment Zeit und stellen sich folgende Fragen:

 

Wie atme ich? Tief und entspannt? Wie hoch ist mein Ruhepuls? Wie, wo, wann und was esse ich eigentlich? Und mit wem? Wie oft und wie viel Alkohol trinke ich? Wie gut ist mein Schlaf? Bin ich morgens ausgeruht und energiegeladen? Fällt mir das Aufstehen schwer oder leicht? Wie viel freudige und angenehme Momente habe ich pro Tag, pro Woche? Wie viel Zeit nehme ich mir für Freunde, Beziehung, Entspannung und Sport? Und was ist wirklich wichtig im Leben? Was genau ist wirklich wichtig in meinem Leben?

 

Was genau ist der Sinn Ihres Lebens?
 
Im Übrigen sind emotionale und psychische Bedürfnisse weitestgehend angeboren.
Das kann man blöd und unnötig finden. Man kann es auch blöd und unnötig finden, dass wir als Menschen essen und trinken müssen. Es ändert aber nichts an der Tatsache!

 

Viel arbeiten ist noch lange kein Auslöser für Burnout. Wenn Sie das, was Sie tun, gern tun und nicht um damit andere Bedürfnisse zu befriedigen (z.B. Selbstwert, Anerkennung, Bindung, Liebe) und zudem auch genügend Ausgleich haben, dann besteht in der Regel keine Gefahr auszubrennen. Wenn Sie ehrlich mit sich sind. Und genau hinhören.

 

Wenn Sie aber heute damit anfangen möchten, etwas mehr für sich zu tun, dann können Sie sich unten eine Anleitung und eine Audiodatei für eine kleine, äußerst wirksame und wissenschaftlich fundierte Technik zur Stressregulation herunterladen. Probieren Sie es aus.

 

Gern berate ich Sie auch persönlich bei diesem wichtigen Thema und entwickle mit Ihnen gemeinsam Lösungen.

 

Herzlichst Ihr Burnout Coach in München

Dipl.-Psych. André Kellner


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Die einfache und wirksame Übung zur Regeneration zum anhören.
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Kommentare: 2
  • #1

    Philipp (Donnerstag, 21 November 2013 11:43)

    Herr Kellner bringt es mal wieder auf den Punkt. Ein hervorragend aufgearbeiteter Blog Beitrag der einmal mehr aufzeigt, das das Thema "Burnout" von keinem unterschätzt werden sollte. Zusätzlich zu all den aufgeführten und durchaus richtigen und wichtigen Ursachen ist es mir ein Anliegen, Folgendes hinzuzufügen: Als negativ zu bewerten ist allerdings auch die Entwicklung in manchen Industriezweigen, sich mit einem "Burnout" zu brüsten, ergo, dieser avanciert zu einer Art Auszeichnung getreu dem Motto: "Seht her, wie viel ich gearbeitet habe!". Gerade diese Personen "verwaschen" den Begriff und nehmen denjenigen, die ernsthaft unter einer ausgebrannten Seele leiden oder Erschöpfungssymptome aufweisen, die Chance auf eine ernsthafte Betrachtung. Besagte erfolgt zum einen intrinsisch, sprich, der ungetrübte Blick aus sich heraus auf den eigenen Zustand, und extrinsisch (Gesellschaft und näheres Umfeld). Hier wird derjenige, der in der Tat an einem solchen "Burnout-Syndrom" leidet eher belächelt und nicht ernst genommen. Es ist wahrlich nicht einfach, in einer Zeit der kompletten Transparenz (Social Media in jeglicher Ausrichtung (Business, Privat)), der bereits in Kindheitstagen (zumeist falsch oder unwissentlich) anerzogenen Werte und Idealen ("Ein Indianer kennt keinen Schmerz" etc.) uvm. zu sich zu stehen und laut "STOP!" zu sagen. Dennoch und gerade deswegen wünsche ich allen, die nötige Kraft und Selbstreflexion zu haben, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Denn, wie Alfred Döblin schon in "Berlin Alexanderplatz" seinen Protagonisten ausrufen lies: "Man fängt sein Leben nicht mit guten Vorsätzen an, mit Sehen und Erkennen fängt man es an. Und dem richtigen Nebenmann." Als Experte auf diesem Gebiet also Herr Kellner. Chapeau!

  • #2

    Dipl.-Psych. André Kellner (Donnerstag, 21 November 2013 13:53)

    Sehr geehrter Philipp,

    vielen Dank für Ihre differenzierte Rückmeldung. Sehr richtig, manchmal ist der - inzwischen auch inflationär gebrauchte - Begriff "Burnout" eine Modeerscheinung und Koketterie für den eigenen Leistungsnarzissmus. Hier gilt es sehr genau zwischen Mode, eigener Nabelschau und wirklicher Bedürftigkeit zu unterscheiden.