Neue Wege gehen - Prävention, Therapie und Heilung von Burnout und Depressionen

Neue Wege gehen - raus aus dem Burnout
Neue Wege gehen - raus aus dem Burnout

Teil 3 der Burnout-Serie von Dipl.-Psych. André Kellner, berichtet über Prävention, Therapie und Heilung des Burnout Syndroms. Es werden Möglichkeiten der Selbstbehandlung ebenso aufgezeigt, wie professionelle Wege in Coaching und Therapie.

 

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Wie im letzten Artikel bereits ausführlicher beschrieben, hat Burnout – unter anderem – häufig mit Überforderung zu tun, mit hohen Ansprüchen an sich selbst und mit einer Zunahme und Verdichtung von Informationsprozessen und Möglichkeiten. Im Übrigen ist es gerade auch diese Zunahme an Möglichkeiten, die vielen Menschen Angst macht und sie überfordert. Die Angst einen Fehler zu machen, Angst die falsche Entscheidung zu fällen oder gefällt zu haben. Womit wir bei einem der Urgründe für Depressionen und Burnout angelangt wären – der Angst. Die Angst nicht zu genügen, nicht passend zu sein oder gut genug zu sein (Thema „Selbstwert“), die Angst den Job zu verlieren, die Angst seine Familie nicht ernähren zu können, die Angst, die Angst, die Angst. All‘ dies mündet in Prozesse des sich Überforderns, des sich selbst Verleugnens, des sich selbst nicht mehr Spürens und damit in Depressionen und Burnout. Nicht umsonst interagieren diese beiden Symptomatiken so stark, nicht umsonst finden wir hier so hohe Korrelationen.

 

Burnout Symptome und einen Burnout Test finden Sie hier: Burnout-Coaching München

 

Eine der Hauptursachen liegt auch in einer Entfremdung der Menschen von sich selbst und einer damit verbundenen Sinnleere (vgl. auch „Die Burnout Lüge“ von Martina Leibovici-Mühlberger). Leibovici-Mühlberger nennt als weiteren Faktor eine postmoderne, individualistisch-egozentrische Geisteshaltung der kapitalistisch-konsumversessenen Gesellschaft. Burnout-Betroffene seien damit nur die Symptomträger einer kollektiv kranken Gesellschaft, welche ich in meinem letzten Burnout Blog als „narzisstische Leistungsgesellschaft“ bezeichnet habe. Die massive Zunahme von Burnout, Depressionen und andere psychischen Erkrankungen, ist somit auch Teil einer sozialen und vor allem gesellschaftspolitischen Entwicklung. Burnout und Depressionen sind Symptome des einzelnen Menschen, so wie die allgemeine Zunahme von Burnout ein Symptom für den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft ist.

 

Entfremdung von sich selbst bedeutet mangelnde Selbstwahrnehmung, mangelnde Bedürfniswahrnehmung und daraus resultierend, fehlende innere Zufriedenheit. Hier setzen – unter anderem – auch die Achtsamkeitsverfahren an. Auch wenn es hier derzeit einen Hype gibt, der manchmal fast schon zu viel des Guten ist, gerade wenn Anbieter Heilversprechungen verkünden („Achtsamkeit in 8 Wochen erlernen“), die Achtsamkeit zu genau dem verkommen lassen, was sie nicht sein soll – ein Konsumgut. 

 

Achtsamkeit, ist wichtig, Achtsamkeit ist heilsam, aber sie ist nichts, was man kaufen und in
8 Wochen inhalieren kann. Andererseits hat der Hype natürlich auch etwas Gutes, denn er zeigt wie enorm das Bedürfnis der Menschen nach Reduktion, nach Innehalten und nach Bewusstheit und einer damit einhergehenden Geisteshaltung ist. Somit erhalten immer mehr Menschen Zugang zu einfachen, heilsamen Methoden, die den Menschen wieder zu sich selbst zurück bringen. In 8 Wochen kann man jedoch damit beginnen diese Methode und innere Haltung einzuüben und erstaunliche Veränderungen und Verbesserungen bewirken.

 

Achtsamkeit ist eine Geisteshaltung, die, wenn sie ein Leben lang immer wieder praktiziert wird, wirklich heilsam ist. Sie hilft den Schleier zu heben, wieder bewusst wahrzunehmen, in Kontakt mit sich selbst zu kommen und die verlorene innere Balance wiederherzustellen.

 

Bewusstheit, bzw. Gewahrsein (Awareness) hat z.B. die Gestalttherapie als innere Haltung bereits in den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt und als wesentlichen Faktor für die Gesundwerdung des modernen Menschen postuliert. Und damit natürlich auch nur ein bereits tausende Jahre altes Wissen aufgegriffen.  „Selbst-Erkenntnis, achtsame Wahrnehmung und Bewusstheit sind die ersten Schritte zur Veränderung“.

Womit wir bei ersten Möglichkeiten der Therapie, der Rückfallprophylaxe und der Burnoutprävention angelangt wären.

 

Ziele und konkrete Bestandteile des Burnout Coaching/Therapie:

Zuerst geht es natürlich auch um Symptomlinderung. Dann um Ursachenforschung und Ursachenveränderung. Hierzu ist ein ganzheitlich systemischer Blick und auch der Einbezug der eigenen Biographie und Psychodynamik notwendig. Dabei hilft Ihnen ein professioneller Burnout-Coach, Arzt oder Therapeut, denn je nach Schwere der Symptomatik, können Sie dieses komplexe Thema nicht allein bewältigen. Es ist sinnvoll und notwendig auf allen Ebenen Veränderungen anzustreben, Ursachen zu verstehen und zu beheben und nicht nur die Symptome zu bekämpfen. Es gilt neue Lebenswege zu gehen.

Zur Symptomlinderung gilt es alle Methoden zur Stressreduktion nutzen, denn (Dauer-) Stress, Dauererregung kann zu Burnout führen. Grundsätzlich sollte das Coaching oder die Therapie in ein komplettes Behandlungskonzept eingebettet sein. Folgende Aspekte sollten, neben der Therapie/Coaching, unter anderem, Teil des Behandlungskonzeptes sein. Vieles von den folgenden Punkten können Sie selbst tun oder mit Hilfe ihres Therapeuten, bzw. Coachs initiieren:

 

  • Ärztlich, körperliche Untersuchung. Hier lassen sich auch Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenprobleme oder anderen körperliche Erkrankungen feststellen, welche auch Burnoutähnliche Symptome hervorrufen. Bestenfalls kooperiert Ihr Coach/Therapeut mit einem guten Arzt. 

  • Je nach Schwere der Symptomatik kann medikamentöse Begleittherapie sinnvoll sein. In jedem Fall empfehle ich auch homöopathische Unterstützung und/oder Akkupunktur.

  • Sport und Bewegungsprogramm. Hierzu brauche ich fast nichts mehr sagen. Sport und Bewegung sind ganz klar an erster Stelle zu nennen, bestenfalls noch im Freien. Sport, hier insbesondere Ausdauersportarten, dienen dem Stressabbau, da sie Stresshormone abbauen und Glückshormone ausschütten. Zudem wird dadurch auch noch die Leistungsfähigkeit verbessert. Wichtig ist, dass dieser Sport nicht wieder ausschließlich vom Leistungsgedanken und Konkurrenzdenken angetrieben wird. Es gibt eine goldene Regel in der modernen Stress- und Depressionsmedizin:
    „Das erste Medikament ist Sport und Bewegung“.

  • Ernährungsumstellung, Alkoholkarenz oder zumindest Reduktion. Konkret bedeutet dies maximal 2 x pro Woche Alkohol trinken.

  • Erlernen und regelmäßiges Üben eines Entspannungsverfahrens. Dies ist, genau wie Sport, nur wirksam, wenn Sie es regelmäßig tun. Autogenes Training heißt nicht ohne Grund Autogenes Training“. Egal ob Sie nun AT (Autogenes Training), PMR/PME (Progressive Muskelentspannung), Achtsamkeitsmeditation, achtsames Gehen, Yoga, Qi Gong, Tai Chi, Meditation jeglicher Art oder was auch immer praktizieren. Insbesondere Yoga ist sehr zu empfehlen, da es mehrere Ebenen trainiert (u.a. Achtsamkeit, Körperbewusstsein, richtiges Atmen, Anspannung und Entspannung, Dehnung und Kräftigung). Zudem ist Yoga, richtig praktiziert, auch eine Geisteshaltung. Ein Verfahren dass den Parasympathikus aktiviert und zugleich die Bewusstheit (Achtsamkeit) schult, muss in ihrem Behandlungsprogramm enthalten sein! Am besten täglich, mindestens
    3-4 x wöchentlich. Die Anleitung zu einer einfachen und schnell wirksamen Übung zur Aktivierung des Parasympathikus (Übung zur Herzkohärenz), finden Sie am Ende des letzten Burnout Blog oder unter Download als Audiofile für Zuhause oder Unterwegs.

  • Gesang, allein oder noch besser in der Gemeinschaft. Singen befreit, den Geist, kräftigt den Körper und massiert die inneren Organe. Wenn es Ihnen dann auch noch Freude bereitet, dann kommen auch noch Glückshormone mit ins Spiel, die Herzkohärenz wird hergestellt und ihr Immunsystem wird stabilisiert. Was wollen Sie mehr?

  • Gleiches gilt für Tanzen und Tanztherapie. Tanzen ist eine der besten Burnout und Depressionsprophylaxen! Mir ist klar, dass hier insbesondere viele Männer (aber auch einige Frauen) Berührungsängste abbauen müssen. Beim therapeutischen Tanzen geht es nicht um Leistung oder um besonders gutes Aussehen, sondern nur darum den eigenen inneren Impulsen Ausdruck zu verleihen. Jeder kann tanzen. Genau wie jeder laufen kann, der zwei gesunde Beine hat. Und eines sollten Sie sich klar machen. Alles was Sie lächerlich finden, oder gar lächerlich machen müssen, macht Ihnen Angst. Und es entsteht nur in Ihrem Kopf und ist auf Gedanken und Bewertungen zurückzuführen. Haben Sie den Mut dies einmal in einer beschützenden Atmosphäre und unter achtungsvoller Anleitung zu wagen!

  • Der Kontakt mit Tieren ist sehr heilsam und hilfreich bei Depressionen und Burnout.

  • Veränderung der eigenen Haltung und der inneren Einstellung den stressvollen Situationen gegenüber http://www.ted.com/talks/kelly_mcgonigal_how_to_make_stress_your_friend.html?

  • Kreative Tätigkeiten, Kunsttherapie in der Sie sich und auch den inneren Prozessen mit nonverbalen Medien Ausdruck verleihen. Das kann z.B. malen sein, arbeiten mit Ton oder Stein.

  • Professionelle Ostheopathische Unterstützung kann manchmal auch sehr hilfreich sein.

  • Selbstfürsorge stärken. Sich etwas Gutes tun, sich Zeit für sich nehmen.

  • Verbesserung der Selbstakzeptanz mittels Affirmationen, Achtsamkeitstraining und Psychotherapie

  • Rituale einführen. Sinnsuche und Spiritualität. Was ist wirklich wichtig im Leben?

  • Ressourcen aktivieren. Was macht mir Freude, habe ich aber vernachlässigt, wie gut sind meine sozialen Beziehungen etc.?

  • körperliche Berührungen, Zärtlichkeit in der Partnerschaft und der liebevolle und achtsame Umgang mit dem eigenen Körper, helfen Körperspannungen zu reduzieren und Körperfunktionen zu normalisieren. Hierbei hilft uns das Hormon Oxytocin, welches bei Körperkontakt ausgeschüttet, entspannend und stressregulierend wirkt.

  • Erarbeiten eines Ampelsystems, um Symptome und ungesunde Verhaltensweisen frühzeitig zu erkennen, die wieder in die Burnout Spirale führen könnten. Dies ist auch enorm wichtig für eine Rückfallprophylaxe und zur Prävention.

  • Menschen in sozialen und helfenden Berufen benötigen auf jeden Fall Supervision. Ich plädiere dafür dies in allen beruflichen Zweigen zu etablieren.

Natürlich dürfen auch angenehme Aspekte wie Massagen, Sauna, Klangtherapie und andere passive Verfahren einen Teil der Behandlung ausmachen. Doch letztlich werden Sie vor allem von den aktiven, eigenverantwortlichen und veränderungsfokussierten Teilen der Therapie profitieren.

 

Bei sehr starken psychischen und psychosomatischen Einbrüchen macht es zudem oft Sinn, zuerst eine gute psychosomatische Klinik aufzusuchen und dann ambulant weiterarbeiten. Die Auszeit und die intensive Begleitung in einer Klinik, können Ihnen helfen sich neu zu orientieren und erste wichtige Veränderungen anzustoßen. Seien Sie hier ehrlich mit sich selbst und auch Ihr Therapeut oder Coach sollte offene Worte mit Ihnen sprechen und im Bedarfsfall mit Ihnen gemeinsam eine geeignete Klinik heraussuchen.

Weiter geht es mit Reduktion und zwar mit ganz pragmatischen Methoden. Wenn uns Menschen die Multimedialität und die ständige Erreichbarkeit offensichtlich und auch wissenschaftlich erwiesen nicht gut tun, dann ist es sinnvoll sich Freiräume und Ruheräume zu schaffen. Handyfreie Zeiten sind ein Anfang. Zeiten in denen Sie nicht Ihre emails checken der nächste Schritt. Wie lange halten Sie das eigentlich aus? Nicht erreichbar zu sein? Für viele Menschen geht es hier nämlich schon los. Verpassen Sie vielleicht etwas?

Sind Sie dann nicht mehr up to date? Und schon sind wir beim Wesentlichen. Dem Selbstwert! Und den bekommen Sie nicht mal eben durch ein paar Übungen. Hier benötigen Betroffene gute und professionelle Begleitung. Das kann Therapie sein, das kann auch therapeutisches Coaching sein.

Als nächstes gilt es Ursachenforschung zu betreiben. Wie genau sind Sie in den Burnout geraten? Was ist hier biographisch, systemisch und psychodynamisch in Ihnen wirksam? Dies geht teilweise über Selbstreflexion, besser noch mit einem professionellen Begleiter. Häufig sind Menschen besonders anfällig für Burnout, die aufgrund ihrer Biographie und auch aufgrund unserer gesellschaftlichen Entwicklung, Liebe mit Anerkennung verwechseln. Warum ist Ihr Selbstwert so sehr von Außenwirkung und Rückmeldungen anderer abhängig? Und wie können Sie dies ändern? Dies muss verstanden und verändert werden, da Sie sonst permanent einem Ziel hinterherrennen, dass durch Leistung einfach nicht zu erreichen ist!

Wo können Sie sich in Ihrem persönlichen, privaten und beruflichen Umfeld Freiräume schaffen? Wo gibt es Möglichkeiten der Veränderung, wo Sie bisher nur Grenzen sahen? Können Sie vielleicht doch konstruktive Veränderungsvorschläge an Ihren Chef adressieren? Ist es vielleicht doch möglich Grenzen zu ziehen und Ihre  Überforderung/Überbelastung zu kommunizieren? Haben Sie vielleicht die grundsätzliche Tendenz über eigene Grenzen zu gehen und können Sie vielleicht grundsätzlich schlecht „Nein“ sagen? Dann können Sie genau hier anfangen und Veränderungen mitgestalten. Und zugleich erforschen, warum Sie nicht gut „Nein“ sagen können. Wie können Sie mit Ihrem Chef besser umgehen, anstatt nur darauf zu hoffen, dass der sich endlich ändern möge?

Umgekehrt gilt das Gleiche. Wollen Sie gesund bleiben, ein gesundes Team führen, gesundes Wachstum kreieren und womöglich auch noch gutes Betriebsklima, Freude mit ihrem Team und an ihrer Arbeit haben? Dann hören Sie auf darauf zu warten, dass Ihre Mitarbeiter sich verändern! Fangen Sie bei sich selbst an! Wie können Sie als Führungskraft besser für sich und Ihre Mitarbeiter sorgen? Mitgefühl für sich selbst und für andere kann man trainieren. Warum sind Sie so hart mit sich selbst? Warum sind Sie so hart mit anderen?

An dieser Stelle ist mir wichtig darauf hinzuweisen, dass Mitgefühl nicht Mitleiden oder Zerfließen bedeutet. Es bedeutet erst recht nicht Verhätschelung der Mitarbeiter. Mitgefühl ist die Komponente, die uns ermöglicht Empathie nicht nur als manipulatives Werkzeug zu benutzen, sondern um echten Kontakt aufzubauen und als soziales Gefüge reibungsloser miteinander zu interagieren. Das bedeutet auch wirtschaftlicher zu arbeiten und erfolgreicher zu sein. Diesbezüglich möchte ich auf die Forschungsarbeiten von Tania Singer verweisen.

Es müssten aber nicht nur die Betroffenen geheilt werden, sondern es sollten ganze Strukturen und Prozesse in Unternehmen überdacht und verändert werden. Ebenso der Umgang miteinander, um auch auf gesellschaftlicher Ebene der Burnout Spirale Einhalt zu gebieten. Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft insbesondere Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein werden, die den Prinzipien von Menschenwürde, Achtung und echter Wertschätzung folgen. Die diese Haltung eines achtungsvollen, wertschätzenden Umgangs nicht nur propagieren, sondern leben und als Unternehmenskultur verinnerlichen. Und genau dadurch besonders erfolgreich sein werden. Auch das kann ein wichtiger Teil, z.B. eines Burnout Coachings auf Unternehmensebene sein.

Abschließend möchte ich noch folgendes feststellen. Wenn wir Burnout primär einer Überforderung im Arbeitsfeld zuschreiben, dann kann folgende Betrachtung hilfreich sein:
Wenn Ihre Arbeit etwas ist, was Ihnen Sinn gibt, was Sie lieben, was Sie mit Herzblut tun und zwar weil Sie es gern tun und nicht um etwas anderes dadurch zu erreichen, wie Anerkennung, Verbesserung des Selbstwertes oder gar Liebe, dann ist dies ein sehr guter Schutz vor Burnout.

 

Welche Therapieform ist die Richtige für mich und wie finde ich einen guten Coach oder Therapeuten?

Das Problem ist, dass wir uns im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung leider noch auf wissenschaftliche Leitlinien stützen, die längst überholt und veraltet sind. Es ist inzwischen bekannt, dass nur ca. 10% des psychotherapeutischen Wirkfaktors vom Verfahren bestimmt sind. Hierzu folgendes Zitat von Eva Jaeggi(2012):

 

„Die outcome-Forschung hat uns immer wieder von Neuem bestätigt, dass für den Erfolg einer Psychotherapie – wie auch immer man sie messen mag – die theoretische Ausbildung weniger bedeutend ist als einige recht allgemeine Kennzeichnungen sowohl des Psychotherapeuten als auch – damit zusammenhängend – seiner Haltung. Nach Wampold (2001) sind, um erfolgreicher Psychotherapeut zu sein, wichtig: die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, ein Arbeitsbündnis zu gestalten, und die Überzeugung von der eigenen Psychotherapierichtung“

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die grundsätzliche innere Haltung des Psychotherapeuten, seine Haltung zu seiner Therapieform und seine Fähigkeit zur Herstellung einer Bindung zum Patienten (Arbeitsbündnis und Empathie), darüber entscheiden, wie erfolgreich die Therapie verlaufen wird. Das ist der Stand der Psychotherapieforschung von 2001!! Insofern ist die Art des Verfahrens (z.B. Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie) eher nebensächlich. Auch wenn manchen Therapeuten diese Erkenntnis wohl kränken mag.

Sie sollten daher auch nicht zu einem Coach oder Berater gehen, der mal eben ein paar Kurse besucht hat. Gute Coachs und Therapeuten haben zum einen jahrelange Ausbildungen absolviert, bilden sich zudem immer wieder fort, nehmen Supervision und haben – und dies ist der wichtigste Punkt! – umfangreiche Selbsterfahrung gemacht, sprich eigene Therapie. Nur wer an den eigenen Lebensthemen gearbeitet hat, kann andere Menschen professionell begleiten. Ich weiß, dass dies manche Kollegen anders sehen. Doch Sie können sich ja selbst folgendes fragen: „Möchte ich zu jemandem gehen der nur Methoden gelernt hat und sie weitergeben kann oder möchte ich jemanden, der zudem auch noch diese Methoden intensiv an sich erprobt hat und weiß wie therapeutische Prozesse auf ihn gewirkt haben?“

 

Das können Sie Ihren Therapeuten oder Coach auch fragen. Jemand mit professioneller Haltung zum eigenen Wirkungsfeld wird Ihnen hier auch gern Auskunft geben. Nur wer etwas  zu verbergen oder gar Angst hat, wird auf eine solche Frage gekränkt und mit Abwehr reagieren. Transparenz heißt das Zauberwort und zwar für den gesamten Prozess der Therapie. Das ist, im Übrigen, ein gutes Kriterium für die Wahl Ihres Coachs oder Therapeuten. Angefangen beim Kennenlernen, über den Zielfindungsprozess, bis hin zu den einzelnen Interventionen. Fragen Sie nach! Seien Sie mutig, denn es ist Ihre Therapie! Geheimnisvolles Gehabe und Unklarheiten über Verfahren und Technik dienen niemals dem Klienten.

Besonders hilfreich sind integrative therapeutische Ansätze, die neben dem Gespräch auch den Körper und die Emotionen mit einbeziehen. Dabei kommt es mehr auf die Haltung des Therapeuten (open-minded), als auf dessen grundlegende Therapieausbildung an. Ich persönlich empfehle ein psychodynamisch-erlebnisaktivierendes Verfahren. Nur zu Verstehen reicht nicht, man muss es auch Be-Greifen. Und dies bezieht die Ebene des Erlebens und damit der Emotionen und des Körpers mit ein.

 

Unser Gehirn und unser Körper sind untrennbar mit einander verbunden – nicht nur anatomisch, sondern auch durch ihre gemeinsame Entwicklungsgeschichte. Da im Laufe des Lebens gemachte prägende Erfahrungen immer auf beiden Ebenen – im Gehirn und im Körper – strukturell verankert sind, bleibt jede psychotherapeutische Intervention, die den Körper nicht mit einbezieht, nur eine Teilbehandlung.“
(G. Hüther, Prof. f. Neurobiologie, Universität Göttingen).

 

Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, ein Verfahren/Therapeut, welches/welcher nicht auf allen vorgenannten Ebenen arbeitet und diese in den Prozess mit einbezieht, ist nur eine Teilbehandlung. Es sollte somit immer auf allen Ebenen (Verhalten, Körper, Gedanken, Emotionen) ein Verstehen, Begreifen und daraus resultierend eine Veränderung in den genannten Bereichen initiiert werden.

 

Burnout oder Depressionen sind nur ein Symptom, welche Ihnen helfen möchten sich wieder sich selbst zuzuwenden, sich zu entfalten, zu entwickeln und letztlich zu gesunden.

Haben Sie den Mut sich hier Unterstützung zu holen, haben Sie den Mut neue Wege zu gehen. Egal welchen Weg Sie auch beschreiten, ich wünsche Ihnen Kraft, Gesundung, Lebensmut und Lebensfreude.

Gern berate ich Sie auch persönlich bei diesem wichtigen Thema und entwickle mit Ihnen gemeinsam Lösungen.

 

Herzlichst Ihr Burnout Coach in München
Dipl.-Psych. André Kellner.


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Literatur:

 

Jaeggi, Eva (2012). Psychotherapieausbildung im Geiste der Wissenschaft.             Psychotherapeutenjournal. 04/2012, S.319

 

Singer, T., Bolz, M. (2013). Mitgefühl in Alltag und Forschung. Ebook, kostenloser download              unter http://www.compassion-training.org/

 

Singer, T. (2013).  http://www.zeit.de/2013/23/neurowissenschaftlerin-tania-singer

 

Wampold, B.E. (2001). The great Psychotherapy debate: models, methods, and findings.
            Mahwah/N.Y.: Erlbaum

 

 




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