Burnout & Ernährung

Gesunde Ernährung & Mentale Stärke
Gesunde Ernährung & Mentale Stärke

 

Dem Geheimnis gesunder Ernährung, mentaler Stärke & Burnout Prävention auf der Spur - Ein Interview mit Ernährungscoach
Anna Fiedler

 

 

 

Anna Fiedler bietet seit rund drei Jahren das vitalligent Ernährungscoaching speziell für Manager an. Sie gibt Kochcoachings, sendet Erinnerungs-SMS an Ihre Kunden, steht am Wochenende für Ernährungs-Fragen zur Verfügung und stellt schon mal den Kantinenplan in Firmen komplett um. Manche Sekretärin erhielt durch Anna Fiedlers Arbeit ein Stirnrunzeln und wunderte sich nach einigen Monaten über ihren neuen, schlanken und dynamischen Chef. Anna Fiedler sorgt dafür, dass das Gewicht von Führungskräften trotz üppiger Businesslunches, vieler Geschäftsreisen und langer Arbeitstage stimmt.
In Ihrem ersten Buch „Männer, startet durch zum Idealgewicht“ (ISBN-10: 3841771505), gibt sie erste Eindrücke ihrer Arbeit wieder. Auch zum Thema Burnout-Prävention hat sie einiges zu sagen. Grund genug, mich näher mit ihr über das Thema auszutauschen.

Ernährungscoach Anna Fiedler
Ernährungscoach Anna Fiedler

André Kellner:
Frau Fiedler, Sie sind zertifizierte Ernährungsberaterin und haben sich mit dem vitalligent Ernährungscoaching auf Führungskräfte und Manager spezialisiert. Neben dem Ernährungscoaching beraten Sie Ihre Kunden ja auch in gesunder Lebensführung und somit auch im Bereich Gesundheitsvorsorge und Burnout Prävention. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit vor?

Anna Fiedler:
Ich arbeite in gewisser Weise zweigleisig. Das eine ist die Ernährung. Die verändere ich entsprechend dem Zeitplan und dem Familienumfeld. Der Gesundheitszustand ist immer der Ausgangspunkt dafür. Auf der zweiten Ebene bitte ich die Klienten immer, auf ihre Symptome (Magenbrennen z.B.) zu achten und zu notieren. Nach wenigen Tagen ist meistens schon klar, was wir verändern werden. Das ist dann die eigentliche Arbeit. Ich denke, zum Thema Burnout Prävention arbeite ich ähnlich wie Sie. Ich bringe den Kunden dazu, sich mit sich zu beschäftigen. Das Thema Kochen ist zum Beispiel eine Methode der Entschleunigung. Dabei kann Mann hervorragend über Sachen sinnieren, die ihn beschäftigen. Ich sage oft, wenn sie dabei ihre Gedanken beobachten, entstehen dabei auch Lösungen. Das ist eine sehr gesunde Methode. Frauen freuen sich meistens auch, wenn ER kocht.

André Kellner:
Wir Psychologen wissen, dass gerade Manager ein erhöhtes  Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Burnout haben. Beide Themen werden, in diesem sehr leistungsorientierten Berufsfeld, gern totgeschwiegen. Wir wissen auch, dass ausgewogene Ernährung und Sport zur Verbesserung der psychischen Verfassung beitragen. Häufig wird dieser wichtige Bereich von Psychologen und Therapeuten vernachlässigt. Was bemerken Sie davon in Ihrer Arbeit? Wird die körperliche und mentale Basis beeinflusst durch Ernährung?

Anna Fiedler:
Natürlich beeinflusst die Ernährung das Thema Burnout. Der Klient, sein Arzt und ich bemerken viele Verbesserungen. Die Blut- und Leberwerte verbessern sich. Die EKG-Werte verbessern sich. Gerade nach einem Schlaganfall oder Hörsturz wissen Manager, jetzt ist es höchste Zeit, etwas zu verändern. In der Regel schicke ich den Klienten nach sechs Monaten wieder zum Blutbild. Das Feedback ist immer von Freude und Dankbarkeit gezeichnet. Der Klient fühlt sich insgesamt leistungsfähiger, bemerkt eine verbesserte Belastbarkeit und Konzentrationsfähigkeit. Das ist eine gute Burnout-Prävention, denke ich.

André Kellner:  
Ihre Erfahrungen bestätige ich gern.Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die häufigsten Ernährungsfehler (gestresster) Manager?

Anna Fiedler:
Mir fällt häufig auf, dass die meisten Männer zu wenig essen. Das wenige ist  geprägt von Fleischspeisen oder Fertiggerichten. Sie trinken zu wenig Wasser, Tee oder Saft. Dafür gibt es ein Missverhältnis bei den Getränken Kaffee und Alkohol. Und das machen sie über viele Jahre. Kein Körper kann dabei leistungsfähig sein oder bleiben. Die ganze Energie wird verbraucht, um das System irgendwie am Laufen zu halten. Unser Körper benötigt gewissen Nährstoffe, Vitamine, Enzyme, Fettsäuren etc. um Prozesse rund laufen zu lassen. Ein Auto fährt irgendwann auch nicht mehr, wenn Sie kein Motoröl oder Sprit reingeben. Der häufigste Fehler ist, über die Symptome wie Magendrücken oder andere Verdauung Symptome hinweg zu gehen und diese jahrelang zu überhören. Ich sage gerne: „Der Krebs und der Herzinfarkt kommen nicht über Nacht. Das ist jahrelange Vorarbeit.“

André Kellner:
Was genau empfehlen Sie Ihren Kunden? Welche Möglichkeiten gibt es zum Beispiel auch ein Burnout-Risiko durch gesunde Ernährung zu reduzieren?

Anna Fiedler:
Wir beginnen oft damit, schon mal das Trinkverhältnis zu verändern. Weniger Kaffee, dafür mehr Tee und oder Wasser. Tagsüber empfehle ich gerne Riegel und Nussmischungen. Beides erhöht die Konzentrationsfähigkeit. Auch Kopfschmerzen werden dadurch reduziert. Außerdem macht es Sinn, sich mit seinem Körper, dem Essen und Kochen zu beschäftigen. Essen sollte nährstoffhaltig sein, schmecken und schnell zubereitet sein. Unser Körper benötigt z.B. Eisen und Magnesium für Muskel- und Blutarbeit. Gesunde Ernährung ist einfach und unkompliziert. Mann muss es nur machen.

André Kellner:
In Ihren Ernährungs- und Gesundheitscoachings steckt ja auch eine Menge Psychologie. Wie schaffen Sie es, Ihre Kunden für gesunde Ernährung zu begeistern?

Anna Fiedler:
Ich höre oft, ich wäre eine halbe Psychologin. Ich bin fest davon überzeugt, dass Essen, Körper und Psyche fest zusammen gehören. Das eine vom anderen zu trennen, führt immer zu kurzzeitigen Ergebnissen. Ich denke, ich schaffe es immer wieder zu überzeugen, weil die Klienten merken, dass es einfach ist. Ich zeige ihnen sehr einfache und praktische Dinge. Sie lernen wo, wie und wann und es passt genau zu ihnen. Dazu organisiere ich viel für die Klienten, wie zum Beispiel Geschäftsreisen oder Einkaufslieferungen für daheim. Das bringt eine Zeitersparnis und es gibt keine Ausreden. Ich lasse Dinge weg, die nicht schmecken oder nicht umsetzbar sind. Wenn das Gewicht sinkt und das Wohlbefinden steigt, ist das die beste Überzeugung.

André Kellner:
Gibt es neben dem Ernährungscoaching noch andere Themen, bei denen Sie Ihre Kunden beraten, um die körperliche und mentale Gesundheit zu stärken?

Anna Fiedler:
Ja klar, bei jedem Klienten. Es tut vielen gut, wenn sie mir Dinge aus dem privaten oder geschäftlichen Umfeld erzählen, welche ich neutral betrachte. Es geht oft um Druck im Business oder Probleme mit der Familie. Jeder weiß, wie gut es tut, jemanden etwas zu erzählen, der keine blöden Antworten zurückgibt, sondern einfach verständnisvoll zuhört. Diese ganze Verstrickung führt ja auch oft zu gewissen Verhaltensweisen beim Essen. Die Gespräche bauen Druck ab und geben Erklärungen. Manchmal gebe ich Lösungsansätze zurück, weil ich einen Klienten kenne, der ähnliches schon mal erlebt hat.

André Kellner:
Wie sieht denn ein konkretes Ernährungs- und Gesundheitscoaching bei Ihnen aus?

Anna Fiedler:
Nehmen wir das Beispiel, wenn ein Klient sein Gewicht von 120 Kilo auf 95 Kilo reduzieren will. Das dauert in der Regel sechs Monate. Danach wiegt er etwa 95 Kilo bis 100 Kilo und weiß genau, wie er es halten wird. Anfänglich lasse ich mir alle aktuellen Daten geben. Er führt eine Zeit lang ein Ernährungsprotokoll. So bekomme ich einen Überblick, wie der Stand der Dinge ist. Danach beginne ich schrittweise Dinge auszutauschen, hinzuzufügen oder wegzustreichen. Jede Woche telefonieren wir ein bis zwei Mal. Dazu erhält er Coachingbriefe, Rezepte und Speisepläne. In den Life-Coachings kaufen wir ein, kochen, gehen ins Restaurant, machen Smoothies. Das Thema Lunch versuche ich zu optimieren. Wenn der Einfluss des Managers groß genug ist, wird etwas anderes in die Kantine eingeführt. Sonst organisieren wir eine Lösung von außerhalb.

Ich gehe gern schrittweise voran. Der Klient hat oft das Gefühl, das Gewicht reduziert sich zu langsam. Meistens arbeite ich im zweiten oder dritten Monat mit einer professionellen Diät. Das reduziert das Gewicht dann immer sehr schnell um fünf bis sieben Kilo in drei Wochen. Am Schluss erhält er noch ein Auswertungsprotokoll.  

André Kellner:
Sie sind ja selbst auch viel unterwegs und beruflich stark eingebunden. Wie halten Sie sich körperlich fit?

Anna Fiedler:
Ich selbst gehe zweimal pro Woche zum Powerplate Training. Außerdem genehmige ich mir viele Ruhezeiten. Wenn ich bemerke, dass ich etwas mental nicht wirklich erledigen kann oder will, dann lasse ich das bleiben und verschiebe es.

André Kellner: 
Und was ist ihr Lieblingsessen für gestresste Tage?

Anna Fiedler:
Im Winter frühstücke ich am liebsten Pancakes oder selbstgebackenes Vollkornbrot, dazu Butter und Honig. Ich habe es mir abgewöhnt, zum Frühstück Kaffee zu trinken. Ich trinke lieber grünen Tee. Kaffee trinke ich erst gegen 09:30 Uhr im Büro oder beim Termin. Tagsüber esse ich gern etwas Obst und Nüsse, mittags gedünstetes Gemüse oder sehr gern Suppe. Am Abend versuche ich, mit meinen Kindern zu kochen. Meine Kinder entscheiden dann meistens. Da gibt es schon auch mal Pommes oder Kroketten. Das Gesamtbild muss stimmen. Auf eine Einzelmahlzeit kommt es nicht an.

Im Sommer trinke ich lieber Smoothies zum Frühstück. Tagsüber esse ich gern Eiweißriegel oder trinke Buttermilch. Mittags eher Salat und abends gern Fleisch oder Fisch. Dazu kommt, dass ich oft mit Klienten esse gehe oder bei Ihnen daheim esse. Da liegt die Auswahl ja oft in meiner Hand. Im Winter wäre mir das alles zu kühlend. Da brauche ich eher wärmende Speisen.

André Kellner:
Vielen Dank für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke in Ihre Arbeit. Ich wünsche Ihnen und allen Lesern eine gesunde und vitale Zeit.

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Kommentare: 3
  • #1

    Franny (Freitag, 21 Februar 2014 12:15)

    Sehr interessantes Interview, vor allem weil Burnout immer häufiger vorkommt.

  • #2

    Bettina (Dienstag, 20 Januar 2015 13:20)

    Man spürt Ihre große Empathie für den Kunden, ich habe den Text gerne und in einem Zug bis zum Ende gelesen.

  • #3

    André Kellner (Mittwoch, 21 Januar 2015 10:02)

    Liebe Bettina,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

    Herzliche Grüße.
    André Kellner