Wie es zum Wissen um Bauchmuskelkater am kommenden Morgen kam

Selbstliebe, Selbstakzeptanz & Gefühle
Selbstliebe, Selbstakzeptanz & Gefühle


Neues aus der Ameisenflohwelt (kurz Amflo)
von Julia Kannewischer.

 

Ameise und Floh trafen sich also an einem schönen Sonntagnachmittag in Amflo. Sie setzten sich in ein Café, bestellten grüne Säfte, rohes Gemüse, Kokoswasser, für Ameise einen Kaffee mit laktosefreier Milch und für Floh einen Schoko-Yogi-Tee. Sie fühlten sich ganz flohig wohlig, schauten sich in die Augen und fragten sich stumm, wo sie das Gespräch jetzt anfangen sollten.

Es gab so viele Sachen zu erzählen und doch war das gemeinsame Schweigen eine ebenso schöne Sache, wie das Sprechen. Schliesslich fragte Ameise: „Wie geht’s dir denn, Floh?“.
„Ach“, sagte Floh, der wusste, dass diese Frage sehr ernst gemeint war und Ameise wirklich interessierte, „ich weiss es nicht so recht. Es geht mir nicht schlecht. Aber ob ich glücklich bin, weiss ich auch nicht. Ich spüre nicht, wies mir geht und frage mich, warum ich nicht glücklich sein kann, weil es doch eigentlich nichts gibt, das mich explizit unglücklich macht. Und ich doch verdammt noch mal das Leben habe, von dem ich immer träumte.“

 

Ameise verstand das sehr gut. Sie war geradezu Expertin im diesem Bereich des Nicht-ganz-glücklich-aber-keine-Ahnung-warum-Gefühls. Sie fühlte sich weise dem jungen Floh gegenüber, der damit ganz verzweifelt war, aber gleichzeitig froh, dass da jemand sass, der das alles kannte, alles erlebt hatte und Ruhe ausstrahlte. „Was müsste denn passieren, damit du sagen würdest, du fühlst dich glücklich?“.

 

Noch so eine schwere Frage. „Ich will mich fühlen, als hätte ich einen Platz auf dieser Welt, als wäre ich unersetzbar. Ich will dazugehören. Ich will sagen, was ich denke, ich will für mich einstehen können, ich will tun und lassen, was mir passt. Ich will geschätzt werden. Ich will, dass da jemand ist, der mich lieb hat ohne dass ich das Gefühl habe, ich müsste etwas dafür tun. Ich will meine Gefühle spüren und sie zulassen können. Ich will heulen wie ein Schlosshund und lachen bis ich Bauchschmerzen davon kriege. Ich will mich selber in Ordnung finden. Ich will ganz menschlichflohig sein. Ich will, dass mich die Anderen sehen, dass ich nicht unsichtbar bin. Dass sie mich so schätzen wie ich bin. Ich will leben und das Leben geniessen. Ich will mich freuen können. Ich will Lebensfreude haben. Ich will die Schönheit in mir und anderen sehen. Ich will alles und nichts. Ich will Liebe spüren. Zu mir, zu anderen, zur ganzen Welt.“

 

Floh holte Luft. Das war ganz schön viel und er war überwältigt von der Enormität und fand seine eigenen Wünsche eine absolute Überforderung für sich und die Welt. Zu leben war so anstrengend. AK hatte gesagt, dass es auch ganz leicht sein könnte, wenn man das einfach glauben könnte. Aber es war anstrengend, alles leicht zu finden.

 

Ameise hatte natürlich die passende Antwort auf diesen Berg von Erwartungen, die Floh sich selber gegenüber hatte. „Aber das kannst du doch alles. Du musst es nur tun. Warum tust du es nicht einfach?“. Guter Punkt. Sehr guter Punkt. Floh konnte das tatsächlich. Jeder könnte das tatsächlich, würde er es nur tun. Sein Potenzial ausleben, es herzeigen, zu der ganzen Welt sagen: ‚Seht her, ihr Arschlöcher, wie toll ich bin und was ich alles kann. Und falls ihr das nicht schätzt, go and fuck yourself.’

 

Floh und die meisten anderen Lebewesen wussten leider nicht, warum sie das nicht einfach taten. Und sie alle fragten sich, wovor sie denn Angst hatten. Warum sie den Mut dazu nicht aufbringen konnten. Weil eigentlich konnte ja nichts passieren.

 

Floh nippte an seinem Kokoswasser und war kurzzeitig abgelenkt von der unglaublichen Frische (das Kokoswasser war frisch und direkt aus einer jungen Kokosnuss herausgetröpfelt, das Kokosfleisch wurde in mundgerechten Stücken dazu serviert).

 

AK meldete sich zu Worte: „Das ist doch ok, dass ihr Lebewesen und Floh alle Angst habt. Solange ihr euren Akzeptanzpunkt klopft und euch selber sagt, dass ihr euch trotzdem achtet und lieb habt. Und das muss auch nicht heute sein, dass ihr das alles tut. Könntet ihr euch denn wenigstens vorstellen, das alles zu tun und das Leben ganz leicht zu nehmen?“.

 

Floh versuchte ganz konzentriert, in sich hinein zu spüren und fragte sich, ob er sich das vorstellen könnte. Ameise versuchte es auch. Obwohl sie normalerweise schon einen viel besseren Zugang zu ihren Gefühlen hatte als Floh, war diese Übung auch für sie schwer. Nach einer angestrengten Weile voller innerer privater Diskussionen, nickten Floh und Ameise unisono. Die anderen Lebewesen taten es ihnen nach.

 

„Das ist doch schon mal gut, und ganz in Ordnung. Beurteilt euch nicht, nehmt das an und versucht ein bisschen damit zu verweilen“, sagte AK. Dann musste er los. Auch die anderen Lebewesen verschwanden und zurück blieben nur Ameise und Floh, die versuchten mit dem Gedanke zu verweilen, wie sie hinaus in die Welt gehen würden, es allen zeigen würden, emotional sein und das Leben ganz leicht sein würde.

Der Himmel öffnete sich, es war warm, sie hielten ihre Gesichter in die Sonne und fanden den Gedanken schön. Tränen strömten über ihre Gesichter. Tränen, die alte Glaubenssätze, innere Sturheiten und negative Gedanken wegschwämmten und Platz machten für die tollen Abenteuer, die Ameise und Floh noch vor sich hatten. Abenteuer, in denen sie ehrlich zu sich selber waren, sich nichts bieten liessen, zusammen Szenen drehten und tanzten und Yoga machten. Irgendwann waren ihre Kleider ganz durchnässt von all den Tränen, sie zogen sie aus und warfen sie in die Toilette des Cafés, dann gingen sie hinaus und rannten ins offene Meer, das warm und klar war wie auf Hawaii.

 

Sie lachten und wussten, dass sie am nächsten Morgen mit schrecklichem Bauchmuskelkater aufwachen würden, von all dem Gelächter, und das war das schönste Wissen in ganz Amflo und wurde ins grosse Buch von Amflo eingetragen, so dass man immer darüber und über die Hintergrundgeschichte nachlesen konnte.  

 


Dies wurde von Julia Kannewischer geschrieben. Ich möchte mich bei Ihr für diese wunderbare Geschichte bedanken. Es ist mehr als nur eine Fabel. Es ist ein Geschichte über Selbstliebe, Selbstakzeptanz und Gefühle und damit über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Warum wir leiden und wie wir uns von diesem Leiden befreien können.

 

Selbstliebe, Selbstakzeptanz und der Kontakt zu unseren wirklichen Bedürfnissen und Gefühlen, sind Wege zum Selbst.
 
Therapie, Coaching oder Selbsterfahrung sind nur Werkzeuge, die uns zu dem zurückführen können, wer wir wirklich sind. Und uns helfen unsere Kraft und unser wahres Potential zu entfalten. Das, was in jedem von uns schlummert und nur darauf wartet von uns entdeckt zu werden.

 

Egal ob Sie auf diesem Wege klopfen, ihren Selbstakzeptanzpunkt reiben, Augenrollen, summen, reden, schweigen, meditieren, mit inneren Anteilen sprechen, liegen, sich verbiegen oder gerade sitzen, das, wonach Sie suchen wohnt bereits in Ihnen. 

 

Herzlichst Ihr

André Kellner

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Johannes (Dienstag, 30 Juni 2015 00:09)

    Vielen Dank für den inspirierenden Seminar-Tag heute an der Süddeutschen Akademie in Bad Grönenbach und den stimmigen Abschluss mit dieser fabelhaften Fabel !! ;-)

  • #2

    André Kellner (Dienstag, 30 Juni 2015 19:53)

    Lieber Johannes,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Auch für mich war es ein bereichernder Tag, voller Freude, Inspiration und Begegnung.

    Herzliche Grüße.
    André