Die wundersame Verwandlung des inneren Saboteurs

Der innere Saboteur des Herrn W.
Der innere Saboteur des Herrn W.

Der Fall des Herrn W. - Teil 3

Nach seinen ersten Coaching Sitzungen hat Herr W. einige innere und äußere Veränderungen angestoßen, welche sich sowohl im Arbeitsalltag, als auch im Privatleben positiv auswirken. Auch seine Burnout Symptome sind deutlich zurückgegangen.

 

Trotz dieser positiven Entwicklungen, leidet Herr W. immer wieder unter Selbstzweifeln. Zudem geht er sehr hart, streng und strafend mit sich um und fühlt sich dabei klein und wertlos.

 

Es wird Zeit "ans Eingemachte" zu gehen!

Zeit für die Begegnung mit dem inneren Saboteur!

Durch die Anwendung einer speziellen Technik zum Auffinden negativer Glaubenssätze und Selbstbeziehungsmuster, konnten wir in einer der vorangegangenen Stunden einen inneren Saboteur identifizieren. Natürlich ist der innere Saboteur kein Fabelwesen, welches im Körper von Herrn W. lebt und hat auch nichts mit einer Schizophrenie zu tun. Unsere Persönlichkeit besteht erwiesenermaßen aus verschiedenen Teilfacetten. Manche davon sind hilfreich, manche eher quälend und störend. Nicht ohne Grund gibt es Redewendungen, wie "Ein Teil von mir...", "Das Kind im Manne...", "Ich stehe neben mir..." oder "So etwas mache ich normalerweise nicht!". 
Bereits Goethe sagte: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will..."

 

Viele moderne Therapien beruhen auf Teilemodellen der Persönlichkeit, welche auch im Coaching angewandt werden. Bekannte Modelle sind, unter anderem, die Ego-State Therapie, Hypno-Systemische Therapie, Theorie der Strukturellen Dissoziation nach E. Nijenhuis, Schematherapie, Inneres Team nach Schulz von Thun oder die Innere Familie nach Richard C. Schwartz. 

 

Doch zurück zu Herrn W. und seinem inneren Saboteur...


Die folgende Technik kombiniert Methoden aus Psychodynamischer Gestalttherapie, Mentalem Training, Hypnose und Ego-State-Therapie, wobei wir innere Bilder als Zugang zu unbewussten Prozessen nutzen.

 

Es gibt verschiedene internale und externale Zugangsmöglichkeiten zu inneren Anteilen. 

In diesem Fall wählen wir eine leichte Atem- und Entspannungsübung, die den Zugang zu inneren Prozessen erleichtert.

 

Ausgangspunkt ist der sog. "Innere Kraftort", welchen Herr W. bereits aus vorangegangenen Sitzungen kennt.

 

A.K.: Sie werden nun an einen anderen Ort gehen und dort einem Teil von sich begegnen, der sich scheinbar oftmals sehr streng und negativ Ihnen gegenüber verhält. Der Ort an den Sie gleich gehen werden ist ebenfalls ein guter, ein schöner Ort. Doch es ist ein Ort der Begegnung, ein Ort des Austausches, manche würden ihn einen schönen Arbeitsort nennen. Vielleicht führt Sie ein Weg dorthin, eine Treppe oder gar eine Art magische Energie. Sie dürfen mal gespannt sein, wie Sie jetzt an Ihren schönen und angenehmen Arbeitsort gelangen werden und wie genau Ihr Arbeitsort aussehen wird. Was passiert jetzt?


Herr W.: Das ist wie beim beamen! Wow! Das ist echt verrückt was da immer passiert! Mich hat's jetzt mit einem blauen Licht auf eine Lichtung gebeamt. Hier ist eine Blockhütte. Sieht ein bisschen aus wie damals in Kanada. Ja, das ist ein guter Arbeitsort!

 

A.K.: Wunderbar! Dann suchen Sie sich jetzt einen schönen Platz, da wo es für Sie angenehm ist.

 

Herr W.: Ich sitze auf der Terrasse.

 

A.K.: Dann können Sie nun eine Einladung aussprechen. Das funktioniert ungefähr so, als wenn man jemanden ruft. Sie können die Einladung allerdings auch per Post, per email oder per sms versenden.

 

Herr W.: Er ist schon da! Ohh Mann, ist der hässlich! Ein richtiger Kotzbrocken!

 

A.K.: Herr W., ich kann verstehen, dass dieser Teil Ihnen vielleicht unangenehm ist, aber wir wollen uns an die Grundregeln Wertschätzender Kommunikation und Diplomatie halten. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie jetzt an Stelle Ihres Gegenübers säßen und so begrüßt worden wären?  

 

Herr W.: Naja, das war wirklich nicht nett von mir. Ja, ich wäre vermutlich ziemlich sauer geworden und wäre gegangen.

 

A.K.: Ist denn ihr Gast noch da?

 

Herr W.: Ja.

 

A.K.: Hmm, dann scheint er ja gar nicht so ein Wüterich zu sein, wie sie dachten. Ich schlage vor, wir begrüßen ihn erst einmal und danken ihm für sein Kommen.

 

Herr W.: Ich soll mich bei ihm bedanken?

 

A.K.: Mein Vorschlag wäre, dass sie ihm so begegnen wie sie es für sich selbst auch wünschen würden. So, wie es ein höflicher Diplomat auch tun würde. Was meinen Sie?

 

Herr W.: Ok. Kann ich ja mal versuchen.

 

A.K.: Was passiert jetzt?

 

Herr W.: Er nickt und schaut mich an. Er schaut auch gar nicht mehr ganz so grimmig aus. (Pause)  Hmmm, das ist echt komisch.

 

A.K.: Was ist komisch?

 

Herr W.: Vorhin hatte ich fast etwas Angst vor ihm, jetzt schaut er gar nicht mehr so gefährlich aus.

 

A.K.: Fragen Sie ihn doch mal, warum er da ist, was seine Botschaft oder sein Auftrag ist und wobei er Ihnen helfen möchte.

 

Herr W.: Er sagt, dass er dafür sorgt, dass ich nicht versage.

 

A.K.: Was würde denn passieren wenn Sie versagen?

 

Herr W.: Er sagt, dass ich dann fertig gemacht werde.

 

A.K.: Aha! Dann ist das ein wirklich guter Typ, wenn er dafür sorgt, dass Sie nicht fertig gemacht werden, oder?

 

Herr W.: Ja...irgendwie schon.

 

A.K.: Das sollten Sie ihm sagen und sich bei ihm dafür bedanken.

 

Herr W.: Schon wieder bedanken? (Pause) Na gut, ich kann es ja mal probieren. (längere Pause)

 

A.K.: Was passiert jetzt?

 

Herr W.: Er schaut mich irgendwie freundlicher an. Das ist doch echt verrückt!

 

A.K.: Es wird gleich noch verrückter! Fragen Sie ihn doch einmal wie alt er ist?

 

Herr W.: Er sagt, er sei 6! Das kapiere ich nicht, der sieht doch viel älter aus!

 

A.K.: Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Möglicherweise ist er zu einer Zeit entstanden, als es wirklich wichtig war nicht zu versagen. Und seit dem ackert er wie blöde, treibt sie an und kämpft, damit sie nicht untergehen müssen. Wollen sie ihm das mal in ihren eigenen Worten sagen?

 

Herr W.: (schmunzelt) Und wieder bedanken, richtig?

 

A.K.: Wenn sie möchten.

 

Herr W.: (nach längerer Pause und sichtlich bewegt) Er hat angefangen zu weinen und er schrumpft. Er ist jetzt ein kleiner Junge geworden.

 

A.K.: Ein kleiner Junge der weint. Was bräuchte der jetzt?

 

Herr W.: Jemand, der ihn tröstet, der für ihn da ist.

 

A.K.: Wollen Sie das übernehmen oder sollen wir Unterstützung holen?

 

Herr W.: Nein, das möchte ich machen.

 

Wir verlassen an dieser Stelle Herrn W. ohne in die Biographie und Psychodynamik, welche für die Entstehung dieses Saboteurs verantwortlich waren, tiefer einzusteigen.

 

Dies ist eine sehr verkürzte Darstellung einer inneren Teilearbeit. Manchmal gehen derartige Prozesse extrem schnell, wie in diesem Fall. Manchmal gestaltet sich bereits die erste Kontaktaufnahme weitaus schwieriger und langwieriger. Manchmal zeigt sich, was sich hinter der Maskerade des Saboteurs verbirgt. Manchmal verwandeln sich diese Quälgeister in hilfreiche Berater. Manchmal geht das sehr schnell. Und manchmal passiert gar nichts. In der Regel ist es jedoch mit dieser Art des Coachings oder der Therapie, sehr viel schneller möglich tiefe, unbewusste Muster und Prozesse zu bearbeiten, als dies ausschließlich über Gespräch und dialogische Selbstreflexion möglich wäre.

 

Psychodynamische Gestalttherapie & Psychodynamisches Coaching gehen zurück zu den Wurzeln und kombinieren moderne therapeutische Verfahren mit uraltem Wissen über die Selbstheilungskräfte des Menschen. Dabei wird vor allem auf die Aktivierung des Selbstwertes, der Selbstakzeptanz und der Selbstliebe fokussiert. Zentrales Wirkmoment ist dabei die Beziehung zwischen Therapeut, Klient und den inneren Anteilen, Kritikern, Quälgeistern oder auch Saboteuren des Klienten.  

 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen ein gesundes, ein wundervolles Jahr 2015.

 

Ich wünsche Ihnen den Mut die Dinge zu ändern, die Sie ändern können

- anzupacken und verändern, da wo es möglich ist.

 

Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die Sie nicht ändern können

- sich zu beugen, um nicht zu brechen, da wo es nötig ist. 

 

Und ich wünsche Ihnen natürlich die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Vor allem aber wünsche ich Ihnen die Leichtigkeit des Herzens und Zugang zu Ihrem
inneren Licht, welches immerfort scheint.

 

Herzlichst Ihr André Kellner

 

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