Wie finde ich einen guten Coach oder Therapeuten?


 

 

Falls Sie gerade eine Krise erleben und in einem Burnout Prozess befinden, dann ist es sinnvoll und klug sich professionelle Unterstützung suchen.
Doch wer ist der oder die Richtige für Sie und Ihre Probleme? Soll es eine Verhaltenstherapie sein, eine Tiefenpsychologische Psychotherapie oder eine Psychoanalyse? Oder reicht ein Coach?
Welche Therapieform ist die richtige für Sie?

 

 

Das Problem ist, dass wir uns im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung leider noch auf wissenschaftliche Leitlinien stützen, die längst überholt und veraltet sind. Es ist inzwischen bekannt, dass nur ca. 10% des psychotherapeutischen Wirkfaktors vom Verfahren bestimmt sind. Hierzu folgendes Zitat von Eva Jaeggi(2012):

„Die outcome-Forschung hat uns immer wieder von Neuem bestätigt, dass für den Erfolg einer Psychotherapie – wie auch immer man sie messen mag – die theoretische Ausbildung weniger bedeutend ist als einige recht allgemeine Kennzeichnungen sowohl des Psychotherapeuten als auch – damit zusammenhängend – seiner Haltung. Nach Wampold (2001) sind, um erfolgreicher Psychotherapeut zu sein, wichtig: die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, ein Arbeitsbündnis zu gestalten, und die Überzeugung von der eigenen Psychotherapierichtung“

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die grundsätzliche innere Haltung des Psychotherapeuten, seine Haltung zu seiner Therapieform und seine Fähigkeit zur Herstellung einer Bindung zum Patienten (Arbeitsbündnis und Empathie), darüber entscheiden, wie erfolgreich die Therapie verlaufen wird. Das ist der Stand der Psychotherapieforschung von 2001!! Insofern ist die Art des Verfahrens (z.B. Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie) eher nebensächlich. Auch wenn manchen Therapeuten diese Erkenntnis wohl kränken mag.

Sie sollten daher auch nicht zu einem Coach oder Berater gehen, der mal eben ein paar Kurse besucht hat. Gute Coachs und Therapeuten haben zum einen jahrelange Ausbildungen absolviert, bilden sich zudem immer wieder fort, nehmen Supervision und haben – und dies ist der wichtigste Punkt! – umfangreiche Selbsterfahrung gemacht, sprich eigene Therapie. Nur wer an den eigenen Lebensthemen gearbeitet hat, kann andere Menschen professionell begleiten. Ich weiß, dass dies manche Kollegen anders sehen. Doch Sie können sich ja selbst folgendes fragen: „Möchte ich zu jemandem gehen der nur Methoden gelernt hat und sie weitergeben kann oder möchte ich jemanden, der zudem auch noch diese Methoden intensiv an sich erprobt hat und weiß wie therapeutische Prozesse auf ihn gewirkt haben?“

 

Das können Sie Ihren Therapeuten oder Coach auch fragen. Jemand mit professioneller Haltung zum eigenen Wirkungsfeld wird Ihnen hier auch gern Auskunft geben. Nur wer etwas  zu verbergen oder gar Angst hat, wird auf eine solche Frage gekränkt und mit Abwehr reagieren. Transparenz heißt das Zauberwort und zwar für den gesamten Prozess der Therapie. Das ist, im Übrigen, ein gutes Kriterium für die Wahl Ihres Coachs oder Therapeuten. Angefangen beim Kennenlernen, über den Zielfindungsprozess, bis hin zu den einzelnen Interventionen. Fragen Sie nach! Seien Sie mutig, denn es ist Ihre Therapie! Geheimnisvolles Gehabe und Unklarheiten über Verfahren und Technik dienen niemals dem Klienten.

Besonders hilfreich sind integrative therapeutische Ansätze, die neben dem Gespräch auch den Körper und die Emotionen mit einbeziehen. Dabei kommt es mehr auf die Haltung des Therapeuten (open-minded), als auf dessen grundlegende Therapieausbildung an. Ich persönlich empfehle ein psychodynamisch-erlebnisaktivierendes Verfahren. Nur zu Verstehen reicht nicht, man muss es auch Be-Greifen. Und dies bezieht die Ebene des Erlebens und damit der Emotionen und des Körpers mit ein.

 

Unser Gehirn und unser Körper sind untrennbar mit einander verbunden – nicht nur anatomisch, sondern auch durch ihre gemeinsame Entwicklungsgeschichte. Da im Laufe des Lebens gemachte prägende Erfahrungen immer auf beiden Ebenen – im Gehirn und im Körper – strukturell verankert sind, bleibt jede psychotherapeutische Intervention, die den Körper nicht mit einbezieht, nur eine Teilbehandlung.“
(G. Hüther, Prof. f. Neurobiologie, Universität Göttingen).

 

Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, ein Verfahren/Therapeut, welches/welcher nicht auf allen vorgenannten Ebenen arbeitet und diese in den Prozess mit einbezieht, ist nur eine Teilbehandlung. Es sollte somit immer auf allen Ebenen (Verhalten, Körper, Gedanken, Emotionen) ein Verstehen, Begreifen und daraus resultierend eine Veränderung in den genannten Bereichen initiiert werden.

Burnout oder Depressionen sind nur ein Symptom, welche Ihnen helfen möchten sich wieder sich selbst zuzuwenden, sich zu entfalten, zu entwickeln und letztlich zu gesunden.

Haben Sie den Mut sich hier Unterstützung zu holen, haben Sie den Mut neue Wege zu gehen. Egal welchen Weg Sie auch beschreiten, ich wünsche Ihnen Kraft, Gesundung, Lebensmut und Lebensfreude.

Gern berate ich Sie auch persönlich bei diesem wichtigen Thema und entwickle mit Ihnen gemeinsam Lösungen.

Wenn Sie regelmäßig über neue Artikel von mir informiert werden wollen, dann senden Sie mir bitte eine email.

 

Herzlichst Ihr Burnout Coach in München
Dipl.-Psych. André Kellner.

 

Literatur:  

Kellner, André (2014). Neue Wege gehen - Prävention, Heilung von Burnout und Depressionen. Blog vom 12.01.2014

Jaeggi, Eva (2012). Psychotherapieausbildung im Geiste der Wissenschaft.             Psychotherapeutenjournal. 04/2012, S.319  

Wampold, B.E. (2001). The great Psychotherapy debate: models, methods, and findings.
            Mahwah/N.Y.: Erlbaum


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Kommentare: 2
  • #1

    Timo F. (Sonntag, 08 November 2015 20:38)

    Danke Herr Kellner!
    Aus mittlerweile einigen Erfahrungen mit Psychotherapeuten, kann ich nur bestätigen, was Sie darlegen. Leider kam ich mir oft auch so vor, dass viele sturr ihr "Programm" durchziehen, ohne wirklich eine Bindung auf den Patienten einzugehen...
    Dies hat zumindest bei mir jedes Mal zum Bruch mit dem Therapeuten geführt, denn ein Vertrauensverhältnis, war so für mich nicht möglich.
    Dass es jedoch auch anders geht, hat meine Erfahrung in einer Klinik in Pfronten gezeigt. Dort waren Therapeuten, die sich so wunderbar um einen gekümmert haben und sich so wahnsinnig auf den Patienten eingestellt haben. Die 6 Wochen haben mich weiter gebracht als 1/2 Jahr 2x pro Woche normale Therapie.
    Leider habe ich nach der Klinik wieder lauter schlechte Erfahrungen in München gemacht, so dass ich irgendwann resigniert die Suche aufgegeben hab. Sicherlich war das nicht sonderlich schlau, nur hab ich es einfach nicht mehr ertragen, immer wieder von vorne zu beginnen um dann nach 5 Sitzungen wieder festzustellen, dass der Therapeut entweder einen nicht ernst nimmt, nicht versteht oder es ihm einfach egal ist.

    Umso schöner ist es, hier diesen Eintrag zu lesen. Denn ich denke auch, dass die Therapieform nicht so relevant ist, wie das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient. Denn wenn das Verhältnis passt, dann erst kann man sich überhaupt erst auf die Therapie einlassen.

  • #2

    André Kellner (Mittwoch, 09 Dezember 2015 11:26)

    Lieber Timo F.

    Vielen Dank für Ihren Eintrag und Ihre Rückmeldung. Ja, es ist wirklich nicht leicht, sich immer wieder auf die Suche nach dem richtigen Therapeuten für sich zu machen. Vor allem, wenn es einem gerade nicht gut geht, man leidet oder auch schon öfter enttäuscht wurde. Trotzdem lohnt es sich diesen Weg zu gehen.

    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute.
    André Kellner