Das 7+7 gesunder Lebensführung® II - Die 7 Resilienzfaktoren

 

Resilienz - Gedeihen trotz widriger Lebensumstände

 

Wie können Menschen auch unter extremen Belastungen gesund und flexibel bleiben?

 

Was genau ist Resilienz und wie kann ich diese Widerstandskraft bei mir verbessern?

 

Welche Resilienzfaktoren gibt es und wie kann ich diese stärken?

 

 

 


In meinen letzten blog's haben Sie eine Menge über das 7+7 gesunder Lebensführung® und über die 7 essentiellen BASIS  Grundbedürfnisse gelesen. Sie haben im Laufe des letzten Jahres 7 Resilienzbooster & Übungen zur Stärkung der Lebenskraft kennengelernt und wissen ganz gut, was notwendig ist, um nicht auszubrennen, um gesund, kraftvoll und lebensfroh zu sein und vor allem auch zu bleiben.

 

Heute werde ich etwas ausführlicher auf die 7 Resilienzfaktoren eingehen und auch erste Möglichkeiten anführen, wodurch diese zu stärken sind. Vermutlich werden Sie bei einigen der Faktoren das Gefühl haben, dass Sie hierin ganz gut sind. Bei anderen wiederum stellen Sie womöglich fest, dass Sie hier noch Potenzial haben und diese Bereiche gerne stärken möchten. Neben wissenschaftlichen Aspekten fließt in die folgenden Zeilen vor allem auch meine Erfahrung als Traumatherapeut ein.

Ich arbeite seit vielen Jahren immer wieder mit Menschen, die schweren Belastungen, Traumata und Tragödien ausgesetzt waren. Meine Erfahrung - und die der Traumaforschung - zeigen, dass Menschen, mit starken Resilienzfaktoren es schaffen solche Tragödien besser zu überstehen als andere. Von diesen Menschen habe ich viel gelernt. Von diesen Menschen können wir alle viel lernen.

 

Die 7 Resilienzfaktoren

Resilienzfaktoren sind überdauernde Fähigkeiten, welche Menschen helfen schwierige Situationen, Herausforderungen und Krisen zu meistern und dabei gesund zu bleiben. Resilienz ist die Fähigkeit trotz großer Belastungen gesund zu bleiben. Menschen mit hoher Resilienz, meistern selbst extreme Belastungen, schwierige Lebensbedingungen oder gar traumatische Erfahrungen.  Die 7 Resilienzfaktoren sind an die OPD 2 (2006), die moderne Bindungsforschung und die Ausführungen bei Fröhlich-Gildhoff / Rönnau-Böse (2014) angelehnt. Die OPD 2 beschreibt ein sehr gut beforschtes Modell der inneren psychischen Strukturen des Menschen. Dieses berücksichtigt die modernsten psychodynamischen Erkenntnisse sowie aktuelle neurobiologische, neuropsychologische und entwicklungspsychologische Forschungen. Bei allen seriösen Autoren, die sich mit Resilienz befassen, werden Sie zumindest einige der Strukturebenen wiederfinden. Insbesondere Selbstreflexion, Affekttoleranz, Impulskontrolle, Empathie, Objektwahrnehmung (Fremdwahrnehmung) und Regulierung des Objektbezuges (Beziehungsgestaltung).

 

1. Selbst- und Fremdwahrnehmung

Hierin enthalten sind Selbstreflexion, die Differenzierung von Gefühlen (Affekten), die Fähigkeit zur Mentalisierung und ein Interesse an eigenen inneren Prozessen: „Ich weiß was ich denke und warum, was ich fühle und warum, wer ich bin und versuche mich selbst zu verstehen.“

 

Es  bedeutet auch ein Bild davon zu haben, das andere Menschen anders sind als man selbst und auch andere innere Arbeitsmodelle in sich tragen.
„Du denkst, fühlst und bist anders als ich und das ist in Ordnung.“

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Bereich durch: Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching, Selbst-Fremdwahrnehmungstraining.

 
2. Selbststeuerung- und Fremdsteuerung

Dieser Faktor enthält die Regulation von Impulsen und Gefühlen, diese in adäquater Weise in sich und auch in Beziehungen zu regulieren. Er beinhaltet Interessensausgleich, die Fähigkeit Beziehungen zu schützen, Beziehungsstress zu regulieren und die Fähigkeit, die Auswirkungen eigener Handlungen und die Handlungen anderer Menschen in wichtigen (Arbeits-) Beziehungen zu antizipieren: „Ich beschädige mich selbst und unsere Beziehung nicht dadurch, dass ich meine Gefühle und Impulse unreflektiert bei Dir ablade.“ „Ich kann Gefühle in mir nicht nur verstehen, sondern auch aushalten. Ich muss sie nicht wegdrücken und an anderer Stelle dafür explodieren oder sie mit Alkohol, zu viel Essen, Medikamenten oder anderen Substanzen betäuben“

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch: Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching, Selbststeuerungs- und Emotionstraining, Selbstwert- und Selbstsicherheitstraining

 

3. Soziale & emotionale Kompetenz

Dieser Faktor ist enorm wichtig und wird trotzdem allzu häufig vernachlässigt. Hierin enthalten ist die Fähigkeit eigene Gefühle wahrzunehmen, diese sozial verträglich in Beziehungen mitteilen zu können, Empathie, Antizipation und die Fähigkeit zur Konfliktlösung. Menschen sind vor allem fühlende Lebewesen und Affekte sind Teil menschlicher Primärkommunikation.  Emotionen sind somit wesentlicher Bestandteil menschlicher Interaktion und Kommunikation: „Ich kann auf andere Menschen zugehen, Kontakt mit ihnen aufnehmen. Ich kann meine eigenen Gefühle wahrnehmen und adäquat mitteilen. Ich kann mich in andere einfühlen und dadurch soziale Situationen einschätzen. Es ist mir möglich mich selbst zu behaupten und Konflikte zu lösen.“

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch: Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching und Soziales- und Emotionales Kompetenztraining, Empathie Training, Mitgefühl Training (vgl. T. Singer, 2013)

 

4. Situative Stressbewältigungskompetenz

Hierzu gehören das Erkennen stresserzeugender Situationen, sowie adäquater und gezielter Einsatz von variablen Bewältigungsstrategien unter Berücksichtigung eigener Ressourcen. Das bedeutet vor allem auch eigene Grenzen der Belastbarkeit zu kennen und die Fähigkeit sich bei Bedarf Hilfe holen zu können. Hier wird eine enge Verbindung mit dem Bedürfnis nach Selbstwert deutlich. Menschen mit einem schwachen Selbstwert fällt es schwer eigene Grenzen einzugestehen, entsprechende Bedürfnisse zu artikulieren und sich von Anderen Hilfe zu holen: „Ich kann einschätzen, welche Situationen für mich zu bewältigen sind und wann ich mir Unterstützung holen muss. Ich kenne meine Stressreaktionen und habe Bewältigungsstrategien dafür.“

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch: Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching, Mental Coaching, Selbstwert- und Selbstsicherheitstraining, Stressmanagement Training

 

5. Selbstwirksamkeit  & Selbstwirksamkeitserwartung

Das Gefühl von Selbstwirksamkeit ist ein Prädiktor für psychische Gesundheit. Die Gewissheit Anforderungen bewältigen zu können, ein realistischer Attribuierungsstil, internale Kontrollüberzeugungen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, helfen Menschen Hindernisse zu überwinden und Ziele zu erreichen. Selbstwirksamkeit erfüllt nahezu alle Grundbedürfnisse, vor allem aber Autonomie, Selbstwert, Sinn, Identität, Kontrolle und Orientierung, sowie Exploration: „Ich bin wirksam in der Welt, kann mich auf mich und meine Fähigkeiten verlassen. Ich kann Hindernisse auf dem Weg zu meinen Zielen überwinden.“

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch: Psychodynamisches Coaching, Mental Coaching, Selbstwert- und Selbstsicherheitstraining.

 

6. Problemlösefähigkeit & Zielorientierung

Dieser Faktor ist eng mit dem Faktor Selbstwirksamkeit verbunden. Er enthält die Fähigkeit sich klar definierte Ziele zu setzen, diese mit Disziplin und Beständigkeit zu verfolgen und die dazu notwendigen Strategien zur Analyse und Bearbeitung von Problemen einzusetzen: „Ich setze mir realistische Ziele und verfolge sie mit Beständigkeit. Ich habe Freude, Mut und die Fähigkeit Ziele, die ich mir gesteckt habe zu erreichen und lasse mich von Misserfolgen nicht sofort entmutigen.“ 

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch:

Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching, Mental Coaching, Selbstwert- und Selbstsicherheitstraining, Selbststeuerungs- und Emotionstraining, allgemeines & individuelles Problemlösetraining

 

7. Positive Grundhaltung

Menschen die eher das halb volle als das halb leere Glas sehen, haben einen realistischen Optimismus, wie es Reivich & Shatté nennen (2002). Vielmehr beinhaltet es aber auch den Glauben an sich, Glaube an das Leben und ein Gefühl des Eingebettetseins in die Natur und das Universum. Mit diesem Faktor werden vor allem die Grundbedürfnisse nach Sinn, Identität und nach Kohärenz erfüllt. Eine hohe Ausprägung dieses Faktors zeigt sich unter anderem in großer Zuversicht und einem Denken in Möglichkeiten, statt in Begrenzungen: „Ich glaube an mich und das Leben und weiß, dass in Krisen auch Chancen enthalten sind.“ 

 

Gestärkt und trainiert werden kann dieser Faktor durch: Achtsamkeitstraining, Psychodynamisches Coaching, Mentales Coaching, Selbstwert- und Selbstsicherheitstraining und insbesondere durch Positivitäts- und Dankbarkeitstraining.

 

Im nächsten Teil dieses BLOG erfahren Sie, wie Sie ganz konkret an der BASIS Ihrer Grundbedürfnissen arbeiten und hier Ihre innere Bilanz verbessern können. Zudem wird es immer wieder Übungen geben, die Ihre Resilienz und Ihre psychische Widerstandskraft stärken werden. Oder Sie starten heute schon damit und suchen sich einen oder zwei der Resilienzbooster aus und nutzen diese jeden Tag. Die Anleitungen zu den Resilienzboostern finden Sie in meinen vorausgehenden BLOG-Einträgen.

 

Wenn Sie sofort mehr erfahren wollen oder an sich und an Ihrer BASIS arbeiten möchten, dann machen Sie doch gern einen Termin bei mir aus oder besuchen einen meiner Workshops. 

 

Wenn Sie Führungskraft sind, dann interessiert Sie sicher mein Artikel: "Führt schlechte Führung zu Burnout?"

 

Herzlichst Ihr

AK

 

Wenn Du auch regelmäßig über neue Übungen und Texte von mir informiert werden möchtest - dann schicke mir einfach eine email an:
kontakt@andre-kellner.de

 
Quelle:

André Kellner (2015): Das 7+7 gesunder Führung - Psychologisierung von Führungskräften als BGM Maßnahme. Erschienen in   "Wirtschaftsfaktor Gesundheit: Wie Ihr Unternehmen durch Corporate Health gesünder und leistungsfähiger wird.
Hrsg. O. Foitzik.

 

Literatur

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. dgvt. Tübingen

Arbeitskreis OPD, Herausgeber. (2006): Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-2, Bern: Verlag Hans Huber, Hogrefe AG

Brisch, K.H. (2010): Bindungsstörungen. Klett-Cotta. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.

Fröhlich-Gildhoff, K.; Rönnau-Böse, M. (2014): Resilienz. Stuttgart. UTB Verlag

Grawe, K. (2004) †: Neuropsychotherapie. Hogrefe

Polster, E. & M.(1983): Gestalttherapie. Theorie und Praxis der integrativen Gestalttherapie. Geist und Psyche. Fischer. Frankfurt a. M.

Reivich, K.; A. Shatté (2002): The resilience factor. Broadway Books, USA

Schore, A. N. (2007): Affektregulation und Reorganisation des Selbst. Klett-Cotta. Stuttgart.

Schore, A.N. (2012): Schaltstellen der Entwicklung. Klett-Cotta. Stuttgart.

Singer, T.; Bolz, M. (2013). Mitgefühl in Alltag und Forschung. Ebook, http://www.compassion-training.org/

 



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Das 7+7 gesunder Lebensführung® I - Die 7 essentiellen Grundbedürfnisse

 

Welche Grundbedürfnisse gibt es und was kann ich tun, um diese zu erfüllen?

 

Was ist Resilienz und durch welche Faktoren kann ich diese Widerstandskraft stärken?

 

Was lässt Menschen gesund und glücklich sein und wie kann ich das in meinem Leben umsetzen?

 

Welche Wurzeln braucht ein Mensch und was stärkt seine BASIS? 

 

 


 

Das 7+7 gesunder Lebensführung® basiert auf den modernsten Erkenntnissen aus Neurobiologie und ist Ihre Schlüssel zur Erfolg, Gesundheit und Lebensfreude. BASIS sind die 7 essentiellen Grundbedürfnissen des Menschen und 7 Resilienzfaktoren. Es beinhaltet zudem 7 Resilienzbooster zur Stärkung der inneren Widerstandskraft, die Ihre geistige und körperliche Flexibilität verbessern.

Alle Übungen gibt es zum Ausprobieren und Mitmachen online, mit kleinen Videos, Anleitungen und Anregungen zur alltäglichen Umsetzung.

Die Videos zu den 7 Resilienzboostern finden Sie in meinen vorausgehenden Blogs. Wenn Sie Führungskraft sind, dann ist das 7+7 für Sie von besonderer Wichtigkeit! Denn gesunde, effiziente und effektive Führung benötigt ein hohes Maß an Selbstführungskompetenz und die Fähigkeit Menschen zu bewegen, zu begeistern und vor allem auch emotional zu erreichen. Dafür gibt es für Führungskräfte das 7+7 gesunder Führung®. Einen ersten Eindruck erhalten Sie in meinem Artikel: "Führt schlechte Führung zu Burnout?"

 

Die 7 psychischen Grundbedürfnisse

Die entwicklungspsychologische und neurobiologische Forschung der letzten 20 Jahre, konnte belegen, dass es neben einem physischen Bauplan, auch einen psychischen Bauplan des Menschen gibt. Dazu gehört, unter anderem, dass Menschen mit Emotionen ausgestattet sind und 7 psychische Grundbedürfnisse haben. Diese sind sehr gut beforscht, werden allerdings von verschiedenen Autoren unterschiedlich benannt oder zusammengefasst.

 

Diesen Grundbedürfnissen liegen intrapsychische Motivationssysteme (vgl. unter anderem A. Schore, K. H.  Brisch oder K. Grawe) zugrunde, auf welche ich an dieser Stelle nicht ausführlicher eingehen kann. Sehr vereinfacht lässt sich sagen, dass Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Erfüllung dieser Grundbedürfnisse haben und bestrebt sind diese bei Nichterfüllung anderweitig auszugleichen und zu kompensieren. Wenn eines oder mehrere Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden, bedeutet dies auf neurobiologischer Ebene Stress. Dauerhafte Nichterfüllung eines oder mehrerer Grundbedürfnisse kann zu psychosomatischen Erkrankungen und Stressfolgeerkrankungen wie z.B. Burnout führen. Insofern ist es für die eigene gesunde Lebensführung notwendig, einen Blick auf diese Grundbedürfnisse zu werfen.

 

Die 7 Psychischen Grundbedürfnisse = BASIS + W + KK

 

Die BASIS Grundbedürfnisse sind an die psychodynamische und neuropsychologische Entwicklung des Menschen angelehnt.

Bindung

Das Bedürfnis ist das elementarste und wichtigste unserer Grundbedürfnisse. Es ist angeboren, dient dem Überleben des Einzelnen und der gesamten Spezies. Verlust von Bindung oder wenig liebevolle Bindungen, bedeuten Stress für unser Gehirn. Das ist nicht nur bei kleinen Kindern so. Sehr vereinfacht kann man sagen: Gute Bindung bedeutet wenig Stress, schlechte Bindung bedeutet mehr Stress, keine Bindungen bedeuten auch Stress oder müssen anderweitig kompensiert werden (Brisch, 2010). 

Wenig Stress in Bindungen bedeutet mehr Ressourcen für andere Aufgaben und damit eine höhere Leistungsfähigkeit. Das ist eine ganz einfache Rechnung. Langfristig bedeutet dieser „Beziehungsstress“ einen enormen Risikofaktor für Burnout.

 
A
utonomie
Dies ist der Gegenpol zur Bindung. Psychische Gesundheit erfordert ein dynamisches Gleichgewicht zwischen diesen Polen. Menschen haben tiefes Bedürfnis danach eigene Entscheidungen zu treffen, Dinge selbstständig und eigenverantwortlich tun zu dürfen. Hier gibt es eine deutliche Überschneidung mit dem Resilienzfaktor Selbstwirksamkeit. Autonomie ist aber weit mehr als das. Sie beinhaltet auch den Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen und ist somit für die gesunde Entwicklung von Menschen unabdingbar. Autonomie enthält zudem auch die Bedürfnisse nach Exploration (Brisch), sowie Kontrolle und Orientierung (Grawe).

S
elbstwert

Dieses Bedürfnis hat ebenfalls einen hohen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Menschen brauchen lebenslang wiederkehrende, wohlwollende Beachtung, Bestätigung und Anerkennung. Wird dem nicht authentisch nachgekommen, kann ein Kompensationsversuch das Arbeiten bis zum Umfallen sein. Zudem muss zwischen echtem und falschem Selbstwert unterschieden werden. Ein guter, ein echter Selbstwert bedeutet – unter  anderem – auch Kränkungen und persönliche Misserfolge aushalten und verarbeiten zu können und nicht die (Arbeits-) Beziehungen damit zu belasten.

Echter Selbstwert beinhaltet insbesondere die Aspekte: Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstakzeptanz, Selbstannahme, Selbstliebe, Selbstrespekt, Selbstachtung, gesunde Selbstbehauptung und Selbstabgrenzungsfähigkeit, Selbst-Mitgefühl und Selbst-Wohlwollen. Lesen Sie mehr zum Thema Selbstwert in meinem BLOG über SELO & Selbstakzeptanz. 

 

Identität

Menschen wollen sich mit etwas identifizieren. Das fängt bei körperlichen, seelisch-emotionalen oder Charaktereigenschaften an und hört bei dem was wir im Berufsleben tun auf.  Vor allem die soziale oder berufliche Identität ist für Menschen wichtig. Sich mit etwas zu identifizieren, bedeutet auch mehr Leistungsfähigkeit.

 

Sinn & Spiritualität

Dieses Grundbedürfnis wird zum Teil kontrovers betrachtet. Nicht zuletzt, weil hier neurobiologische Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Es ist jedoch erwiesen, dass Menschen, die dem Leben einen Sinn geben können, weit besser mit Krisen und stressvollen Erfahrungen umgehen können. Dies ist auch meine persönliche Erfahrung in der Behandlung von Menschen mit Traumafolgeerkrankungen. Mit Spiritualität ist nicht zwingend eine spezifische Glaubensrichtung, Religion oder gar Kirche gemeint. Es geht um eine sehr persönliche innere Erfahrung, ein Gefühl von Eingebunden Sein in die Welt, die Natur, das Universum und das Leben.


W
ohlbefinden

Menschen streben nach körperlichem, emotionalem und auch psychischem Wohlbefinden. Grawe nennt dieses Prinzip „Vermeidung negativer Reize und Lustgewinn“. Wie wichtig dieses Grundbedürfnis ist, wird Menschen oft erst dann bewusst, wenn sie krank sind (körperlich oder auch psychisch) oder Schmerzen haben.

Konsistenz & Kohärenz

KK sind Grund- und Metabedürfnisse. Daher kommt Ihnen eine besondere Position zu.

 

Konsistenz:

Menschen streben nach Konsistenz. Sowohl in sich selbst, als auch in Bezug auf zwischenmenschliches Verhalten. In Bezug auf die BASIS Grundbedürfnisse und die intrapsychische Konsistenz streben Menschen danach, zum Teil widerstrebende Grundbedürfnisse, zu erfüllen. Laut Grawe (2004) ist das zentrale Prinzip des psychischen Funktionierens das Streben nach Konsistenz und die Vermeidung von Inkonsistenz.

Dies wird vor allem an den Grundbedürfnissen Bindung und Autonomie sehr deutlich. Diese sind wie ein polares Geschwisterpaar. Die Kunst ist es in der Beziehung zu anderen Menschen auch seine Autonomie, seine Individualität und seinen Wunsch nach Exploration auszuleben, ohne dabei die Bindung aufs Spiel zu setzen. Konsistenz bedeutet aber auch, dass wir im Kontaktverhalten Vorhersagbarkeit bevorzugen. Ein Chef, der das eine sagt und das andere tut oder heute dieses will und morgen jenes oder gar seine eigenen Prinzipien und Anforderungen an seine Mitarbeiter selbst ständig verletzt, macht Menschen richtig Stress. Hier sind neben dem Bedürfnis nach Konsistenz auch das Bedürfnis nach Kontrolle und Orientierung und Vorhersagbarkeit verletzt. Aus der Bindungsforschung ist bereits seit langem bekannt, dass ambivalentes Bindungsverhalten sehr viel Stress bei Kindern verursacht. Es ist davon auszugehen, dass dies auch für Erwachsene gilt.

 

Noch einmal zusammengefasst:

Konsistenz als Metabedürfniss:

    Bestreben nach konsistenter Erfüllung der BASIS Grundbedürfnisse

    Vermeidung von Inkonsistenz in Bezug auf die BASIS Grundbedürfnisse

Konsistenz als Grundbedürfniss:

    Menschen brauchen Vorhersagbarkeit.

    Konsistentes Verhalten senkt Stressanfälligkeiten

    Inkonsistentes Verhalten erzeugt Stress!


K
ohärenz:

Aaron Antonovsky der Vater der Salutogenese und damit auch der Resilienzbewegung, nennt zudem Kohärenz als ein zentrales Grundbedürfnis des Menschen. Darin sind die drei Komponenten Verstehbarkeit (comprehensibility), Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit (manageability) und Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (meaningfulness) enthalten. Kohärenz entsteht demnach, wenn Menschen dem Leben nicht nur einen Sinn (siehe fünftes BASIS Grundbedürfnis) geben können, sondern die Überzeugung haben das Leben und die damit verbundenen Lebensaufgaben bewältigen zu können und das Gefühl haben die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen. Andersherum gesagt, wenn ich das Gefühl habe das Leben macht keinen Sinn, ich habe keinen Einfluss auf das was in meinem Leben geschieht und ich verstehe auch nicht warum etwas geschieht, dann ist ein elementares Grundbedürfnis verletzt.

 

Im nächsten Teil dieses BLOG erfahren Sie, was es mit den 7 Resilienzfaktoren auf sich hat und wie Sie diese gezielt stärken können. Weitere Tipps zur Stabilisierung Ihrer BASIS, wie Sie dafür sorgen können, dass Ihre Grundbedürfnisse besser erfüllt werden und Anregungen um Ihre psychische Widerstandskraft zu stärken, folgen in den nächsten Wochen auf dieser Seite.

 

Wenn Sie sofort mehr erfahren wollen oder an sich und an Ihrer  BASIS arbeiten möchten, dann machen Sie doch gern einen Termin bei mir aus oder besuchen einen meiner Workshops. 

 

Wenn Sie Führungskraft sind, dann interessiert Sie sicher mein Artikel: "Führt schlechte Führung zu Burnout?"

 

Herzlichst Ihr

AK

 

Wenn Du auch regelmäßig über neue Übungen und Texte von mir informiert werden möchtest - dann schicke mir einfach eine email an: kontakt@andre-kellner.de

 


Quelle:

André Kellner (2015): Das 7+7 gesunder Führung - Psychologisierung von Führungskräften als BGM Maßnahme. Erschienen in   "Wirtschaftsfaktor Gesundheit: Wie Ihr Unternehmen durch Corporate Health gesünder und leistungsfähiger wird.
Hrsg. O. Foitzik.

 

Literatur

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. dgvt. Tübingen

Arbeitskreis OPD, Herausgeber. (2006): Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-2, Bern: Verlag Hans Huber, Hogrefe AG

Brisch, K.H. (2010): Bindungsstörungen. Klett-Cotta. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage.

Fröhlich-Gildhoff, K.; Rönnau-Böse, M. (2014): Resilienz. Stuttgart. UTB Verlag

Grawe, K. (2004) †: Neuropsychotherapie. Hogrefe

Polster, E. & M.(1983): Gestalttherapie. Theorie und Praxis der integrativen Gestalttherapie. Geist und Psyche. Fischer. Frankfurt a. M.

Reivich, K.; A. Shatté (2002): The resilience factor. Broadway Books, USA

Schore, A. N. (2007): Affektregulation und Reorganisation des Selbst. Klett-Cotta. Stuttgart.

Schore, A.N. (2012): Schaltstellen der Entwicklung. Klett-Cotta. Stuttgart.

 

Singer, T.; Bolz, M. (2013). Mitgefühl in Alltag und Forschung. Ebook, http://www.compassion-training.org/



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HUGO® - HUMOR AND (LET) GO

 

Resilienzbooster Nr. 7:

HUGO® - HUMOR AND (LET) GO!

 

HUGO® - hilft Dir in verfahrenen Situationen neue Wege zu finden.

HUGO® - macht Dich locker, bringt Freude und Energie für jeden Tag.

HUGO® - lässt selbst dunkle Wolken vorüberziehen und bringt Dich auf die sunny side of life!

 


HUGO® hilft uns humorvoll auf uns und auf belastende Situationen zu schauen. Über sich selbst mal Lachen zu können. Sich selbst und das Leben nicht zu ernst zu nehmen.
Lachen hat eine äußerst entstressende und entspannende Wirkung. Beim Lachen werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt, die uns körperlich und seelisch positiv beeinflussen. Humor hilft uns auch eine andere Perspektive einzunehmen, zur Seite zu treten und die jeweilige Situation mit Distanz zu betrachten.

Lachen und Humor helfen uns überzogenen Perfektionismus und andere irrationale Überzeugungen zu relativieren.

Schalten Sie den HUGO® ein und lächeln Sie doch einfach mal Ihren Kollegen oder Ihre Kollegin an. Am besten von Herzen. Oder Ihren Nachbarn im Treppenhaus, jemanden der Ihnen in der Bahn begegnet, auf der Strasse, während Sie im Stau stehen oder an der Ampel warten, den Autofahrer neben Ihnen. Und seien Sie mal gespannt, was dann passiert. Die meisten Menschen werden zurück lächeln. Und das macht ein ziemlich geiles Gefühl - für beide! 

Auch bei Selbstvorwürfen, Ärger auf sich selbst oder Ärger über andere Menschen und bei Dingen, die man nicht ändern kann, ist HUGO® extrem wirksam und hilfreich.  
HUGO® steigert die Kreativität und Effizienz, lässt uns neue Lösungswege finden, wodurch auch Denkblockaden gelöst werden.

HUGO® steigert Ihre Lebensqualität, Lebensfreude, Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Gesundheit, denn – Lachen ist gesund! 

 

Herzliche Grüße

Ihr AK

 

 

 

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BIFO® - DER KLOPFER

 

 

Resilienzbooster Nr 6:

BIFO® - DER KLOPFER

 

BIFO® löst alte Blockaden, hilft bei Angst, Stress und starken Emotionen.

BIFO® ist völlig beklopp(f)t und das Ei des Kolumbus

BIFO® ist hochmodern und uralt. 


Körperklopfen und heilsame innere Bilder zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte

 

Wer ist BIFO®? Das Körperklopfen gehört zu den Bifokal-Multisensorischen Interventionen (BMSI). BIFO nutzt diese Bifokal-Multisensorischen Interventionen zur Stressreduktion und ist vor allem auch bei Ängsten sehr wirksam. BIFO® lässt sich sehr gut bei Prüfungsängsten, Auftrittsängsten (Musiker, Redner und Führungskräfte) und auch zur Wettkampfvorbereitung im Sport einsetzen. Im Mai 2015 wurden auf dem ersten BMSI-Kongress "Reden reicht nicht" in Heidelberg vor über 1500 Teilnehmern und internationaler Fachbesetzung, in Workshops und Vorträgen, die verschiedenen BMSI und andere moderne Verfahren vorgestellt. Im modernen Coaching und Therapie werden aktuelle therapeutische Verfahren mit uraltem Wissen über die Selbstheilungskräfte kombiniert. BIFO und das dabei verwendete Körperklopfen ist eine psychotherapeutische Zusatztechnik, welche eine aktive neuronale Stimulation und eine Vernetzung der Gehirnhälften in die Therapie miteinbezieht. BIFO® beruht auf uralten Akupunktur- und Akupressurtechniken und wird mit modernen Erkenntnissen aus der Embodimentforschung kombiniert. Derzeit forscht unter anderem der Haptikforscher Prof. Martin Grunwald zum Thema "Selbstberührung und Selbstberuhigung". (http://haptiklabor.medizin.uni-leipzig.de/forschung/projekte/)

 

Spätestens seit der Entdeckung von EMDR (oder wingwave) in den 1990ern sind derartige Zusatztechniken nicht mehr aus der Therapie- und Coachinglandschaft wegzudenken. Sie haben zum Teil bahnbrechende Veränderungen in der Behandlung von Traumata ermöglicht. Das Prinzip der vernetzten Gehirnhälften wird auch von den Klopfverfahren genutzt, wobei hier zusätzlich der Körper aktiv in den Prozess miteinbezogen wird. Dadurch werden die Selbststeuerung, Selbstberuhigung und damit die Selbstwirksamkeit direkter Bestandteil des Verfahrens.
Die Behandlungsverläufe bei Ängsten, Traumafolgestörungen und Stressverarbeitungsstörungen lassen sich dadurch häufig beschleunigen, ohne die Patienten unter Druck zu setzen. In Kombination mit Imaginationen, kraftvollen inneren Bilder und der Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen (Inneres Team, Innere Familie, Inneres Kind etc.) setzen direkt im Gehirn an und helfen, positive Veränderungen in kürzeren Zeiträumen anzustoßen, als dies bei klassischen Therapien noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist. Viele aus der Traumatherapie kommende Methoden, Verfahren und Techniken können aber auch bei anderen therapeutischen Fragestellungen oder im Coaching eingesetzt werden und ermöglichen häufig eine deutliche Beschleunigung der therapeutischen Prozesse.

 

Wie das konkret in der Therapie oder im Coaching aussehen kann, lesen Sie in der Fallbeschreibung: Völlig beklop(f)t - Oder das Ei des Kolumbus?

 

Herzliche Grüße

Ihr AK

 

 

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QIGO® - WECKE DEN TIGER IN DIR

Resilienzbooster Nr. 5:

QIGO® - AKTIVIERE DIE LEBENSENERGIE & WECKE DEN TIGER!

 

QIGO® aktiviert Dich und setzt ungeahnte Kräfte frei.

QIGO® energetisiert Dich und stärkt Deine mentalen Kräfte.

QIGO® transformiert starke Emotionen und weckt die Lebensenergie!

 

 

Wie das geht, seht Ihr in diesem Videoblog...


 

QIGO® ist ein uralte Meditationstechnik und Mental Technik aus den asiatischen Kampfkünsten. Diese Technik stärkt unser körperliche, geistige und seelische Kraft. Ich setze sie zur Aktivierung, zur Leistungssteigerung, zur Stärkung der Gesundheit, als Wettkampfvorbereitung und im Mental Coaching und Mentalem Training ein. QIGO® macht wach, wenn Ihr müde seid und transformiert unangenehme Gefühle. Vor allem bei Wut und Ärger ist QIGO® sehr wirksam.

 

Was es mit QIGO®, Meditation und dem QI (CHI oder Prana) der Lebensenergie auf sich hat könnt Ihr hier nachlesen: 

QIGO® kombiniert fernöstliche Techniken zur Stressbewältigung mit modernen, neurobiologischen Ansätzen.

 

1.)„Pferdstellung“
Beginn mit geschlossenen Beinen. Nach rechts in einem Bogenschritt doppelt Schulterbreit öffnen. Tief stehen. Oberschenkel sind parallel zum Boden, Fußspitzen nach vorn, Knie nach außen, Oberkörper und Kopf aufrecht, Hände vor der Brust gefaltet. Augen schließen und den Atem fließen lassen. Beim Beenden das rechte Bein heranziehen und dann mit der Einatmung in einem großen Kreis das äußere Qi holen zum unteren Dantien (3 Finger unter dem Bauchnabel) senken. Mit 1-3 Minuten beginnen und langsam steigern.

Diese Übung aktiviert und kräftigt das Qi und den Körper. Sie ist gut für die Willenskraft sowie stabilisierend und energetisierend für Körper und Geist. Eine äußerst aktivierende Übung!

 

2.) „Den Tiger wecken“ oder „Der grollende Tiger fletscht die Zähne“.  Pferdstellung einnehmen. Hände zu Tigerkrallen  formen. Tief einatmen und sich vorstellen, man schiebt mit dem Ausatmen einen Gegner oder ein Hindernis nach vorne weg. Dabei die Zähne fletschen und wie ein Tiger fauchen oder grollen. Dabei sind alle Muskeln im Körper angespannt. Dann locker lassen und tief einatmen. Dann die Hände mit den Tigerkrallen zur Seite schieben und wieder ausatmen. So als würde man rechts und links gleichzeitig etwas wegschieben. Dabei wieder die Zähne fletschen und wie ein Tiger fauchen oder grollen. Dann nochmal nach vorn wegschieben. Beenden mit dem Einsammeln der Energie, wie unter 1 „Pferdestellung“.

Die Übung zwei bis drei Mal wiederholen.

  

1. Qi Gong, Tai Chi und Meditation aus neurobiologischer und wissenschaftlich-medizinischer Sicht:

Regelmäßige Meditation kann beruhigend wirken und wird des Öfteren in bestimmten Formen auch in der westlichen Medizin als Entspannungstechnik empfohlen. Die Wirkung, der meditative Zustand, ist neurologisch als Veränderung der Hirnwellen messbar. Der Herzschlag wird verlangsamt, die Atmung vertieft, Muskelspannungen reduziert. 

 

2. Qi Gong Tai Chi und Meditation aus fernöstlicher Sicht

„Men Sana in corpore sano“, also „Ein gesunder Körper, ein gesunder Geist“ sagten die Lateiner. Darum geht es auch im Qi Gong, Tai Chi und allen Formen von meditativen Techniken, wie z.B. auch Yoga. Körper und Geist, psychisches und physisches Befinden sollen in Einklang und damit in Gesundheit gelangen. Auch die moderne Medizin erkennt immer mehr die Zusammenhänge von Psyche und Körper und macht sich daher diese tausend Jahre alten Techniken zur Gesunderhaltung von Körper und Geist zu Nutze.

 

Qi – was ist das?

Qi (Chi gesprochen) nach den fernöstlichen Lehren ist die elementare Lebenskraft, jene universelle Energie, die dem menschlichen Leben, ja dem ganzen Universum zugrunde liegt.

Es gibt zwei Formen des Qi, ein äußeres Qi und ein inneres Qi.

 

Äußeres Qi

Allgemein wird das äußere Qi in den fernöstlichen Lehren auch universelles Qi genannt. In Indien heißt es Prana und in Japan Ki. Es ist überall im Universum enthalten und ist diese universelle Energie, die alles am Leben erhält, Wind und Wasser seine Form und Bewegung gibt, das Feuer und die Erde erhält, sowie die Planeten und Galaxien auf ihren Bahnen lenkt.

 

Das innere Qi

Das innere Qi ist unsere individuelle Lebensenergie. Wir nähren dieses Qi durch das, was wir essen und trinken, durch die richtige Bewegung und durch unseren Atem. Das innere Qi wird im Energiezentrum des menschlichen Körpers gesammelt, dem unteren Dantien, das drei Fingerbreit unter dem Bauchnabel liegt. In Japan wird dies Hara genannt. Von diesem Bereich geht nach fernöstlichem Glauben alle Kraft aus, von hier fließt das Qi in die Körperregionen, in denen es benötigt wird. Deshalb ist es wichtig, dass im Dantien immer ausreichend Qi vorhanden ist. In Asien versteht man das innere Qi als Teil der kosmischen Energie, die auch alle anderen Lebewesen durchströmt (das äußere Qi). Somit ist nach dieser Lehre jeder mit jedem und allem verbunden.


Was heißt Qi Gong?

Qi Gong heißt wörtlich „Energie Arbeit“ oder „sich im Qi üben“. Dies bedeutet, dass man im Qi Gong lernt sich im lenken und sammeln das Qi zu üben. Es geht also darum die Lebensenergie zu lenken und zu kräftigen und dadurch Entspannung zu erfahren und zugleich Energie zu tanken. Bei uns sagt man ja nicht ohne Grund: „In der Ruhe liegt die Kraft“

Dazu gehören Atemübungen in Verbindung mit festgelegten Bewegungen, die den Fluss des Qi wieder anregen. Aber auch Visualisierungsübungen, bei denen man sich vorstellt, wie das Qi durch einzelne bereiche des Körpers fließt gehören hierzu. Immer verbunden mit einer bewussten Atmung. Denn Atmen bedeutet Leben und richtiges Atmen bedeutet ein langes und gesundes Leben.

 

Arten des Qi Gong

1.)    Qi wird aus der Umgebung, sprich dem Universum, aufgenommen

2.)    Das Qi wird im eigenen Körper bewegt (inneres Qi-Gong)

3.)    Das Qi wird benutzt, um anderen Menschen zu heilen, indem der Qi Gong Meister das eigene Qi an sie abgibt

 

Zu 1.) und 2.) gibt es noch die Unterscheidung in hartes Qi Gong (Eisenhemd Qi Gong), welches z.B. von den Shaolin Mönchen praktiziert wird (z.B.. „Pferdstellung“) und weiches Qi Gong, welches in der Regel in Europa und im westlichen Teil der  Welt gelehrt wird.

Was ist Meditation?

Meditationen sind unterschiedliche Konzentrationsübungen, bei denen man einen Zustand von Entspannung bei gleichzeitig maximaler Wachheit und Klarheit anstrebt. Es gibt unterschiedliche Formen der Meditation, wobei zwischen passiven und aktiven Formen unterschieden wird.

Zu den passiven Formen gehören unter anderem die Achtsamkeitsmeditation (z.B. Vipassana und Zen-Meditation, in der Regel sitzend durchgeführt) und die Konzentrationsmeditation (Konzentration auf einen mittels Klang oder eine Visualisierung, ein bestimmtes Bild), oder geführte Meditationen (Phantasiereisen oder ähnliches).

Bei den aktiven Formen sind unter anderem das Zen-Bogenschießen, die ursprünglichen Kampfkünste, Tai Chi, Qi Gong und Yoga zu nennen. Des Weiteren die Gehmeditation und jegliche Form von achtsamer und fokussierter Handlung.

 

Herzliche Grüße

Ihr AK

 

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SELO® - SELF LOVE - DER SELBSTBEZIEHUNGSBOOSTER

 

 

Resilienzbooster Nr. 4 :

SELO® - Selbstliebe und Selbstakzeptanz

 

SELO® verbessert Deine Selbstbeziehung.

SELO® macht Schluss mit den ewigen Selbstanklagen.

SELO® hilft Dir Dich so zu lieben und anzunehmen wie Du bist!

 

Wie das geht und wie man das tatsächlich lernen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.



 

Sehr viele Menschen leiden unter einem schwachen Selbstwert. Sie versuchen diesen entweder dadurch zu kompensieren indem sie andere klein machen - das nennt man Überheblichkeit oder Arroganz. Indem sie sich über den anderen erheben und ihn dadurch klein machen, fühlen sie sich größer, mächtiger und stärker. Doch das ist kein echter Selbstwert! Das ist eigentlich nur eine primitive Form der Angstkompensation. Andere wiederum versuchen immer für andere da zu sein. Sie nehmen sich selbst zurück und versorgen andere Menschen. Egal ob privat oder im Job. Das sind die Harmoniesüchtigen. Auch das ist kein echter Selbstwert! Auch das ist Angst und Angstkompensation. Allerdings ist diese Variante sozialverträglicher. Wieder andere versuchen ihren mangelnden Selbstwert und ihre Ängste durch Statussymbole, große Autos, schöne Frauen, die neueste Mode, zu viel Essen, Trinken, Alkohol, Drogen oder andere materielle Dinge zu kompensieren.

 

Doch was hat es eigentlich mit dem Begriff: "Selbstwert" auf sich? Und was genau ist dann ein echter Selbstwert?

Selbstbewusstsein und Selbstwert werden in unserem Sprachgebrauch oft miteinander verwechselt. Echtes Selbstbewusstsein ist die Voraussetzung für echten Selbstwert. Es bedeutet sich seiner Stärken und seiner Schwächen (selbst) bewusst zu sein. Diese für sich anzuerkennen und anzunehmen. Wie die moderne Entwicklungspsychologie und Neurobiologie beweist, liegt die Basis dafür tatsächlich in der frühen Kindheit. In dem, was wir Urvertrauen nennen. Urvertrauen kann sich allerdings nur dann entwickeln, wenn man von Anfang an sicher, emphatisch und feinfühlig von seinen Eltern begleitet wurde. Dies ist insbesondere in den ersten drei Jahren enorm wichtig. Vor allem zählt hierzu, wie prompt (sofort) die Eltern auf die Bedürfnisse des Kindes reagieren, es trösten, oder auch heftige Gefühle, wie Wut und Ärger mit ihrem Kind aushalten können. Nur so lernen Menschen sich selbst zu regulieren, Stress zu verarbeiten und nur so kann das kleine (und später auch das große) Menschlein sich selbst immer vertrauter werden. Nur so wird man wirklich (selbst-) bewusst, emotional und sozial kompetent, und ein wirklich liebes- und beziehungsfähiger Mensch. Hierbei ist es einerseits wichtig, wie die Eltern mit dem Kind umgehen, ebenso wichtig ist aber auch wie die Eltern mit sich selbst (Selbstbeziehung), wie sie miteinander und wie sie mit anderen Menschen umgehen. Denn das zutiefst angeborene Bedürfnis des Menschen nach Bindung und Beziehung, lässt ihn als Kind und vor allem als Kleinkind, alles aufnehmen und abspeichern, was diese Bindungen schützt und erhält. Und so haben Sie auch gelernt, wie Sie mit sich selbst umgehen, wie Sie über sich selbst denken und ob Sie sich selbst achten und lieben. Oder eben auch nicht!

 

Da die meisten Menschen leider nicht das optimale Selbstfürsorge-, Selbstachtsamkeits- und Selbstliebeprogramm durchlaufen durften, leiden nahezu alle Menschen unter inneren Kritikern, Anklägern, Antreibern und Quälgeistern. Die Ihnen sagen, sie seien nicht gut genug! Sie müssten etwas dafür tun, um geliebt zu werden! Wenn Sie diesen Quälgeistern uneingeschränkt Glauben schenken, dann begehen Sie einen fatalen Fehler: Sie verwechseln Anerkennung mit Liebe! Für Anerkennung können Sie etwas tun. Für Liebe nicht! Liebe bekommt man geschenkt. Das ist bedingungslose Liebe. Es wäre schön gewesen, wenn Sie diese tatsächlich von Anfang bekommen hätten. Dann müssten Sie heute nicht ständig versuchen sich selbst oder jemand anderem zu beweisen, dass Sie wichtig und liebenswert sind. Dann gäbe es auch deutlich weniger Burnout Fälle!

 

 

 Wie kann man nun seinen Selbstwert und seine Selbstbeziehung verbessern? Wie kann man das lernen?

 

Durch Selbsterfahrung, durch Therapie oder durch ein intensives Coaching. Manchen fällt es erst auf, wenn Sie krank geworden sind und unter den Symptomen leiden. Und dann lernen sie erst durch eine Therapie auch ihren Selbstwert und ihre Selbstbeziehung zu verbessern.

 

Sie können aber auch schon jetzt damit anfangen, denn "Therapie ist zu wertvoll um den Kranken vorbehalten zu sein.", sagte Ervin Polster ein amerikanischer Gestalttherapeut. Beginne heute damit. Am besten jetzt gleich. Du kannst Deine inneren Kritiker hinterfragen und in einer Therapie, einer Selbsterfahrung oder einem tiefgehenden Coaching bearbeiten. Du kannst Dich selbst entwickeln und Dir selbst und dem was Du wirklich bist, immer mehr begegnen. 

 

Die Selbstakzeptanz Übungen und SELO® können entweder ein erster Schritt sein oder begleitend zu Deiner Therapie und Selbsterfahrung eingesetzt werden. Indem Du Dir immer bewusster wirst, wie Du über Dich denkst oder wie Du in Gedanken mit Dir redest, kannst damit beginnen diese inneren Sätze zu in kraftvolle, stärkende Sätze umzuwandeln. Menschen reden immer mit sich. Du entscheidest, ob diese Sätze kraftvoll, zuversichtlich und stärkend sind oder destruktiv und zerstörerisch. Beginne jetzt damit die alten Programmierungen zu verändern!
Ein echter Selbstwert bedeutet vor allem: Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstakzeptanz, Selbstannahme, Selbstliebe, Selbstrespekt, Selbstachtung, Selbstbehauptung & Selbstabgrenzungsfähigkeit, Selbstmitgefühl und Selbstwohlwollen. 
Ein gutes Selbstbewusstsein ist dabei der erste Schritt zur Veränderung. 

 

Gerne begleite ich Dich bei diesem Prozess zu Deinem wahren, kraftvollen und authentischen Selbst! 

 

Noch mehr Informationen zu den anderen BASIS Grundbedürfnissen, wie z.B. Bindung, Autonomie und Sinn findest Du in diesem Link. 

 

Herzliche Grüße

 

AK

 

In der Vorbereitung zu diesem Artikel fiel mir mein Blog vom 24.10.2014 in die Hände. Lies die wunderbare Geschichte einer Klientin zum Thema:
Selbstliebe, Selbstakzeptanz und Gefühle oder "Wie es zum Wissen um Bauchmuskelkater am kommenden Morgen kam."

 

 

 

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SEBO® MIT TURBO PMR

 

 

Resilienzbooster Nr. 3:

SEBO® mit Turbo PMR

 

SEBO® aktiviert den Parasympathikus und führt eine sofortige Entspannung und Erleichterung herbei!

SEBO® lässt Sie mal durchschnaufen - Stress und Ärger lösen sich leichter auf.

SEBO® macht Spaß und bringt Ihnen Ihre gute Laune und Energie zurück!

 

 

 



SEBO und Turbo PMR kombiniert die Progressive Muskelentspannung mit automatischen Entlastungsreaktionen unseres Körpers. 

1. Body Scan – Einmal durch den ganzen Körper scannen (hierbei kann BEBO® helfen) und wahrnehmen wie dieser sich anfühlt. Beginnen Sie bei den Füßen.

2. Turbo PMR – Den gesamten Körper fest anspannen. Alle Muskelgruppen mit einbeziehen und für ca. 7 Sekunden halten. Dabei weiteratmen!

3. SEBO – Sound Embodiment = geräuschvolles Ausatmen, Durchatmen und dabei die Muskelspannung lösen. Sich in den Sitz zurücksinken lassen.

4. Body Scan – Wieder durch den Körper scannen und nachspüren, wie sich die Entspannung ausbreitet. Nehmen Sie sich für die Entspannungsphase und das Nachspüren mindestens 60 Sekunden Zeit!

5. Wiederholen Sie die Übung 3 bis 7 Mal.

 

SEBO® ist ein Entspannungsverfahren für zwischendurch. SEBO® verbindet eine konzentrierte und hoch effektive Form der progressiven Muskelentspannung (PME/PMR) mit einer Atemtechnik. SEBO® aktiviert den Parasympathikus und hilft Ihnen schneller in die Ruhe und Entspannung zu finden. Mit SEBO® können Sie Stress und Ärger schneller hinter sich lassen. SEBO® ist sehr alltagstauglich und überall einsetzbar.

 

SEBO®kann man auch alleine anwenden. Einfach mal geräuschvoll ausatmen, durchschnaufen. Aktives geräuschvolles Ausatmen und dabei ein wenig Seufzen und Stöhnen ist für den Körper und auch die Seele sehr entlastend. Es darf dabei sogar gelacht werden!

 

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Herzliche Grüße

 

 

Ihr André Kellner



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EMOTIO® - Emotionale Intelligenz, Positivität & Herzkohärenz

 

Resilienzbooster Nr. 2:

EMOTIO® - Emotionale Intelligenz, Positivität & Herzkohärenz

 

Mit EMOTIO® und der Übung zur Herzkohärenz nehmen Sie direkt positiv Einfluss auf die Herzfrequenz und damit Ihre Gesundheit. Durch diese Übung aktivieren Sie die IgA (Immunglobuline A) und stärken somit Ihr Immunsystem. Zudem trainieren Sie damit insbesondere die Resilienfaktoren Nr. 2: "Selbststeuerung", Nr. 4: "Stressbewältigungskompetenz" und Nr. 7: "Positivität"

 

 

Lesen Sie mehr dazu und schauen Sich gern auch das Übungsvideo dazu an...



Positive Gefühle sind der Motor für Ihre Gesundheit.

Positive Emotionen sind für die Entwicklung der Menschheit und die Entwicklung und Gesundheit des Einzelnen elementar. Und damit mindestens genauso wichtig, wie die Schutz- und Warnfunktionen der negativen Emotionen.  

 

Positive Gefühle verändern nachhaltig unser Gehirn

Sie verändern nachhaltig unsere neuronalen Netzwerke (ebenso wie die negativen!). Deshalb wird es durch regelmäßiges Üben von positiven Gefühlen mit der Zeit immer leichter, auch unter Druck gelassen und klar zu bleiben. 

 

Positive Gefühle und körperliche Gesundheit hängen zusammen

Beim Empfinden von positiven Gefühlen wie Liebe, Freude, Mitgefühl und Dankbarkeit erhöht der Nervus Vagus – der zentrale Ruhenerv – seine Aktivität. Er sorgt dafür, dass sich unser Herzschlag beruhigt und signalisiert damit dem gesamten Körper und Geist den Zustand von Sicherheit. Dadurch werden Stressreaktionen gedrosselt.

Ein gesunder Wechsel von Anspannung und Entspannung ist der erste Schritt raus aus dem Hamsterrad. Positivität hat nichts mit rosaroter Brille zu tun, sondern mit einem realistischen Optimismus, mit Zuversicht, innerer Kraft und Klarheit. 

 

Welche positiven Gefühle gibt es?

  • Freude
  • Glück
  • Dankbarkeit
  • Zufriedenheit
  • Begeisterung
  • Liebe
  • Demut
  • Zuversicht
  • Gelassenheit

Negative Gefühle sind trotzdem wichtig und willkommen

Denn sie steuern wichtige Schutzmechanismen, um uns verteidigen oder durchsetzen zu können. Negative Gefühle geben uns letztlich auch Orientierung im Leben. Entscheidend ist letztlich eine Balance, eine aktive und realistische Auseinandersetzung mit dem was wir fühlen und die innere Flexibilität zum Umschalten.

 

Positivität, Selbststeuerung & Emotionsregulation und Stressbewältigungskompetenz lassen sich durch die Übung zur Herzkohärenz  trainieren. 

 

Herzkohärenz – eine kleine Übung mit großer Wirkung für Ihre Gesundheit

Herz und Gehirn sind untrennbar miteinander verbunden. Bei Stresszuständen, Angst, Depressionen oder Zorn wird die Herzfrequenz durch diese emotionalen Zustände beeinflusst. Der Puls wird ungleichmäßig mit „chaotischen“ Herzschlägen (Herz-Chaos). Hingegen führen positive Gefühle wie Freude, Zufriedenheit, Demut, Wohlbefinden, Mitgefühl, Liebe und Dankbarkeit zu einer sogenannten Herzkohärenz, mit gleichmäßigem Puls. Dies wurde am Heart Math Institute in Kalifornien seit Mitte der 1990er erforscht und 2001 veröffentlicht.

 

Herz und Gehirn beeinflussen sich wechselseitig. So führt Herzkohärenz zu verbesserter Aktivität im Cortex. Sie können klarer denken und sind leistungsfähiger! Das Gefühl von Wohlbefinden, Mitgefühl, Liebe und Dankbarkeit führt somit zu verbesserten kognitiven Leistungen. Das ist kein esoterischer Zauber, sondern pure Neurobiologie.

 

(Herz-)Chaos hingegen beeinträchtigt die Denkleistung und führt zu chronischem Energiemangel. Chronischer Stress verursacht Depressionen, Burnout und Angstgefühle. Weiter ist er für Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Herzprobleme, Hautprobleme, Infektionen, Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, Unfruchtbarkeit und Impotenz verantwortlich. Auf sozialer Ebene führt er zu Reizbarkeit, Verlust der Empathie, nachlassender Konzentration, Rückzug und nachlassender Teamfähigkeit.

Herzkohärenz ist unmittelbar an das Immunsystem und die Immunglobuline A (IgA) gekoppelt. Diese IgA schützen uns vor Viren, Bakterien und Pilzen. Beim Herzrhythmus „Chaos“ fallen die IgA-Werte massiv ab, so dass unser Immunsystem geschwächt wird (Rein, McCraty et al., 1995). Allein das Gefühl von Ärger, Überforderung und Angst wirkt somit negativ auf das Immunsystem!


Auf die gleiche Weise wirken sich positive und aufbauende Gefühle auf die Herzkohärenz und direkt positiv auf Ihr Immunsystem und damit auf Ihre Gesundheit aus. Das ist messbar, doch noch viel besser, es ist fühlbar! 
Probieren Sie es aus!

 

Kurzversion zur Herzkohärenz:

Legen Sie die Hand auf Ihre Herzgegend. Nehmen Sie ein paar Sekunden bewusst Ihren Atem wahr, ohne ihn zu forcieren oder anzuhalten. Atmen Sie ganz natürlich und entspannt. Nun stellen Sie sich vor, wie Ihr Atem durch Ihre Herzregion strömt. Atmen Sie ein paar Mal leicht und sanft durch Ihr Herz ein und wieder aus.

Während Sie weiter durch Ihr Herz atmen, erinnern Sie sich an eine schöne, angenehme und freudvolle Situation in den letzten Tagen. Eine Situation, in der Sie ein positives Gefühl hatten.  Holen Sie sich diese Situation mental ganz bewusst her. Tauchen Sie darin ein und nehmen das gute Gefühl ganz bewusst wahr. Achten Sie auf alle angenehmen Körperreaktionen, Emotionen und Gedanken. Verweilen Sie bei diesem Bild für ein paar Atemzüge.

 

Diese Übung dauert 1 Minute! Machen Sie diese Übung 5 Mal am Tag. 5 Minuten, die Ihre Gesundheit, Ihre Leistungsfähigkeit, Ihre Kreativität, Ihre Fähigkeit zum emotionalen Umschalten (Selbst- und Emotionsregulation) und letztlich alle Ihre Potenziale stärken!

 

Sie finden eine Langversion zu dieser Übung als mp.3 auch als kostenlosen Download unter: www.andre-kellner.de/therapie/download/

 

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Herzliche Grüße

 

Ihr André Kellner

 

 

Literatur:

McCraty, R., Ed. (2001), Science of the Heart: Exploring the role of the heart in human performance, Boulder Creek, Institute of HearthMath.

Rein, G., R. McCraty, et al. (1995), “Effects of positive an negative emotions on salvigary IgA”, Journal for the Advancement of Medicine, Bd.8 (2), S. 87-105.

Servan Schreiber, D. (2006), Die neue Medizin der Emotionen. Goldmann, München.

Unger, H-P., Kleinschmidt, C. (2014), Das hält keiner bis zur Rente durch! Kösel, München.

  



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BEBO® - Der innere Beobachter

 

Resilienzbooster Nr. 1:

BEBO® - Der innere Beobachter

 

BEBO® bringt Achtsamkeit, Bewusstheit und Gewahrsein in Ihren Alltag

BEBO® hilft Ihnen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich zu zentrieren und zu fokussieren.

BEBO® macht Schluss mit dem Mythos Multitasking - bevor Sie digitalen Burnout bekommen!

 

 

Lesen Sie mehr und schauen Sie sich auch das Video zu BEBO® an...

 

 

 

 



 

Die 4 Aspekte des inneren Beobachters (BEBO®): 

  1. Mit BEBO® lernst Du Deine Aufmerksamkeit bewusster zu lenken. Du kannst entscheiden, was Du beobachtest, wohin Du Deine Aufmerksamkeit lenken möchtest.
  2. Wenn Du BEBO® aktivierst, dann ist Deine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf den gegenwärtigen Moment gerichtet, den aktuellen Fluss des Erlebens.
    Du nimmst bewusst wahr was Du siehst, was Du hörst, was Du gerade empfindest, wie Dein Körper sich anfühlt und was Du denkst. 
  3. BEBO® hilft Dir das, was Du erlebst zu akzeptieren, ohne zu werten, zu urteilen oder zu kritisieren. BEBO® ist ein BEOBACHTER kein Bewerter!
  4. Kultiviere BEBO®, indem Du durch teilnehmendes Beobachten wieder Abstand zu dem schaffst, was Du gerade beobachtest oder wahrnimmst. 

 

Fange z.B. damit an bewusst wahrzunehmen wie Du Dein Essen isst. Oder Dir die Haare wäschst. Oder Gemüse schneidest. Oder sonst irgendeine Alltagstätigkeit.

BEBO® ist alltagspraktisch. Mit BEBO® nimmst Du Dich und Deine Welt wieder bewusster wahr. BEBO® hilft Dir bewusster zu leben und dadurch auch zu Endschleunigen. Dafür brauchst Du keinen Meditationstempel und musst nicht im Schneidersitz sitzen. Schalte den Autopiloten aus und BEBO® an. Nimm ganz bewusst Deine Bewegungen und Empfindungen wahr. Fange mit 5 Minuten an und nutze diese Übung vor allem dann in Deinem Alltag, wenn Du mal auf etwas warten musst. Die S-Bahn, den Bus oder wenn Du im Stau stehst. Beobachte, ohne zu werten. Beobachte was Du siehst, hörst, fühlst, Deine Körperempfindungen, Dein Gefühle oder Deine Gedanken.

Und mache Dir immer wieder klar: "Wenn ich all das beobachten kann, dann bin ich mehr als meine Gedanken, mehr als meine Gefühle und mehr als mein Körper". 

BEBO® hilft Dir inne zu halten in der Hektik des Alltags durchzuatmen. BEBO® und Bewusstheit entstresst. BEBO® bedeutet präsent zu sein im Hier und Jetzt. 

 

"Wir haben nur den gegenwärtigen Moment,

nur diesen einzigartigen und ewigen Augenblick,

der sich vor unseren Augen öffnet und entfaltet,

Tag und Nacht." 

 

[Jack Kornfield]

 

Kleine Geschichte der Achtsamkeit:

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.

“Herr”, fragten sie “was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du. Und wie schaffst Du es trotz Deiner vielen Aufgaben immer so entspannt und ruhig zu sein?”

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.”

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: “Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?”

Es kam die gleiche Antwort: “Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.”


Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: “Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”

 

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Einführung in die 7 Resilienz Booster

 

Ab heute gibt es für 7 Wochen - Woche für Woche - ein neues Video mit einer Übung zur Stärkung der Resilienz. Resilienz ist die psychische Widerstandskraft, welche man gezielt stärken und trainieren kann.

 

Wie genau das geht und was es sonst noch mit Resilienz und psychischer Gesundheit auf sich hat, seht Ihr in den Videos und News in diesem Blog.

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Herzliche Grüße.

André Kellner



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Resilienz - Das 7+7 gesunder Lebensführung

 

Alt wie ein Baum werden und dabei auch noch bis ins hohe Alter gesund bleiben? Ist das möglich?

Ja, es ist möglich wenn Sie das 7+7 gesunder Lebensführung anwenden und somit Ihre Lebenskraft und Ihre Resilienz stärken. Mit dem 7+7 und dem gezielten Einsatz mentaler Techniken, können Sie Ihre Gesundheit, Ihre Vitalität und Ihr Lebensglück selbst in die Hand nehmen und positiv beeinflussen!

 

Wie das geht, werde ich Ihnen heute und in den nächsten 7 Wochen in diesem Blog zeigen.

 

Das 7+7 gesunder Lebensführung, 7 Schritte zum Erfolg, zu mehr Gesundheit und Lebensglück.

Nehmen Sie Ihr Glück und Ihr Leben selbst in die Hand.

Gemeinsam Berge versetzen - Leben gestalten.

 

Hierzu macht es erst einmal Sinn, sich sogenannte "resiliente Menschen" einmal genauer anzuschauen. Menschen mit hoher Widerstandskraft, Menschen die eine innere Abprallkraft gegenüber enormen Belastungen haben. Wie schaffen es diese Menschen trotz schlimmer Krisen, Schicksalsschläge und Traumata und nicht krank zu werden? Wie schaffen sie es ein gesundes, glückliches und zufriedenes Leben zu führen?

 

Resiliente Menschen nutzen bewusst und unbewusst verschiedene Faktoren, um sich gesund zu erhalten und starke Belastungen besser zu meistern. Sie kennen Ihre Fähigkeiten und nutzen diese fokussiert. Und sie kennen Ihre Grenzen und achten auf sich und ihre Bedürfnisse. Sie können sich selbst und ihre Gefühle besser regulieren als andere Menschen und haben somit eine gute Stressbewältigungskompetenz. Und sie sorgen dafür, dass ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden.

 

Welches im Einzelnen die 7 Resilienzfaktoren und die 7 Grundbedürfnisse sind, erfahren Sie nach und nach in den nächsten Wochen auf diesem Blog. Zudem werde ich Ihnen in den nächsten 7 Wochen, jede Woche in einem kleinen Videoblog eine wissenschaftlich fundierte Übung zur Stärkung der Resilienz und psychischen Widerstandskraft vorstellen. Nehmen Sie nur die Übungen für sich heraus, die Ihnen gefallen und die Ihnen gut tun. Machen Sie diese Übungen regelmäßig! Denn Lernen und Veränderung braucht natürlich auch regelmäßige Wiederholung. Wenn Ihnen eine Übung besonders gut tut, dann dürfen Sie diese so oft Sie mögen anwenden.

Es darf Ihnen auch jeden Tag gut gehen! Nutzen Sie die Ferienzeit und Ihren Urlaub dazu alte und ungesunde Gewohnheiten abzulegen.

Und ersetzen Sie diese durch eine neue und gesunde Gewohnheit - vielleicht eine der 7 Resilienz Booster?

 

Herzliche Grüße und viel Freude beim Ausprobieren.

 

Ihr André Kellner

 

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Advent - Ankommen und Abschied nehmen

 

 

Advent bedeutet Ankunft, Ankommen und Neubeginn. 

 

Nutzen Sie die besinnliche Zeit, um sich Ihrer selbst zu besinnen, dessen was wirklich wichtig ist.

 

Dieser kleine Text möchte Ihnen Anregung und Inspiration sein.  

 

 Advent bedeutet Ankunft, Ankommen und Neubeginn.

 

Doch wo und bei wem möchte ich denn ankommen? 
Und wen oder was möchte ich willkommen heißen? 

Der Advent ist die stille und besinnliche Zeit.
Doch was ist es, dessen ich mich in der Stille besinnen möchte?

 

Der Advent ist die Zeit des Jahresendes und auch des Abschied Nehmens.

Doch wovon möchte ich mich verabschieden?

 

Der Advent als Zeit des Neubeginns.
Was möchte ich lösen und loslassen, damit Platz für Neues entstehen kann?

 

Der Advent bietet uns die Möglichkeit Rückblick zu halten, Jahresrückblick zu halten.

So, wie wir auch jeden Abend Rückblick halten sollten. Wie ein kleines Ritual.

 

Wie war mein Tun, wie war mein Sein?

Was war gut in meinem Tun, was war gut in meinem Sein?

Wo war ich achtsam? Wo war ich unachtsam?

War der Tag gut? War das Jahr gut? Was war gut?

 

Was war nicht so gut?

Wo waren meine Niederlagen? Wo waren meine Enttäuschungen?

Was trage ich noch mit mir herum? Wo gehe ich gekränkt?

Was bindet mich noch emotional und energetisch?

Was möchte ich lösen, loslassen und verabschieden? 

 

Alle Jahre wieder, fühlen wir, dieser Advent hat eine andere Energie.
Es ist wie eine Aufbruchstimmung. Die Menschen wuseln, sind geschäftig, sind energetisiert.

 

Doch wichtig ist hier auch das Innehalten, das Sich-Besinnen.

Denn Aufbruch braucht auch ein Ziel, sonst geht man unorientiert, ziellos, irrt umher.

 

Daher gilt es sich zu besinnen, sich Zeit zu nehmen und sich zu fragen:

„Wohin will ich gehen? Was soll mein Ziel sein?“

Nicht nur auf das Fest hin, nicht nur auf das nächste Jahr hin.

 

Was ist mein Lebensziel? Was ist meine Lebensaufgabe?

Was ist der Sinn in meinem Leben und was ist wirklich wichtig?

Was stellt mich in den Herzensfrieden?

 

Das ist das Sich-BeSinnen, das NachSinnen, des BeSinnlichen Advents.

 

Advent bedeutet Ankunft, Ankommen und Neubeginn.

Doch wer oder was kommt an?

 

In unserem Kulturkreis ist der Advent die Ankündigung der Ankunft JESUS des CHRISTUS,
und damit die Ankunft des CHRISTUS Bewusstseins, des Bewusstseins ALLUMFASSENDER LIEBE. D
as Fest der LIEBE, WAHRER SELBSTLIEBE, der ALLUMFASSENDEN LIEBE. 

 

Welchen Aspekten meiner selbst möchte ich mich achtungsvoll und liebevoll zuwenden?

Wo gehe ich noch ungnädig und hart mit mir selbst um?

Was gilt es genauer zu betrachten? Was gilt es liebevoll anzunehmen?

 

Im Advent zünden wir Kerzen an. Kerzen bedeuten Licht, bedeuten Wärme in einer kalten Zeit. So wie wir mit Menschlichkeit und Zuwendung, Wärme in eine kalte Zeit bringen können.
Die Dunkelheit wird erhellt, das Licht durchdringt die Dunkelheit. Es lichtet sich.

 

Und so kann man sagen:

„Es soll auch in meinem Herzen Licht werden!“

„Ich bin bereit hinzuschauen, mich mir selbst zuzuwenden.“

„Ich bin bereit mich meinen Ängsten, meinen Aggressionen,

meinen vermeintlich dunklen Seiten zu stellen.“

 

„Das Licht soll die Dunkelheit erleuchten, auflösen, damit ich in mein wahres Sein finde, damit ich mir endlich zulächeln kann und mir mein ganzes „Ja“ sprechen kann.“

 

„Ich möchte mir zulächeln und mich mit meinen Schwächen, meinen Unzulänglichkeiten, meinen Zweifeln und Selbstvorwürfen versöhnen.“

„Ich möchte mich von meinen Erwartungen lösen, damit ich frei sein kann und das Leben als Geschenk empfange.“

 
„Damit ich endlich ankomme. Damit ich endlich bei mir selbst ankomme.“

 

Advent bedeutet Ankunft, Ankommen und Neubeginn.

 

Ich wünsche Ihnen und Euch eine sinnliche, eine besinnliche und liebevolle Adventszeit.

Von Herzen.

 

André Kellner

 

Eine überarbeitete Version meines Weihnachtstextes von 2013.


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Advent - Ankommen und Abschied nehmen
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Jonas Teil 3 (Burnout und Trauma)

 

Heute kommt Jonas zu seiner 5. Stunde und er hat sich im Vergleich zu unserem ersten Gespräch bereits deutlich stabilisiert. Ein Grund dafür ist seine enorme Motivation, denn Jonas führt mehrmals täglich seine Übungen durch. In der heutigen Stunde berichtet er mir davon, dass er sich Vorwürfe wegen seines früheren Drogenkonsums macht.

Jonas hat Angst, dass er wieder Drogen nehmen könnte und zugleich gibt es auch eine Seite in ihm, die durchaus Lust darauf hat. Aus Sicht der der Gestalttherapie und der Ego-State-Therapie sind hier zwei sich widersprechende Ich-Anteile, zwei Polaritäten im Konflikt. Ein Teil ist sehr ablehnend, ja sogar abwertend in Bezug auf Drogenkonsum, ein anderer Teil hat es getan („Der Konsument“) und ist nach wie vor Teil des inneren Systems. Dieser Teil wird nun von dem „Drogenabwerter“ angegriffen. Zudem hat der „innere Konsument“ nach wie vor Lust Drogen zu nehmen – das ist Teil seiner Identität. Dass diese theoretischen Konstrukte jedoch auch einen Teil innerer Wirklichkeit des Patienten darstellen, zeigt die folgende Szene:

 

A.K.: Wie stark ist dieses Angstgefühl auf einer Skala von 0 bis 10?

 

Jonas: 8 bis 9.

 

A.K.: O.k., dann lass uns mal eine Runde klopfen. Du kennst das ja schon. Mach‘ einfach mal mit und beobachte während des Klopfens das Gefühl. Schau einfach wie genau es sich verändert. Und wenn Du einen besonders angenehmen Punkt findest, dann sag mir Bescheid. Manchmal kann sich während des Klopfens das Gefühl verändern, es wird vielleicht schwächer, manchmal sogar stärker. Oder es bekommt eine andere Färbung, eine andere Gefühlsqualität. Manchmal tauchen auch Gedanken auf, die mit dem Thema verbunden sind. Oder es wird Dir vielleicht etwas klar, was Dir vorher noch nicht so klar war. Das Spannende dabei ist, dass Du überhaupt nichts machen musst. Du beobachtest einfach nur.

Wir klopfen verschiedene Körperpunkte (z.B. PEP, M. Bohne 2010, 2011). Nach einer Runde ist sein Spannungslevel auf 3 gesunken.

 

A.K.: Wie geht es Dir jetzt?

 

Jonas: Viel besser. Mir ist jetzt auch etwas klar geworden. Damals war es in Ordnung für mich, dass ich die Drogen genommen habe. Aber heute nicht mehr und das macht mir Stress!

 

Dies ist eine wichtige Erkenntnis für ihn, die durch die bifokal-multisensorischen Stimulationen (BMSI, z.B. Klopftechniken) ins Bewusstsein „gespült“ wurde. Gar nicht so selten werden durch die Kombination von bifokal-multisensorischen Stimulationen (z.B. Körperklopfen) und der Fokussierung auf ein Thema, auch Erinnerungen ins Bewusstsein geholt, welche wichtige Erkenntnisse für das aktuelle Thema beinhalten. Ich habe es schon erlebt, dass verdrängte Inhalte und Schlüsselszenen beim Klopfen ins Bewusstsein traten, und somit den therapeutischen Verlauf enorm beschleunigen konnten.

 

An dieser Stelle wäre es nun, unter anderem, möglich mit den zwei widerstreitenden Anteilen zu kommunizieren, diese in Dialog miteinander treten zu lassen, sie auf Stühle zu setzen oder mittels des inneren Helferteams Kontakt aufzunehmen. Hier sind sehr viele Szenarien und Möglichkeiten denkbar. Ich entscheide mich an dieser Stelle für folgendes Vorgehen:

 

A.K.: Was genau sagt denn dieser Selbstvorwurf?

 

Jonas: Ich hätte schon früher mit den Drogen aufhören sollen. Und dass, das ganz schön blöd war.

 

A.K.: Sprich mir einfach mal nach und dabei kannst Du diesen Punkt hier sanft reiben (leichte Kreisbewegung in der Herzgegend): „Auch wenn ich mir immer noch Vorwürfe mache, dass ich früher ganz schön blöd war, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

 

Jonas: wiederholt den Satz zweimal.

 

A.K.: Wie fühlt sich das an?

 

Jonas: Etwas besser.

 

A.K.: Ok. Mach wieder mit: „Auch wenn ein Teil von mir damals auch richtig Bock darauf hatte, und ein anderer Teil mich aber heute dafür verurteilt, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

 

Jonas: wiederholt den Satz zweimal.

 

A.K.: Wie ist das?

 

Jonas: Ja! Genau! Das ist es. Ich hatte damals ja wirklich Bock drauf. Aber heute finde ich das nicht mehr in Ordnung. Ich weiß, ja was das alles für einen Ärger eingebracht hat.

 

A.K.: Gut, pass auf. Wir probieren den hier: „Auch wenn es damals völlig ok. für mich war Drogen zu nehmen, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

 

Jonas: wiederholt den Satz zweimal.

 

A.K.: Wie fühlt sich das an?

 

Jonas: Ja, das ist gut. Das beruhigt mich jetzt sehr. Mir hilft aber vor allem die Erkenntnis, dass es damals o.k. war. Ich habe jetzt nicht mehr dieses starke Gefühl in einem inneren Kampf zu sein.

 

Dies ist die sogenannte „Selbstakzeptanzübung“ aus der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP) von Michael Bohne. In diesem Fall arbeiten wir am Big Five Nr.1, den Selbstvorwürfen und damit natürlich zwangsläufig auch am Selbstwert und der Selbstakzeptanz von Jonas.

 

In der 6. Stunde arbeiten wir mit inneren Bildern und einer leichten Trance weiter und besuchen den Sicheren inneren Ort. Dort befragt Jonas sein inneres Team, wie wir nun weiter vorgehen sollen und was der nächste Behandlungsschritt sein könnte. Die Antwort ist, dass wir den letzten, den aktuellen Autounfall bearbeiten sollen.

 

Hierzu schlage ich Jonas zwei Alternativen vor.

Er könne den Unfall und die Unfallszenen am Arbeitsort auf einem Flachbildschirm anschauen oder gemeinsam mit dem Adler über die entsprechenden Szenen hinwegfliegen (diese Technik habe ich von Kai Fritzsche aus der Ego-State-Therapie übernommen).

 

Jonas entscheidet sich für das „Darüberfliegen“. Hierbei hat er die Möglichkeit die Höhe und damit die Distanz zu der traumatischen Szene zu regulieren. Er hat einen Helfer (Adler=innere Weisheit) an seiner Seite und er kann außerdem auch steuern, wie schnell oder langsam er über die Szene hinwegfliegt. Er kann sich jederzeit Unterstützung von dem Adler holen, sich mit ihm absprechen oder gar zurück zum Arbeitsort kehren und sich dort mit seinem inneren Team besprechen.

 

Wichtig ist für die Konfrontation, dass der Anspannungs-/Stresslevel ein mittleres Niveau nicht überschreitet.

 

Diese Sequenz gelingt problemlos. Wir machen zwei Durchgänge. Dabei stelle ich Jonas folgende Fragen: „Was denkt der Jonas in dem Auto jetzt? Was fühlt er jetzt, was sieht er jetzt, was hört er jetzt, was riecht er, usw.?“ Dadurch helfe ich seinem Gehirn das traumatische Ereignis zu verarbeiten und als alte Erfahrung zu integrieren.

 

Zudem frage ich während der Konfrontation immer wieder seinen Spannungszustand ab, achte auf mögliche Veränderungen in seiner Atmung, Körperhaltung, Mimik, Körperspannung und beobachte meinen eigenen inneren Anspannungszustand der auch wichtige Informationen über den Spannungszustand des Patienten liefern kann.

 

Diese Intervention ist eine Möglichkeit den Verarbeitungsprozess traumatischer Geschehnisse in der Therapie zu unterstützen. Auch wenn es sich sehr leicht und einfach darstellt, sollte auch diese Art der Intervention immer in einen traumatherapeutischen Behandlungsplan, mit entsprechender Diagnostik, Beziehungsaufbau, Stabilisierungsphase, und dosierten Konfrontationen eingebunden sein.

 

Heute, fast 3 Jahre nach unserer ersten Begegnung, ist Jonas weiterhin stabil. Im Laufe unserer Therapie gab es mehrerer Krisen und auch Rückfälle, die Jonas von Mal zu Mal besser meistern konnte. Es gelang ihm seine Angst nicht mehr durch Drogen und Alkohol zu betäuben, sondern alternative Techniken der Spannungsregulation zu nutzen. Die alten, inneren Traumafilme (Flashbacks) sind nie wieder aufgetaucht.

 

Jonas zog von zu Hause aus, begann eine Ausbildung und baute sich eine neues Leben auf.

Heute hat Jonas zwar immer noch einige schlimme Erinnerungen an frühe Verletzungen und Wunden – aber sie bestimmen nicht mehr sein Leben! Heute bestimmt Jonas sein Leben.

Heute gestaltet er sein Leben.



Wenn Sie regelmäßig über neue Artikel von mir informiert werden wollen, dann senden Sie mir bitte eine email.

 

Herzlichst Ihr

André Kellner

„Gemeinsam Berge versetzen – Leben gestalten“



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Jonas Teil 2 (Burnout und Trauma)

 

In unserer zweiten Stunde ist Jonas bereits deutlich entspannter und stabiler. 
Nach einer kurzen Aufklärungssequenz zum Thema Trauma (Psychoedukation) und zeige ich ihm Körperübungen aus dem KungFu und Qi Gong, welche einerseits helfen Energien zu zentrieren und zum anderen auch dazu führen dass angestaute Spannungen aus dem Körper geleitet werden. 
Dass diese Spannungen dafür verantwortlich sind, dass er sich oftmals überfordert und gestresst fühlt, habe ich Jonas in unserer ersten Stunde ausführlich erklärt (Burnout & Trauma Teil 1). 

Manchmal sind diese An(Spannungen) tatsächlich zum Haare raufen! Ich werde Jonas heute ein paar Übungen und Tricks zeigen, die ihm endlich die ersehnte Ruhe bringen! 

 

Dieses Prinzip wurde von David Berceli (2010) als Neurogenes Zittern beschrieben und wird von ihm TRE (Trauma Releasing Exercises) genannt. Das Unterstützen und Begleiten von bioenergetischen Impulsen ist auch aus der Gestalttherapie, dem Somatic Experiencing oder der Leiborientierten Gestalttherapie bekannt. Im Unterschied zu den anderen Verfahren wird beim TRE das Zittern explizit eingeleitet. Durch spezielle Körperübungen wird der Psoas Muskel (großer Lendenmuskel) zum Zittern gebracht. Anschließend legt sich der Patient auf den Rücken, wobei dieses Zittern sich fortsetzen kann und teilweise den gesamten Körper erfasst. Dies wir in der Regel als sehr entspannend, manchmal sogar als befreiend erlebt. Körperliches Zittern zeigt sich häufig nach traumatischen Schockereignissen. Dieses Zittern tritt aber auch oftmals noch nach Jahren auf, wenn Menschen an die traumatischen Ereignisse denken oder von einem Schlüsselreiz getriggert werden.

 

Was ein Trigger ist hat Jonas bereits in unserer ersten Stunde gelernt. Trigger sind Auslöser, welche irgendwie an das Trauma erinnern. Das gemeine daran ist, dass dies oft auch unbewusst sein kann und man gar nicht versteht warum man sich auf einmal so angespannt, unter Strom oder irgendwie komisch fühlt. Trigger können fast alles sein, z.B. Bilder, Geräusche, Gerüche, Orte, Menschen, usw. Das Zittern ist eigentlich ein Versuch unseres Körpers die angestauten Schockenergien loszuwerden. Blöderweise haben wir gelernt diese sehr heilsame Reaktion zu unterdrücken. Ich helfe Jonas und seinem Körper nun dabei dieses Zittern wieder zu „Erlernen“ und vor allem auch Zuzulassen. Dadurch kann sich sein Körper deutlich erholen und entspannen. Anschließend wiederhole ich die Übung zum „Inneren sicheren Ort“ mit ihm. Hier zeigt sich schon, wie gut er auf die Imaginationen anspricht. Er ist im Anschluss an diese Übungen vegetativ wieder deutlich „heruntergefahren“ und leicht müde.

 

In der dritten Stunde wiederholen wir alle bisher gelernten Techniken und Übungen und es gibt wieder Informationen und etwas Aufklärung zum Thema Trauma und Traumabehandlung. Jonas soll schließlich auch verstehen was mit ihm los ist und was wir geneinsam daran ändern können. Zudem schlage ich Jonas vor, dass wir den „kleinen Jonas“ aus der Unfallsituation (1. Unfall) herausholen und an einen eigenen „Sicheren Ort“ bringen. Jonas entscheidet sich dafür, dass der „Retter“ eine Art Engel sein soll und lässt den „kleinen Jonas“ an einen schönen und sicheren Ort bringen.

 

Im Anschluss an diese Intervention mache ich mit ihm noch eine Abwandlung der Lichtdusche (Reddemann 2002). Hierbei kann der Patient sich aussuchen an welcher Stelle des Körpers eine angenehme Farbe und Energie in den Körper eintritt und an welcher Stelle unangenehme Gefühle oder Spannungen den Körper verlassen. Dabei lasse ich die Patienten beobachten wie das angenehme Licht die unangenehmen Gefühle oder auch Spannungen „abtransportiert“. Wenn die Patienten das Gefühl haben, dass im Moment alles Unangenehme weg ist oder zumindest all das, was im Moment weg sein darf, dann lasse ich sie den „Ausgang“ verschließen und nur noch das positive und angenehme Licht einfließen. Bis sie das Gefühl haben, dass der ganze Körper davon ausgefüllt ist. Nun lassen wir dieses Licht auch über den physischen Körper hinausstrahlen, bis es sie wie ein Mantel aus Licht oder ein Kugel aus Licht einhüllt (Schutzkugel).


Als Jonas in der vierten Stunde zu mir kommt, berichtet er davon dass er neben dem „Sicheren Ort“ sowohl die Körperübungen als auch die Klopftechniken bereits zu Hause selbstständig einsetzt und davon sehr profitiert. Er kann wieder schlafen und fühlt sich nicht mehr so stark unter innerem Druck und Anspannung. Außerdem macht er mir einen hoffnungsvolleren Eindruck, was er auch bestätigt. Da der „Sichere Ort“ gut funktioniert und er sehr davon profitiert, schlage ich ihm vor dass wir einen Arbeitsort „installieren“, wo er sich ein Team aus inneren Helfern zusammenstellen kann. Dieser kann an einem völlig anderen Ort sein oder auch eine Verbindung zu seinem „Sicheren Ort“ haben. Hierauf kann er sich gut einlassen. Jonas hat, wie die meisten Menschen, einen guten Zugang zu inneren Bildern, Phantasien und Imaginationen.

 

Im Vorfeld frage ich meine Patienten, ob es in Ordnung ist, wenn ich während der Übung nachfrage wo sie sich gerade befinden. Sie dürfen mich natürlich jederzeit stoppen, wenn ihnen mein Nachfragen zu viel werden sollte. Wichtig ist, dass sie sich wohl fühlen und jederzeit die Übung beenden dürfen. Jedes meiner Angebote darf natürlich auch abgelehnt werden (sog. „Ungehorsamkeitsregel“ aus der Hypnotherapie).

 

Ich leite die Sequenz mit ein paar Atem- und Achtsamkeitsübungen ein. Zuerst begibt Jonas sich an seinen „Sicheren Ort“. Ich leite ihn an, hier alle Qualitäten des Ortes wahrzunehmen und auf allen Sinneskanälen zu spüren (sehen, hören, spüren, riechen, schmecken). Weiter lenke ich seine Wahrnehmung auf sein sich beruhigendes Nervensystem. 

 

A.K.: Wenn Du nun die Ruhe und Kraft, die von diesem Ort ausgeht ganz und gar in Dich aufgenommen hast, dann kannst Du Dich auf den Weg zu Deinem inneren Arbeitsort machen. Der Arbeitsort ist auch ein sehr angenehmer Ort und auch ein sicherer Ort, doch hier möchten Dir ein paar Freunde begegnen, ein inneres Helferteam. Wo führt Dein Weg Dich hin, wo befindest Du Dich?

 

Jonas: Ich bin auf der anderen Seite vom See, hier ist eine Art Blockhütte.

 

A.K.: Wenn Du magst, dann kannst Du nun in diese Hütte hineingehen und Deinem Helferteam begegnen. Oder vielleicht wollt ihr Euch auch lieber davor, vielleicht auf der Terrasse treffen?

 

Jonas: Ich bin drinnen. Hier ist ein schöner Raum. Sehr angenehm.

 

A.K.: Wunderbar. Zuerst möchte Dir ein ganz wichtiger und wunderbarer Helfer begegnen. Ich möchte ihn „die innere Stärke“ nennen. Wen siehst Du?

 

Jonas: Ein Leopard.

 

A.K.: Du kannst ihn fragen, ob er wirklich Deine „Innere Stärke“ ist.

 

Jonas: Ja.

 

Dies wiederholen wir nun für die innere Weisheit und den inneren Freund und Helfer.

Diese Vorgehensweise entstammt der Hypnotherapie und der Ego-State-Therapie und wird je nach Therapierichtung, Therapeut und auch Vorlieben der Patienten in sehr verschiedenen Ausprägungen und Facetten angewandt. Letztlich geht es darum innere, stärkende Bilder zur Stabilisierung der Patienten zu nutzen.

 

Nachdem der Arbeitsort und ein Helferteam zusammengestellt ist, kann dieses nun in Zukunft jederzeit zur Stärkung, Unterstützung oder auch zur Bearbeitung von anstehenden Themen befragt und hinzugezogen werden.

 

Wenn Sie wissen möchten, welche Übungen für Jonas hilfreich waren und wie es mit Jonas weiterging, dann lesen Sie doch meinen nächsten Blog.

 

Herzlichst Ihr

André Kellner


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Burnout & Trauma (inkl. Jonas Teil 1)

Dass Menschen mit überhöhten Leistungsansprüchen und mangelndem Selbstwert von Burnout betroffen sein können, ist schon lange kein Geheimnis mehr. 

Dass aber auch Menschen mit Traumatisierungen sehr häufig von Burnout betroffen sind, ist weit weniger bekannt.
In diesem Fall ist eine durch die Traumatisierung hervorgerufene sogenannte
Stressverarbeitungsstörung der Grund für den Burnout und die erhöhte Stressanfälligkeit.

Ein unverarbeitetes Trauma führt häufig zu einer dauerhaften Übererregung des Nervensystems. Dies wird von den Betroffenen manchmal nicht einmal mehr bemerkt, da sie sich bereits an diesen Zustand der Übererregung gewöhnt haben. Nicht selten führt dies dann in einen Burnout.

Eine seriöse Burnout Prophylaxe sollte somit auch die Bearbeitung früher Verletzungen und der damit einhergehenden Stressverarbeitungsstörung beinhalten.  

 

Traumatisierungen können nicht nur akute schlimme Ereignisse, wie Unfälle, tätliche Angriffe oder sexueller Missbrauch sein, sondern auch Operationen oder Krankenhausaufenthalte sowie Vernachlässigung in der Kindheit. Je jünger die Betroffenen zum Zeitpunkt des traumatisierenden Ereignis waren, desto wahrscheinlicher sind eine Traumatisierung und Stressverarbeitungsstörung.

 

Folgende Ereignisse sind potentiell traumatisierend:

  • Unfall (Verkehr, Arbeitsplatz, Bergsteigen usw.) mit drohenden, ernsthaften Verletzungen
  • Traumata durch medizinische Eingriffe
  • sexueller Angriff oder sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung
  • Beobachtung des gewaltsamen Todes anderer
  • Tod der Eltern in der Kindheit oder andere Bindungsverluste im frühen Kindesalter
  • Zeuge von Gewalt zwischen Bindungspersonen (z.B. Eltern)  
  • Vernachlässigung in der Kindheit
  • Psychische, verbale und emotionale Gewalt in der Kindheit
  • Häufig wechselnde Bezugssysteme in der Kindheit
  • Multiple Verluste in der Kindheit
  • Konfrontation mit Traumafolgen als Helfer (z. B. Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte)
  • Krieg, Kampfeinsatz, Folter
  • Vertreibung
  • terroristischer Anschlag


Mehr zum Thema Trauma finden Sie auch unter Traumatherapie München. 

Die Behandlung traumatisierter Menschen benötigt eine spezielle Form der Therapie, welche sich zum Teil stark von anderen Formen der Psychotherapie unterscheidet. Menschen, welche durch körperliche und/oder seelische Traumata belastet sind und deren psychosomatische Symptome durch Traumatisierungen ausgelöst oder mitverursacht werden, haben auf neurobiologischer Ebene eine Stressverarbeitungsstörung, d.h. das Gehirn kann Stress (Anspannung) nicht mehr so gut regulieren wie vorher. In der Folge entstehen (manchmal erst nach Jahren) Erkrankungen wie die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung, aber auch Burnout, Depressionen, Angst-, Zwangs- und Schmerzerkrankungen, Süchte und Essstörungen. Somit gilt es einerseits die aktuelle Symptomatik zu lindern und andererseits die traumatischen Erfahrungen zu behandeln und zu integrieren, wozu auch die Behandlung der Stressverarbeitungsstörung gehört.

Das folgende Fallbeispiel zeigt Ihnen Teile einer Traumabehandlung, wobei Elemente davon auch im Burnout Coaching oder anderen Therapien genutzt werden können.

 

„Jonas“

Jonas ist ein aufgeschlossener 25-jähriger junger Mann, der nach einem selbstverschuldeten Autounfall in meine Praxis kommt. Zu Anfang wirkt er etwas unsicher, aber das ist auch normal, wenn man zum ersten Mal zum „Psycho“ kommt.

Er berichtet mir, dass er kaum schlafen kann, ständig unter Strom steht und selbst starke Beruhigungsmittel würden ihm nicht helfen.

Ich frage ihn nach weiteren Symptomen und Jonas erzählt mir im Laufe unserer ersten Stunde davon, dass er unter Konzentrationsschwierigkeiten, Früherwachen, Ein- und Durchschlafstörungen, Albträumen, Flashbacks, Appetitlosigkeit, depressiven Verstimmungen, allgemeinem Interessensverlust und Gedankenkreisen leidet. Er fühlt sich oft hoffnungslos und manchmal denkt er sogar darüber nach, dass es besser wäre, wenn er nicht mehr leben würde. Alles in allem sind das relativ normale Reaktionen und Gefühle, die Menschen nach extremen Erlebnissen haben.

Zu den Flashbacks befragt, berichtet er davon, dass er seit seinem 14. Lebensjahr immer wieder von Bildern und Ängsten „verfolgt“ wird, die von einem anderen Unfall handeln. Als er sechs Jahre alt war, sei es zu einem schlimmen Autounfall gekommen, bei dem er und seine Mutter schwerverletzt wurden und eines seiner Geschwister verstarb. Er habe tagelang voller Ängste im Krankenhaus auf der Intensivstation gelegen und geglaubt, er habe als Einziger seiner Familie überlebt.

Aufgrund seiner derzeitigen Symptomatik werden nach ICD 10 folgende Diagnosen vergeben:
Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1) und eine reaktive, mittelgradig depressive Episode (F32.1).

Der Schock des ersten Unfalls im Alter von sechs Jahren, wurde nicht nur als Erinnerungsspur in Jonas Gehirn, sondern auch im Leibgedächtnis (Köpergedächtnis) gespeichert. Daher werden immer wenn Jonas unter Anspannung kommt, der leibliche Schock und die damit verbundenen Ängste reaktiviert. Symptomatisch äußerte sich dies in seiner Kindheit und Jugend mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten. In der Pubertät und mit beginnendem Erwachsenwerden, dann durch die Einnahme von Drogen und Alkohol. Hauptsächlich dienen Alkohol und Drogen der Spannungsregulation und sind somit ein Versuch der Psyche mit dem schlimmen Ereignis und dem massiven inneren Stress fertig zu werden. Dies ist bei traumatisierten Menschen nicht ungewöhnlich! Durch den aktuellen Unfall kam es möglicherweise zu einer Reaktivierung des Urtraumas und somit zu einer sogenannten Retraumatisierung. Mit einer professionellen Traumatherapie lassen sich seine Symptome aber gut behandeln, so dass relativ schnell eine Erleichterung eintreten kann.

Behandlung:

In den ersten 8 Wochen der Behandlung kommt Jonas zwei Mal pro Woche zu mir, danach hat er sich soweit stabilisiert, dass wir die Frequenz auf einen Termin pro Woche senken können. Zu Anfang geht es bei ihm ganz klar um Stabilisierungsarbeit, wobei vor allem sein überaktiviertes vegetatives Nervensystem heruntergefahren werden muss. Hierzu erlernt Jonas Stabilisierungstechniken und wird zudem über Trauma und Traumafolgeerkrankungen aufgeklärt.
Dabei lernt Jonas, dass sein Gehirn durch die Unfälle einen Schock erlitten hat und wie diese Verletzungen durch unsere gemeinsame Arbeit heilen können.

Im Folgenden sind einige Schritte aus unserer gemeinsamen therapeutischen Arbeit näher beschrieben.

Behandlungssequenz 1:

Bereits in der ersten Stunde mache ich mit Jonas die „Tresorübung“, wobei er den Flashback (innerer Film mit unangenehmen Bildern des Unfalls) aus dem 1. Unfall in einen imaginierten Tresor verschließt, wodurch er sich bereits deutlich entspannt. Direkt daran anschließend klopfe ich gemeinsam mit ihm verschiedene Körperpunkte, welche dafür sorgen seine Anspannung zu senken und auch gegen Ängste sehr wirksam sind.

A.K.: Pass auf, wir machen jetzt einfach mal zusammen eine verrückte Übung und Du schaust mal was dabei passiert. Ich mache natürlich mit.

Jonas: Ok.

A.K.: Zuerst sag mir doch mal wie stark das Angst- und Anspannungsgefühl auf einer Skala von 0 bis 10 im Moment bei Dir ist.

Jonas: Ungefähr zwischen 7 und 8

Ich beginne den ersten Punkt zu klopfen.

A.K.: Wir klopfen jetzt ein paar Punkte durch und Du sagst mir Bescheid, wenn einer oder auch mehrerer Punkte sich angenehmer als andere anfühlen. Es kann dabei sein, dass nur der entsprechende Punkt beim beklopfen angenehm ist oder Du einfach innerlich spürst, dass sich dies angenehm anfühlt. Und während wir das machen kannst Du mal Dein momentanes Spannungsgefühl beobachten. Schau einfach was damit passiert. Es kann ein bisschen schwächer werden, es kann auch etwas stärker werden. Das ist völlig normal. In jedem Fall wirst Du eine Veränderung bemerken. Beobachte einfach mal, wie genau es sich verändert. Vielleicht bekommt es auch eine andere „Färbung“ oder ein anderes Gefühl taucht auf. Manchmal bekommt es auch so etwas wie eine Distanz.

Jonas: Der Punkt hier ist ganz angenehm.

A.K.: Wunderbar, dann bleiben wir hier etwas länger. Ja genau, ganz gut! Und Du beobachtest weiter, was mit Deinem Spannungsgefühl passiert. Welche Veränderung nimmst Du wahr?

Wir gehen weiter den Ablauf der Punkte durch.

Jonas: Der hier ist auch sehr angenehm.

A.K.: Gut, dann bleiben wir auch hier etwas länger. Immer wenn bei dieser Übung etwas angenehm ist, dann wollen wir das etwas länger machen. Schau mal, wie wunderbar Dir Dein Körper Rückmeldung gibt! Das machst Du sehr gut!

A.K.: In Ordnung, jetzt sind wir alle Punkte durch. Wie stark ist Dein Spannungsgefühl jetzt?

Jonas (gähnt): Oh Mann ich bin total müde, ich bin vielleicht auf 2 oder sogar 1.

Diese Reaktion erlebe ich immer wieder bei Menschen, die unter Daueranspannung stehen, nach dem Einsatz der Klopftechniken. Durch das Klopfen wird das vegetative Nervensystem beruhigt, so dass stressbedingte Symptome wie Übererregung (Hypervigilanz) und Anspannung umgehend absinken. Für Jonas war diese Übung unglaublich wirksam und hilfreich, da er seit Tagen aufgrund seiner traumabedingten Symptomatik kaum schlafen konnte. Er erhielt von mir den Auftrag bei steigender Spannung sofort zu klopfen. Eine Anleitung mit den entsprechenden Punkten gab ich ihm mit.
Es zeigte sich im weiteren Verlauf der Therapie, dass diese Technik sehr hilfreich für ihn war und er sie bei aufkommenden inneren Spannungszuständen und Ängsten selbstständig einsetzten konnte. Auch Monate später half ihm das Klopfen gegen Suchtdruck und bei emotional aufwühlenden Situationen.

Zum Abschluss der ersten Sitzung (Dauer ca. 2 Stunden) machte ich mit ihm noch die Imagination zum Sicheren Ort von Luise Reddemann (2002, 2011). Diese Übung bekam er auch als „Hausaufgabe“ mit. Wenn Patienten positiv auf diese Übung ansprechen und davon profitieren, dann empfehle ich ihnen diese mindestens drei Mal täglich durchzuführen.

Jonas Schlafverhalten und seine belastenden Symptome verbesserten sich innerhalb von wenigen Tagen, wobei auch die folgenden Therapiestunden und Übungen einen wichtigen Beitrag leisteten.

Wenn Sie wissen möchten, welche Übungen für Jonas hilfreich waren und wie es mit Jonas weiterging, dann lesen Sie doch meinen nächsten Blog.

Wenn Sie regelmäßig über neue Artikel von mir informiert werden wollen, dann senden Sie mir bitte eine email.

 

Herzlichst Ihr Burnout Coach in München
Dipl.-Psych. André Kellner.





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Wie finde ich einen guten Coach oder Therapeuten?


 

 

Falls Sie gerade eine Krise erleben und in einem Burnout Prozess befinden, dann ist es sinnvoll und klug sich professionelle Unterstützung suchen.
Doch wer ist der oder die Richtige für Sie und Ihre Probleme? Soll es eine Verhaltenstherapie sein, eine Tiefenpsychologische Psychotherapie oder eine Psychoanalyse? Oder reicht ein Coach?
Welche Therapieform ist die richtige für Sie?

 

 

Das Problem ist, dass wir uns im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung leider noch auf wissenschaftliche Leitlinien stützen, die längst überholt und veraltet sind. Es ist inzwischen bekannt, dass nur ca. 10% des psychotherapeutischen Wirkfaktors vom Verfahren bestimmt sind. Hierzu folgendes Zitat von Eva Jaeggi(2012):

„Die outcome-Forschung hat uns immer wieder von Neuem bestätigt, dass für den Erfolg einer Psychotherapie – wie auch immer man sie messen mag – die theoretische Ausbildung weniger bedeutend ist als einige recht allgemeine Kennzeichnungen sowohl des Psychotherapeuten als auch – damit zusammenhängend – seiner Haltung. Nach Wampold (2001) sind, um erfolgreicher Psychotherapeut zu sein, wichtig: die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, ein Arbeitsbündnis zu gestalten, und die Überzeugung von der eigenen Psychotherapierichtung“

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die grundsätzliche innere Haltung des Psychotherapeuten, seine Haltung zu seiner Therapieform und seine Fähigkeit zur Herstellung einer Bindung zum Patienten (Arbeitsbündnis und Empathie), darüber entscheiden, wie erfolgreich die Therapie verlaufen wird. Das ist der Stand der Psychotherapieforschung von 2001!! Insofern ist die Art des Verfahrens (z.B. Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie) eher nebensächlich. Auch wenn manchen Therapeuten diese Erkenntnis wohl kränken mag.

Sie sollten daher auch nicht zu einem Coach oder Berater gehen, der mal eben ein paar Kurse besucht hat. Gute Coachs und Therapeuten haben zum einen jahrelange Ausbildungen absolviert, bilden sich zudem immer wieder fort, nehmen Supervision und haben – und dies ist der wichtigste Punkt! – umfangreiche Selbsterfahrung gemacht, sprich eigene Therapie. Nur wer an den eigenen Lebensthemen gearbeitet hat, kann andere Menschen professionell begleiten. Ich weiß, dass dies manche Kollegen anders sehen. Doch Sie können sich ja selbst folgendes fragen: „Möchte ich zu jemandem gehen der nur Methoden gelernt hat und sie weitergeben kann oder möchte ich jemanden, der zudem auch noch diese Methoden intensiv an sich erprobt hat und weiß wie therapeutische Prozesse auf ihn gewirkt haben?“

 

Das können Sie Ihren Therapeuten oder Coach auch fragen. Jemand mit professioneller Haltung zum eigenen Wirkungsfeld wird Ihnen hier auch gern Auskunft geben. Nur wer etwas  zu verbergen oder gar Angst hat, wird auf eine solche Frage gekränkt und mit Abwehr reagieren. Transparenz heißt das Zauberwort und zwar für den gesamten Prozess der Therapie. Das ist, im Übrigen, ein gutes Kriterium für die Wahl Ihres Coachs oder Therapeuten. Angefangen beim Kennenlernen, über den Zielfindungsprozess, bis hin zu den einzelnen Interventionen. Fragen Sie nach! Seien Sie mutig, denn es ist Ihre Therapie! Geheimnisvolles Gehabe und Unklarheiten über Verfahren und Technik dienen niemals dem Klienten.

Besonders hilfreich sind integrative therapeutische Ansätze, die neben dem Gespräch auch den Körper und die Emotionen mit einbeziehen. Dabei kommt es mehr auf die Haltung des Therapeuten (open-minded), als auf dessen grundlegende Therapieausbildung an. Ich persönlich empfehle ein psychodynamisch-erlebnisaktivierendes Verfahren. Nur zu Verstehen reicht nicht, man muss es auch Be-Greifen. Und dies bezieht die Ebene des Erlebens und damit der Emotionen und des Körpers mit ein.

 

Unser Gehirn und unser Körper sind untrennbar mit einander verbunden – nicht nur anatomisch, sondern auch durch ihre gemeinsame Entwicklungsgeschichte. Da im Laufe des Lebens gemachte prägende Erfahrungen immer auf beiden Ebenen – im Gehirn und im Körper – strukturell verankert sind, bleibt jede psychotherapeutische Intervention, die den Körper nicht mit einbezieht, nur eine Teilbehandlung.“
(G. Hüther, Prof. f. Neurobiologie, Universität Göttingen).

 

Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, ein Verfahren/Therapeut, welches/welcher nicht auf allen vorgenannten Ebenen arbeitet und diese in den Prozess mit einbezieht, ist nur eine Teilbehandlung. Es sollte somit immer auf allen Ebenen (Verhalten, Körper, Gedanken, Emotionen) ein Verstehen, Begreifen und daraus resultierend eine Veränderung in den genannten Bereichen initiiert werden.

Burnout oder Depressionen sind nur ein Symptom, welche Ihnen helfen möchten sich wieder sich selbst zuzuwenden, sich zu entfalten, zu entwickeln und letztlich zu gesunden.

Haben Sie den Mut sich hier Unterstützung zu holen, haben Sie den Mut neue Wege zu gehen. Egal welchen Weg Sie auch beschreiten, ich wünsche Ihnen Kraft, Gesundung, Lebensmut und Lebensfreude.

Gern berate ich Sie auch persönlich bei diesem wichtigen Thema und entwickle mit Ihnen gemeinsam Lösungen.

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Herzlichst Ihr Burnout Coach in München
Dipl.-Psych. André Kellner.

 

Literatur:  

Kellner, André (2014). Neue Wege gehen - Prävention, Heilung von Burnout und Depressionen. Blog vom 12.01.2014

Jaeggi, Eva (2012). Psychotherapieausbildung im Geiste der Wissenschaft.             Psychotherapeutenjournal. 04/2012, S.319  

Wampold, B.E. (2001). The great Psychotherapy debate: models, methods, and findings.
            Mahwah/N.Y.: Erlbaum


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Die wundersame Verwandlung des inneren Saboteurs

Der innere Saboteur des Herrn W.
Der innere Saboteur des Herrn W.

Der Fall des Herrn W. - Teil 3

Nach seinen ersten Coaching Sitzungen hat Herr W. einige innere und äußere Veränderungen angestoßen, welche sich sowohl im Arbeitsalltag, als auch im Privatleben positiv auswirken. Auch seine Burnout Symptome sind deutlich zurückgegangen.

 

Trotz dieser positiven Entwicklungen, leidet Herr W. immer wieder unter Selbstzweifeln. Zudem geht er sehr hart, streng und strafend mit sich um und fühlt sich dabei klein und wertlos.

 

Es wird Zeit "ans Eingemachte" zu gehen!

Zeit für die Begegnung mit dem inneren Saboteur!

Durch die Anwendung einer speziellen Technik zum Auffinden negativer Glaubenssätze und Selbstbeziehungsmuster, konnten wir in einer der vorangegangenen Stunden einen inneren Saboteur identifizieren. Natürlich ist der innere Saboteur kein Fabelwesen, welches im Körper von Herrn W. lebt und hat auch nichts mit einer Schizophrenie zu tun. Unsere Persönlichkeit besteht erwiesenermaßen aus verschiedenen Teilfacetten. Manche davon sind hilfreich, manche eher quälend und störend. Nicht ohne Grund gibt es Redewendungen, wie "Ein Teil von mir...", "Das Kind im Manne...", "Ich stehe neben mir..." oder "So etwas mache ich normalerweise nicht!". 
Bereits Goethe sagte: "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will..."

 

Viele moderne Therapien beruhen auf Teilemodellen der Persönlichkeit, welche auch im Coaching angewandt werden. Bekannte Modelle sind, unter anderem, die Ego-State Therapie, Hypno-Systemische Therapie, Theorie der Strukturellen Dissoziation nach E. Nijenhuis, Schematherapie, Inneres Team nach Schulz von Thun oder die Innere Familie nach Richard C. Schwartz. 

 

Doch zurück zu Herrn W. und seinem inneren Saboteur...


Die folgende Technik kombiniert Methoden aus Psychodynamischer Gestalttherapie, Mentalem Training, Hypnose und Ego-State-Therapie, wobei wir innere Bilder als Zugang zu unbewussten Prozessen nutzen.

 

Es gibt verschiedene internale und externale Zugangsmöglichkeiten zu inneren Anteilen. 

In diesem Fall wählen wir eine leichte Atem- und Entspannungsübung, die den Zugang zu inneren Prozessen erleichtert.

 

Ausgangspunkt ist der sog. "Innere Kraftort", welchen Herr W. bereits aus vorangegangenen Sitzungen kennt.

 

A.K.: Sie werden nun an einen anderen Ort gehen und dort einem Teil von sich begegnen, der sich scheinbar oftmals sehr streng und negativ Ihnen gegenüber verhält. Der Ort an den Sie gleich gehen werden ist ebenfalls ein guter, ein schöner Ort. Doch es ist ein Ort der Begegnung, ein Ort des Austausches, manche würden ihn einen schönen Arbeitsort nennen. Vielleicht führt Sie ein Weg dorthin, eine Treppe oder gar eine Art magische Energie. Sie dürfen mal gespannt sein, wie Sie jetzt an Ihren schönen und angenehmen Arbeitsort gelangen werden und wie genau Ihr Arbeitsort aussehen wird. Was passiert jetzt?


Herr W.: Das ist wie beim beamen! Wow! Das ist echt verrückt was da immer passiert! Mich hat's jetzt mit einem blauen Licht auf eine Lichtung gebeamt. Hier ist eine Blockhütte. Sieht ein bisschen aus wie damals in Kanada. Ja, das ist ein guter Arbeitsort!

 

A.K.: Wunderbar! Dann suchen Sie sich jetzt einen schönen Platz, da wo es für Sie angenehm ist.

 

Herr W.: Ich sitze auf der Terrasse.

 

A.K.: Dann können Sie nun eine Einladung aussprechen. Das funktioniert ungefähr so, als wenn man jemanden ruft. Sie können die Einladung allerdings auch per Post, per email oder per sms versenden.

 

Herr W.: Er ist schon da! Ohh Mann, ist der hässlich! Ein richtiger Kotzbrocken!

 

A.K.: Herr W., ich kann verstehen, dass dieser Teil Ihnen vielleicht unangenehm ist, aber wir wollen uns an die Grundregeln Wertschätzender Kommunikation und Diplomatie halten. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie jetzt an Stelle Ihres Gegenübers säßen und so begrüßt worden wären?  

 

Herr W.: Naja, das war wirklich nicht nett von mir. Ja, ich wäre vermutlich ziemlich sauer geworden und wäre gegangen.

 

A.K.: Ist denn ihr Gast noch da?

 

Herr W.: Ja.

 

A.K.: Hmm, dann scheint er ja gar nicht so ein Wüterich zu sein, wie sie dachten. Ich schlage vor, wir begrüßen ihn erst einmal und danken ihm für sein Kommen.

 

Herr W.: Ich soll mich bei ihm bedanken?

 

A.K.: Mein Vorschlag wäre, dass sie ihm so begegnen wie sie es für sich selbst auch wünschen würden. So, wie es ein höflicher Diplomat auch tun würde. Was meinen Sie?

 

Herr W.: Ok. Kann ich ja mal versuchen.

 

A.K.: Was passiert jetzt?

 

Herr W.: Er nickt und schaut mich an. Er schaut auch gar nicht mehr ganz so grimmig aus. (Pause)  Hmmm, das ist echt komisch.

 

A.K.: Was ist komisch?

 

Herr W.: Vorhin hatte ich fast etwas Angst vor ihm, jetzt schaut er gar nicht mehr so gefährlich aus.

 

A.K.: Fragen Sie ihn doch mal, warum er da ist, was seine Botschaft oder sein Auftrag ist und wobei er Ihnen helfen möchte.

 

Herr W.: Er sagt, dass er dafür sorgt, dass ich nicht versage.

 

A.K.: Was würde denn passieren wenn Sie versagen?

 

Herr W.: Er sagt, dass ich dann fertig gemacht werde.

 

A.K.: Aha! Dann ist das ein wirklich guter Typ, wenn er dafür sorgt, dass Sie nicht fertig gemacht werden, oder?

 

Herr W.: Ja...irgendwie schon.

 

A.K.: Das sollten Sie ihm sagen und sich bei ihm dafür bedanken.

 

Herr W.: Schon wieder bedanken? (Pause) Na gut, ich kann es ja mal probieren. (längere Pause)

 

A.K.: Was passiert jetzt?

 

Herr W.: Er schaut mich irgendwie freundlicher an. Das ist doch echt verrückt!

 

A.K.: Es wird gleich noch verrückter! Fragen Sie ihn doch einmal wie alt er ist?

 

Herr W.: Er sagt, er sei 6! Das kapiere ich nicht, der sieht doch viel älter aus!

 

A.K.: Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Möglicherweise ist er zu einer Zeit entstanden, als es wirklich wichtig war nicht zu versagen. Und seit dem ackert er wie blöde, treibt sie an und kämpft, damit sie nicht untergehen müssen. Wollen sie ihm das mal in ihren eigenen Worten sagen?

 

Herr W.: (schmunzelt) Und wieder bedanken, richtig?

 

A.K.: Wenn sie möchten.

 

Herr W.: (nach längerer Pause und sichtlich bewegt) Er hat angefangen zu weinen und er schrumpft. Er ist jetzt ein kleiner Junge geworden.

 

A.K.: Ein kleiner Junge der weint. Was bräuchte der jetzt?

 

Herr W.: Jemand, der ihn tröstet, der für ihn da ist.

 

A.K.: Wollen Sie das übernehmen oder sollen wir Unterstützung holen?

 

Herr W.: Nein, das möchte ich machen.

 

Wir verlassen an dieser Stelle Herrn W. ohne in die Biographie und Psychodynamik, welche für die Entstehung dieses Saboteurs verantwortlich waren, tiefer einzusteigen.

 

Dies ist eine sehr verkürzte Darstellung einer inneren Teilearbeit. Manchmal gehen derartige Prozesse extrem schnell, wie in diesem Fall. Manchmal gestaltet sich bereits die erste Kontaktaufnahme weitaus schwieriger und langwieriger. Manchmal zeigt sich, was sich hinter der Maskerade des Saboteurs verbirgt. Manchmal verwandeln sich diese Quälgeister in hilfreiche Berater. Manchmal geht das sehr schnell. Und manchmal passiert gar nichts. In der Regel ist es jedoch mit dieser Art des Coachings oder der Therapie, sehr viel schneller möglich tiefe, unbewusste Muster und Prozesse zu bearbeiten, als dies ausschließlich über Gespräch und dialogische Selbstreflexion möglich wäre.

 

Psychodynamische Gestalttherapie & Psychodynamisches Coaching gehen zurück zu den Wurzeln und kombinieren moderne therapeutische Verfahren mit uraltem Wissen über die Selbstheilungskräfte des Menschen. Dabei wird vor allem auf die Aktivierung des Selbstwertes, der Selbstakzeptanz und der Selbstliebe fokussiert. Zentrales Wirkmoment ist dabei die Beziehung zwischen Therapeut, Klient und den inneren Anteilen, Kritikern, Quälgeistern oder auch Saboteuren des Klienten.  

 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen ein gesundes, ein wundervolles Jahr 2015.

 

Ich wünsche Ihnen den Mut die Dinge zu ändern, die Sie ändern können

- anzupacken und verändern, da wo es möglich ist.

 

Ich wünsche Ihnen die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die Sie nicht ändern können

- sich zu beugen, um nicht zu brechen, da wo es nötig ist. 

 

Und ich wünsche Ihnen natürlich die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Vor allem aber wünsche ich Ihnen die Leichtigkeit des Herzens und Zugang zu Ihrem
inneren Licht, welches immerfort scheint.

 

Herzlichst Ihr André Kellner

 

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Wie es zum Wissen um Bauchmuskelkater am kommenden Morgen kam

Selbstliebe, Selbstakzeptanz & Gefühle
Selbstliebe, Selbstakzeptanz & Gefühle


Neues aus der Ameisenflohwelt (kurz Amflo)
von Julia Kannewischer.

 

Ameise und Floh trafen sich also an einem schönen Sonntagnachmittag in Amflo. Sie setzten sich in ein Café, bestellten grüne Säfte, rohes Gemüse, Kokoswasser, für Ameise einen Kaffee mit laktosefreier Milch und für Floh einen Schoko-Yogi-Tee. Sie fühlten sich ganz flohig wohlig, schauten sich in die Augen und fragten sich stumm, wo sie das Gespräch jetzt anfangen sollten.

Es gab so viele Sachen zu erzählen und doch war das gemeinsame Schweigen eine ebenso schöne Sache, wie das Sprechen. Schliesslich fragte Ameise: „Wie geht’s dir denn, Floh?“.
„Ach“, sagte Floh, der wusste, dass diese Frage sehr ernst gemeint war und Ameise wirklich interessierte, „ich weiss es nicht so recht. Es geht mir nicht schlecht. Aber ob ich glücklich bin, weiss ich auch nicht. Ich spüre nicht, wies mir geht und frage mich, warum ich nicht glücklich sein kann, weil es doch eigentlich nichts gibt, das mich explizit unglücklich macht. Und ich doch verdammt noch mal das Leben habe, von dem ich immer träumte.“

 

Ameise verstand das sehr gut. Sie war geradezu Expertin im diesem Bereich des Nicht-ganz-glücklich-aber-keine-Ahnung-warum-Gefühls. Sie fühlte sich weise dem jungen Floh gegenüber, der damit ganz verzweifelt war, aber gleichzeitig froh, dass da jemand sass, der das alles kannte, alles erlebt hatte und Ruhe ausstrahlte. „Was müsste denn passieren, damit du sagen würdest, du fühlst dich glücklich?“.

 

Noch so eine schwere Frage. „Ich will mich fühlen, als hätte ich einen Platz auf dieser Welt, als wäre ich unersetzbar. Ich will dazugehören. Ich will sagen, was ich denke, ich will für mich einstehen können, ich will tun und lassen, was mir passt. Ich will geschätzt werden. Ich will, dass da jemand ist, der mich lieb hat ohne dass ich das Gefühl habe, ich müsste etwas dafür tun. Ich will meine Gefühle spüren und sie zulassen können. Ich will heulen wie ein Schlosshund und lachen bis ich Bauchschmerzen davon kriege. Ich will mich selber in Ordnung finden. Ich will ganz menschlichflohig sein. Ich will, dass mich die Anderen sehen, dass ich nicht unsichtbar bin. Dass sie mich so schätzen wie ich bin. Ich will leben und das Leben geniessen. Ich will mich freuen können. Ich will Lebensfreude haben. Ich will die Schönheit in mir und anderen sehen. Ich will alles und nichts. Ich will Liebe spüren. Zu mir, zu anderen, zur ganzen Welt.“

 

Floh holte Luft. Das war ganz schön viel und er war überwältigt von der Enormität und fand seine eigenen Wünsche eine absolute Überforderung für sich und die Welt. Zu leben war so anstrengend. AK hatte gesagt, dass es auch ganz leicht sein könnte, wenn man das einfach glauben könnte. Aber es war anstrengend, alles leicht zu finden.

 

Ameise hatte natürlich die passende Antwort auf diesen Berg von Erwartungen, die Floh sich selber gegenüber hatte. „Aber das kannst du doch alles. Du musst es nur tun. Warum tust du es nicht einfach?“. Guter Punkt. Sehr guter Punkt. Floh konnte das tatsächlich. Jeder könnte das tatsächlich, würde er es nur tun. Sein Potenzial ausleben, es herzeigen, zu der ganzen Welt sagen: ‚Seht her, ihr Arschlöcher, wie toll ich bin und was ich alles kann. Und falls ihr das nicht schätzt, go and fuck yourself.’

 

Floh und die meisten anderen Lebewesen wussten leider nicht, warum sie das nicht einfach taten. Und sie alle fragten sich, wovor sie denn Angst hatten. Warum sie den Mut dazu nicht aufbringen konnten. Weil eigentlich konnte ja nichts passieren.

 

Floh nippte an seinem Kokoswasser und war kurzzeitig abgelenkt von der unglaublichen Frische (das Kokoswasser war frisch und direkt aus einer jungen Kokosnuss herausgetröpfelt, das Kokosfleisch wurde in mundgerechten Stücken dazu serviert).

 

AK meldete sich zu Worte: „Das ist doch ok, dass ihr Lebewesen und Floh alle Angst habt. Solange ihr euren Akzeptanzpunkt klopft und euch selber sagt, dass ihr euch trotzdem achtet und lieb habt. Und das muss auch nicht heute sein, dass ihr das alles tut. Könntet ihr euch denn wenigstens vorstellen, das alles zu tun und das Leben ganz leicht zu nehmen?“.

 

Floh versuchte ganz konzentriert, in sich hinein zu spüren und fragte sich, ob er sich das vorstellen könnte. Ameise versuchte es auch. Obwohl sie normalerweise schon einen viel besseren Zugang zu ihren Gefühlen hatte als Floh, war diese Übung auch für sie schwer. Nach einer angestrengten Weile voller innerer privater Diskussionen, nickten Floh und Ameise unisono. Die anderen Lebewesen taten es ihnen nach.

 

„Das ist doch schon mal gut, und ganz in Ordnung. Beurteilt euch nicht, nehmt das an und versucht ein bisschen damit zu verweilen“, sagte AK. Dann musste er los. Auch die anderen Lebewesen verschwanden und zurück blieben nur Ameise und Floh, die versuchten mit dem Gedanke zu verweilen, wie sie hinaus in die Welt gehen würden, es allen zeigen würden, emotional sein und das Leben ganz leicht sein würde.

Der Himmel öffnete sich, es war warm, sie hielten ihre Gesichter in die Sonne und fanden den Gedanken schön. Tränen strömten über ihre Gesichter. Tränen, die alte Glaubenssätze, innere Sturheiten und negative Gedanken wegschwämmten und Platz machten für die tollen Abenteuer, die Ameise und Floh noch vor sich hatten. Abenteuer, in denen sie ehrlich zu sich selber waren, sich nichts bieten liessen, zusammen Szenen drehten und tanzten und Yoga machten. Irgendwann waren ihre Kleider ganz durchnässt von all den Tränen, sie zogen sie aus und warfen sie in die Toilette des Cafés, dann gingen sie hinaus und rannten ins offene Meer, das warm und klar war wie auf Hawaii.

 

Sie lachten und wussten, dass sie am nächsten Morgen mit schrecklichem Bauchmuskelkater aufwachen würden, von all dem Gelächter, und das war das schönste Wissen in ganz Amflo und wurde ins grosse Buch von Amflo eingetragen, so dass man immer darüber und über die Hintergrundgeschichte nachlesen konnte.  

 


Dies wurde von Julia Kannewischer geschrieben. Ich möchte mich bei Ihr für diese wunderbare Geschichte bedanken. Es ist mehr als nur eine Fabel. Es ist ein Geschichte über Selbstliebe, Selbstakzeptanz und Gefühle und damit über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Warum wir leiden und wie wir uns von diesem Leiden befreien können.

 

Selbstliebe, Selbstakzeptanz und der Kontakt zu unseren wirklichen Bedürfnissen und Gefühlen, sind Wege zum Selbst.
 
Therapie, Coaching oder Selbsterfahrung sind nur Werkzeuge, die uns zu dem zurückführen können, wer wir wirklich sind. Und uns helfen unsere Kraft und unser wahres Potential zu entfalten. Das, was in jedem von uns schlummert und nur darauf wartet von uns entdeckt zu werden.

 

Egal ob Sie auf diesem Wege klopfen, ihren Selbstakzeptanzpunkt reiben, Augenrollen, summen, reden, schweigen, meditieren, mit inneren Anteilen sprechen, liegen, sich verbiegen oder gerade sitzen, das, wonach Sie suchen wohnt bereits in Ihnen. 

 

Herzlichst Ihr

André Kellner

 

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Völlig beklop(f)t - Oder das Ei des Kolumbus?

Burnout Coaching mal anders
Burnout Coaching mal anders

Der Fall des Herrn W. Teil 2

 

Eine Woche nach unserem Erstgespräch, kommt Herr W. zum zweiten Termin. Er sieht zwar ein wenig erholter aus als bei unserem ersten Gespräch, wirkt jedoch ziemlich angespannt und unter Strom. Anfänglich berichtet er darüber, dass ihm die Übungen gut getan haben, und er die Herzkohärenzübung und achtsame Momente immer wieder in seinen Alltag einbaue.

 

 

 

Während Herr W. davon berichtet, entsteht bei mir jedoch der Eindruck, dass er mit irgendetwas unzufrieden ist. Ich beschließe dieser Spur zu folgen.

 

A.K.: Herr W., ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich habe das Gefühl, dass Sie trotz der ersten positiven Veränderungen mit etwas unzufrieden sind?

 

Herr W.: Ach, das ist mir total unangenehm. Ich weiß nicht so recht, wie ich es sagen soll. (Pause). Ich bin im Moment wirklich ziemlich gestresst.

 

A.K.: Gestresst?

 

Herr W.: Es ärgert mich, dass ich es heute nicht geschafft habe, eine Präsentation für unseren Kunden an einen meiner Mitarbeiter zu delegieren. Und nun werde ich wieder das halbe Wochenende damit verbringen, anstatt mit meiner Frau. Ich verstehe nicht, wieso mir das immer wieder passiert?!

 

A.K.: Machen Sie sich deswegen selbst Vorwürfe?

 

Herr W.: Ja, absolut, ich weiß, dass ich als Führungskraft Aufgaben delegieren muss, aber ich bekomme das oft nicht hin. Verdammt, da bin ich doch echt inkompetent!

 

A.K.: Und was passiert, wenn Sie jetzt daran denken?

 

Herr W.: Es nervt mich, es stresst mich, es ärgert mich…ach ich könnte mir selbst in den Hintern treten!

 

A.K.: Was empfinden Sie als schlimmer, wenn ein Fremder Sie als inkompetent und unfähig beschimpft, oder wenn dies jemand tut, den Sie gut kennen und sogar mögen?

 

Herr W.: (aufgebracht) Wie bitte? Was hat denn das damit zu tun?

 

A.K.: Das erkläre ich Ihnen gern, doch würden Sie mir zuvor sagen, was davon schlimmer für Sie ist?

 

Herr W.: Natürlich ist es schlimmer, bei jemandem der mir nahe steht.

 

A.K.: Und wer ist der Mensch, der Ihnen am nächsten steht?

 

Herr W.: Meine Frau,….ähm…ich?

 

A.K.: Ja genau, sie sind sich selbst am nächsten und das, was Sie da mit sich machen, ist die Verabreichung von Psychogift in hoher Dosis. Psychogift wirkt direkt und sofort auf unseren Selbstwert und hat auch Einfluss auf das vegetative Nervensystem. Sie fühlen sich nach der Verabreichung von Psychogift sofort etwas kleiner und inkompetenter, Ihr Blutdruck steigt, ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinkt. Das perfekte mentale Training – zur Leistungs- und Selbstwertminderung. Ein perfekter Selbstwerträuber!

 

Herr W.: (ein wenig geknickt) Das klingt ganz schön hart, aber ich befürchte fast, Sie haben Recht.

 

A.K.: Das Gute ist, dass Sie die Grundprinzipien des mentalen Trainings bereits kennen und ziemlich erfolgreich anwenden. Das heißt, Sie müssen diese nicht erst mühsam lernen, sondern wir können das direkt nutzen und nur ein klein wenig modifizieren, damit es ab jetzt in die richtige Richtung geht. Was die meisten Menschen nämlich nicht wissen ist, dass mentales Training sowohl negativ, in Richtung Scheitern, als auch positiv, in Richtung Erfolg, funktioniert. Hätten Sie Lust das mit mir auszuprobieren?

 

Herr.: (sichtlich gelöster) Sehr gern, aber bitte nur in Richtung positiv. Das andere kenne ich ja schon.

 

A.K.: Gut, dann denken Sie doch bitte nochmal an diese Sache mit der Präsentation, dass Sie es nicht geschafft haben zu delegieren und nun das ganze Wochenende damit zu tun haben werden.

 

Herr W.: (wird sichtlich unruhig) Ich soll zwar nicht negativ über mich denken, aber das nervt mich gerade schon wieder so sehr. Ich bin richtig wütend auf mich.

 

A.K.: Ich bitte Sie nun weiter an das Thema zu denken und währenddessen werden wir ein paar Punkte am Körper klopfen. Das ist jetzt wirklich schräg, was wir gleich machen. Ich mache mal mit. Wir fangen mit diesem Punkt unterhalb des Zeigefingers an. Ich weiß, dass das völlig bescheuert aussieht, aber wir probieren jetzt einfach mal was aus und ich bitte Sie währenddessen zu beobachten was an inneren Bildern, Gedanken und Gefühlen auftaucht. Manchmal kann es sein, dass das aktuelle Gefühl sich verändert, dass es stärker wird oder schwächer, eine andere Qualität bekommt oder gar ein völlig anderes Gefühl auftaucht.

 

Wir gehen mehrere Punkte am Körper durch, während ich Herrn W. dabei unterstütze weiter an das Thema zu denken. Dies ist enorm wichtig für den Prozess, da wir in genau diesem Thema eine Veränderung ermöglichen wollen. Insofern macht es natürlich keinen Sinn, wenn Herr W. an seinen nächsten Urlaub oder andere schöne Dinge denkt. Das Prinzip des Körperklopfens ist eine Bifokal Multisensorische Intervention (BMSI). Zu den BMSI gehören unter anderem EMDR, EMI, Wingwave oder PEP nach Michael Bohne. BMSI sind eine moderne Entwicklung im Coaching und in der Psychotherapie, welche innere Veränderungs-, Verarbeitungs- und Erkenntnisprozesse deutlich beschleunigen können. Vom 01.05.2014 – 04.05.2014 fand dazu in Heidelberg der Kongress
„Reden reicht nicht“ mit 1500 Teilnehmern, mit internationaler Besetzung statt.

 

Herr W.: Jetzt verändert sich das Gefühl.

 

A.K. Was genau passiert jetzt?

 

Herr W.: Ich spüre eine Angst.

 

A.K.: Dann bleiben Sie mal bei diesem Punkt. Wo spüren Sie die Angst und was genau sagt diese Angst?

 

Herr W.: Im Hals und Brustbereich…und auch im Bauch. So etwas wie: „Wenn Du es nicht selbst machst, dann wird’s nichts“. Das ist echt merkwürdig.

 

A.K.: Sehr gut, lassen Sie uns mal weiter klopfen und wir schauen wie es sich weiter verändert.

 

Herr W.: Jetzt werde ich fast ein wenig traurig. Das ist wirklich komisch, was hier gerade passiert.

 

A.K.: Wenn es für Sie in Ordnung ist, dann erlauben Sie sich ruhig dieses Gefühl zu spüren und weiter gespannt zu sein, wie es sich noch verändert.

 

Wir gehen die gesamte Abfolge der Klopfpunkte durch.

 

A.K.: Wie geht es Ihnen jetzt?

 

Herr W.: Ich bin deutlich ruhiger und entspannter. Fast ein bisschen gelöst. Irgendetwas ist anders. Die Traurigkeit und die Angst sind auch wieder weg. Auch das komische Gefühl im Bauch und Hals ist wieder weg. Das ist echt verrückt.

 

A.K.: Denken Sie nochmal an die Präsentation und ihren Ärger und dass Sie nun das ganze Wochenende vergeigt haben.

 

Herr W.: Im Moment denke ich mir, dass die Welt auch nicht untergeht, wenn ich das Ganze am Montag nochmal im Team bespreche und an einen meiner Mitarbeiter delegiere.

 

A.K.: Wunderbar. Wie genau könnte so ein innerer kraftspendender Satz aussehen:
„Ich kann delegieren!“ oder „Ab jetzt erlaube ich mir zu delegieren!“?

 

Herr W.: Hmmm, nein. „Ich muss nicht alles allein machen!“

 

A.K: Ok. Sehr gut. Probieren Sie mal diesen: „ Ich bin ein echter Vollprofi und muss nicht alles allein machen!“

 

Herr W.: Ohh ja! Der ist klasse. Ja, das passt zu mir: „Ich bin ein echter Vollprofi und muss nicht alles allein machen.“

 

A.K.: Wunderbar. Hiermit überreiche ich Ihnen den ersten Teil Ihres Rezeptes für Ihren ganz persönlichen Selbstwertbooster. Wenn Sie wollen, würde ich nun noch ein paar Übungen zur Selbstakzeptanz und zur Selbstwertoptimierung mit Ihnen machen. Ist das in Ordnung für Sie?

 

Herr W.: Ja, gern. Ich bin schon ganz gespannt, wie das funktionieren soll.

 

(Herr W. hat mich gebeten diesen, sehr persönlichen Teil, nicht zu veröffentlichen.)

 

Das Wichtigste bei derartigen Prozessen in Coaching oder Therapie, ist die innere Haltung des Coachs. Achtung, Empathie, Würde, Wertschätzung und eine Portion liebevoller Humor sind hierbei der Schlüssel. Nur so ist es möglich einen schnellen Zugang zu Selbstwerträubern zu finden, diese zu verwandeln und neue Kraft spendende Glaubenssätze zu generieren.

 

Mehr zum Thema Körperklopfen finden Sie unter: Völlig beklop(f)t!?

 

Lesen Sie im dritten Teil: „Herr W. und die wundersame Verwandlung des inneren Saboteurs.“


Herzlichst Ihr André Kellner

 

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Raus aus dem Burnout - Der Fall des Herrn W.

Burnout - Ausgebrannt!
Burnout - Ausgebrannt!

 

Herr W. kommt nach einem ersten Telefonat in meine Praxis. Im Gespräch schildert er seine Situation folgendermaßen:

 

Herr W. ist 48 Jahre alt und Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen. Er ist für 50 Mitarbeiter verantwortlich und ca. 2 Tage pro Woche auf Geschäftsreisen.

Herr W. hat das Gefühl an Burnout zu leiden. 

Er muss täglich 80 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz pendeln. Er ist ein sehr erfolgsorientierter Mensch, der sich selbst sehr viel abverlangt und die gleichen Anforderungen auch an seine Mitarbeiter stellt. Herr W. ist ein Freund klarer Worte, aber er könne auch Kritik gut wegstecken, so lange sie konstruktiv sei. Er liebt seinen Job und könne sich nichts Schöneres vorstellen als diesen auszuführen und es macht ihm Freude, seine Abteilung und das Unternehmen voranzubringen. In letzter Zeit habe er allerdings festgestellt, dass er sich in Teamsitzungen sehr leicht im Ton vergreife, laut werde und es immer häufiger zu Konflikten mit Mitarbeitern, aber auch seinem Vorgesetzten  komme. Das sei normalerweise gar nicht seine Art. Es sei ihm aufgefallen, dass alles an ihm hängen bleibe und er ständig die Kohlen aus dem Feuer hohle. Allerdings sei auch nur er in der Lage, diese Dinge perfekt zu erledigen und bevor er es einem seiner Mitarbeiter erkläre, der es dann auch nicht wirklich perfekt mache, erledige er es lieber selber. Er schläft inzwischen sehr schlecht, vor allem das Einschlafen bereitet ihm große Probleme. Häufig liegt er mehrere Stunden wach und ist am Morgen sehr erschöpft. Er leidet zudem auch an Magenschmerzen, Sodbrennen, Rückenschmerzen und von Zeit zu Zeit trinke er Alkohol nicht nur weil es ihm schmecke, sondern um zur Ruhe zu kommen. Manchmal hat er das Gefühl, dass ihm alles zu viel werde.

 

Im ersten Gespräch wird deutlich, dass Herr W. von sich aus kaum über private Dinge spricht. Auf mein Nachfragen entsteht folgender Dialog:

 

A.K.: Herr W. Sie haben ja sehr offen über Ihre Arbeit und auch die Dinge, die Sie belasten, gesprochen. Jetzt würde mich interessieren, was Ihnen privat Freude macht, wo tanken Sie auf, und mit welchen Menschen umgeben Sie sich gern?

 

Herr W.: (nach längerer Pause) Hmmm, ich habe gar nicht gemerkt, dass ich nur über die Arbeit gesprochen habe. Das ist bei mir zu Hause auch oft Thema mit meiner Frau. Stimmt,  die habe ich noch gar nicht erwähnt. Jetzt denken Sie sicher, dass ich Probleme mit meiner Frau habe oder es nicht gut läuft. Doch für mich ist sie der einzige Mensch, der mir den Rücken frei hält. Die nimmt mich so, wie ich bin. Und es gibt zwei sehr gute Freunde, allerdings habe ich in letzter Zeit sehr wenig mit denen unternommen.

 

A.K.: Woran liegt das?

 

Herr W.: Ich hatte einfach so viel zu tun und habe oft auch Arbeit mit nach Hause genommen. Und am Wochenende bin ich dann oft so erschöpft, dass mir alles zu viel ist. Auch mein Hobby, das Fahrrad fahren habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Ich bin früher mit meiner Frau und auch meinen Freunden oft auf Fahrradtouren gewesen. Manchmal auch einfach nur am Abend eine kleine Runde. Ich liebe die Natur, das war schon immer ein wichtiger Ausgleich für mich und ich habe da auch immer so ein Gefühl von Ruhe und Kraft. Ich fühle mich sehr mit der Natur verbunden. Im Grunde genommen ärgert mich das Ganze auch. Aber ich weiß nicht wie ich das ändern soll.

 

A.K. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann brauchen Sie mehr Zeit und mehr Energie?

 

Herr W.: (lacht) Ja genau.

 

An dieser Stelle kläre ich Herrn W. über die Burnout Spirale auf, in der er sich befindet. Er hat die Dinge, die ihm wichtig und eine Kraftquelle sind, zugunsten seiner Arbeit vernachlässigt. Das führte anfänglich dazu, dass er natürlich mehr Zeit für die Arbeit hatte. Langfristig kostet es ihn aber Energie, da er nicht mehr auftanken kann. Das ist ein ganz typischer Verlauf. Gott sei Dank hat Herr W.  bereits eine Menge Ressourcen und Kraftquellen, welche er nur vernachlässigt hat. Insofern gilt es, diese wieder zu reaktivieren. Schwieriger wäre es – und das ist gar nicht so selten – wenn er hier feststellen würde, dass er gar keine anderen Bereiche außer der Arbeit hat. Doch auch bei Menschen, die im ersten Moment keine Ressourcen und Kraftquellen zu  haben scheinen, lassen sich bei genauem Hinschauen jede Menge ungenutzter und unbeachteter Möglichkeiten entdecken. Zu den Ressourcen und Kraftquellen von Herrn W. zählen soziale Kontakte (Grundbedürfnis nach Bindung & Selbstwert), Sport und Bewegung (wirkt auf den Selbstwert & Körperliches Wohlbefinden) und die Natur (Verbundenheit & Sinn). Es gilt also diese Bereiche wieder zu reaktivieren, da sie ihm auch helfen, arbeitsbedingte Spannungen abzubauen (Sport und Bewegung, Natur). Natürlich hat Herr W. noch weitaus mehr Kraftquellen, wie man bereits jetzt sehen kann.

 

Da sich Herr W. sehr aufgeschlossen und interessiert zeigt, schlage ich ihm ein Experiment vor. Es ist Sommer und wir gehen hinaus in den Park. Ich gebe ihm die Anweisung, dass er im Abstand von 20 Metern hinter mir laufen soll. Er darf mich keinesfalls überholen, bestenfalls hält er den vorgegebenen Abstand ein. Er darf auch nicht sprechen und soll einfach beobachten, was er wahrnimmt. Sowohl außen, mit all‘ seinen Sinnen, als auch innen, was an Gefühlen, Gedanken und Empfindungen auftaucht. Wenn es ihm unangenehm werden sollte, und er es nicht mehr aushalten kann, dann kann er natürlich jederzeit „Stopp“ sagen.

 

 

Ich gehe also mit halber Schrittgeschwindigkeit los. Die Übung dauert 15-20 Minuten. Im Laufe der Übung verlangsame ich allmählich das Tempo.  Die letzten 5 Minuten gehe ich extrem langsam, im Zeitlupentempe, so dass ich zwischen den Schritten fast stehen bleiben könnte. Während der Übung verlasse ich auch den Weg und gehe durchs Gras, zwischen Bäumen hindurch. Ich beende die Übung, in dem ich mich auf eine Bank setze und Herrn W. mit einem Blick und einem Handzeichen bitte, sich zu mir zu setzen. ich lasse ihm Zeit anzukommen. Erstaunlicherweise ist Herr W. sehr weit hinter mir zurückgeblieben.

 

A.K.: Wie geht es Ihnen jetzt?

 

Herr W.: Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Das ist wirklich unglaublich!

 

A.K.: Was genau fühlt sich so gut an? Wo spüren Sie dieses gute Gefühl?

 

Herr W.: Mein ganzer Körper hat sich entspannt. Ich bin richtig glücklich. Am Anfang habe ich mich gefragt, was das soll, aber dann habe ich es einfach gemacht. Ich habe dann entdeckt, dass im Gras und auf den Blüten Bienen und Insekten sind. Und das hat mich unglaublich fasziniert, weil das ja immer da ist, und ich es oft einfach nicht sehe. Weil ich vorbei hetzte. Ja, dieser Gedanke war da. Und dann habe ich an meine Kindheit gedacht. Ich bin ja auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da habe ich auch immer alles ganz genau beobachtet. Und ich habe es geliebt, im Heu herum zu tollen. Als wir dann vom Weg herunter sind und durchs Gras gelaufen sind, hätte ich am liebsten meine Schuhe ausgezogen.

 

A.K.: Was hat Sie daran gehindert es zu tun?

 

Herr W.: Ich hatte es mir erst wirklich überlegt. Aber dann habe ich mir gedacht „Das ist doch echt schräg. Zwei Typen im Schleichgang und einer zieht auch noch die Schuhe aus“ (lacht)

 

A.K.: (lacht) Ja, das ist tatsächlich schräg. Was halten Sie davon, wenn wir das jetzt mal gemeinsam machen?

 

Herr W.: Ja, sehr gern.

 

A.K.: Ich lade Sie nun ein, einmal ganz bewusst das Gras unter ihren Füßen zu spüren. Nehmen Sie einfach den Kontakt zum Boden wahr. (kurze Pause) Jetzt spüren Sie Ihren Körper, wie fühlt der sich im Moment an? (kurze Pause)  Beobachten Sie nun einen Moment lang Ihren Atem. Wie geht es Ihnen?

 

Herr W.: Hmm, das ist wirklich erstaunlich! Ich bin so ruhig. Das gibt mir auch ein Gefühl von Kraft.

 

A.K.: Wo genau spüren Sie dieses Gefühl von Kraft?

 

Herr W.: Hier vorne in der Brust und auch im Bauch.

 

A.K.: Gut, dann bleiben Sie ruhig noch einen Moment bei diesem Gefühl von Kraft. Wenn Sie mögen, können Sie auch eine Geste finden, die dieses Gefühl symbolisiert.

Herr W. legt seine Hände auf Bauch und Brust und atmet hörbar aus.

 

A.K.: Genau. Nehmen Sie wahr, was jetzt in Ihrem Körper passiert.

 

Herr W.: Mir ist auch vorhin bei dieser Übung klar geworden, wie wenig ich oft mitbekomme und wie sehr ich durchs Leben hetze. Das ist vor allem beim Essen so. Ich esse ja wirklich gern und ich koche auch gern. In letzter Zeit läuft das immer nebenher. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann wird mir klar, dass ich hier oftmals unglaublich unachtsam und überhaupt nicht bei dem bin, was ich tue.

 

A.K.: Woran merken Sie das?

 

Herr W.: Das ist mir fast ein bisschen peinlich. Ich bekleckere mich dann. Meistens merke ich es nicht einmal. Das fällt mir dann erst hinterher auf.  

 

Was Herr W. durch unsere Übung selbst für sich herausfindet und erkennt, muss oftmals durch längere Prozesse von den Klienten entdeckt werden. Manchmal braucht es diesbezüglich auch Anleitung oder Erklärung von Seiten des Coach. Herr W. findet neben alten Ressourcen einen Zugang zur Entschleunigung und damit auch zu seinem inneren Selbst. Zugleich werden ihm auch erste Warnzeichen für  seine Burnout-Spirale bewusst. Ich unterstütze und verstärke seine Wahrnehmung, indem ich die Prozesse und Reaktionen (Entspannung des Körpers, Durchatmen) bewusst aufgreife und ihm zudem ein Angebot zum Ankern anbiete (Geste, die das gute Gefühl unterstützt).

 

Nachdem wir wieder zurück in die Praxis gegangen sind, zeige ich Herrn W. ein  paar Techniken zur Meditation, Achtsamkeit und Entspannung, welche er im Alltag gut einsetzen kann. Für ihn bewähren sich die Herzkohärenztechnik und Achtsamkeitsübungen, wie langsames Gehen, langsames und achtsames Essen und achtsame Wahrnehmung in der Natur, bzw. im Alltag.Hierbei kann er sich zentrieren und  das Wichtigste ist hierbei die Alltagstauglichkeit. Es macht wenig Sinn, Entspannungsverfahren zu erlernen, die man nur in einer bestimmten Umgebung ausführen kann.

 

Zum Abschluss gebe ich Herrn W. folgende Frage mit: „Was ist wirklich wichtig in meinem Leben?“

 

Auch wenn dieser Fall sehr idealtypisch klingt, ist mir Herr W. in ähnlicher Form tatsächlich begegnet, und Teilaspekte eines Herrn W.  sind bei vielen Klienten bereits vorhanden, wenn sie zum Therapeuten oder Burnout-Coach kommen.

 

Wie es mit Herrn W. weiter geht, und welche spannenden Entdeckungen wir noch mit ihm machen können, lesen Sie im nächsten Blog.

 

Herzlichst Ihr André Kellner

 

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Führt schlechte Führung zu Burnout?

Wer dreht am Rad?
Wer dreht am Rad?

 

„Schlechte Führung führt zu Burnout“

 

"Die Zusammenhänge von Stress, Burnout und schlechter Mitarbeiterführung sind nicht erst seit der neuesten TK-Studie bekannt. Maßnahmen wie Burnout-Prävention, Stressmanagement, Betriebliches Gesundheitsmanagement usw. greifen aber nur und sind auch wirtschaftlich effektiv, wenn dies vor allem von der Geschäftsführung und den Führungskräften gelebt und gewollt ist...

 

...Dabei werden gelebte menschliche Werte wie Wertschätzung, Würde und gesundes Wachstum immer wichtiger. In Zukunft sind sie klar „psychologischer Innovationsvorsprung“. Insofern ist eine Psychologisierung von Führungskräften enorm wichtig. Nur wer versteht, was in einem selbst und in einem Gegenüber vorgeht, kann wirklich gesund und nachhaltig führen. Nur wer mit sich selbst gut umgeht und ein gutes Stressmanagement hat, kann auch gesund bleiben und gesund mit seinen Mitarbeitern umgehen (Führen durch Vorbild). Und damit auch wirtschaftlich. Denn gestresste Führungskräfte geben ihren Stress an ihre Mitarbeiter weiter. Womit wir bei einem Schlagwort der 1990er angelangt wären: Emotionale Intelligenz."
                                                                 (André Kellner in „managerSeminare 1/2014)

 

 

Der aktuellen Debatte und Entwicklung zur "Psychologisierung von Führungskräften" folgend, druckte die Zeitschrift "managerSeminare" in Ihrer Januarausgabe 2014, einen redaktionellen Beitrag mit dem Titel: "Mein Chef. Mein Coach. Mein Therapeut?".

 

Die darin enthaltenen Kommentare von Unternehmens- und Organisationsberatern, Coaches und Psychologen zeigen, wie unterschiedlich die Haltungen zu diesem Thema sind. Sie reichen von „Psychologisierung ist Verhätschelung der Mitarbeiter und verhindert Resilienz“ über “Pseudotherapeutische Selbstbespiegelung bringt nichts“  zu „Alles an Führung ist Psychologie“. Der Grund für diese Polarisierung in Bezug auf  „Psychologisierung von Führung“, liegt möglicherweise außer in differierenden Ansichten, auch in grundsätzlich verschiedenen Definitionen des Themas.

 

Hier gehts zum gesamten Artikel:

http://www.managerseminare.de/ms_Artikel/Psychologisierung-von-Fuehrung-Mein-Chef-Mein-Coach-Mein-Therapeut,231682

 

Doch was genau ist mit dem Begriff „Psychologisierung von Führung“ gemeint und welche Vorteile könnten Unternehmen daraus ziehen?

 

Wenn es um Führung von Menschen geht, dann gehört dazu zwangsläufig auch das Wissen um intrapsychische Vorgänge. Das unterscheidet eine Führungskraft von einem Vorgesetzten.

 

Eine Führungskraft hat Kräfte, die sie befähigt Menschen zu führen. Ein Vorgesetzter ist einem vorgesetzt. Um Menschen gesund und effektiv zu führen, braucht man Menschenkenntnis, Erfahrung und ein gutes Maß an Selbstreflexion. Das ist, in meinen Augen und nach meinem Verständnis, Psychologisiertes Führen. Keinesfalls bedeutet es Verhätschelung von Mitarbeitern, noch Therapie.
Im Gegenteil: Es bedeutet ein hohes Maß an Zielorientierung, Durchsetzungsvermögen und Willenskraft, gepaart mit sozialer, emotionaler und zwischenmenschlicher Kompetenz.

 

Psychologisierung bedeutet zugleich auch Emotionalisierung. Das ist nicht gleichzusetzen mit „emotionalem Weichspülen“. Denn Gefühle machen natürlich auch vor Führungskräften nicht halt. Die besten Führungskräfte haben gut entwickelte „Fühlungskräfte“! Eine exzellente Führungskraft kann die Stärken ihrer Mitarbeiter nur dann maximal nutz- und gewinnbringend für das Unternehmen einsetzen, wenn Sie sich selbst, ihre Gefühle und auch die Gefühle ihrer Mitarbeiter verstehen kann.

 

Insofern sollten bei exzellenten Führungskräfte Coachings vor allem auch die Gefühle im Fokus stehen. Führungskräfte, die sich selbst und damit diese inneren Mechanismen besser verstehen, haben klar einen "Psychologischen Innovationsvorsprung". Und damit auch die von Ihnen geleiteten Teams, Abteilungen und Unternehmen. Und zwar nicht auf Basis einer funktionalen und damit manipulativen Haltung, sondern auf Basis von Mitgefühl, echter Empathie und Einfühlungsvermögen. Den Prinzipien von Menschenwürde, Achtung, Achtsamkeit und echter Wertschätzung folgend. Emotionale Intelligenz ist insofern nicht nur ein Schlagwort, sondern ein wichtiger Persönlichkeitsaspekt eines erfolgreichen Unternehmers und einer exzellenten Führungskraft: "Vorsprung durch Fühlung".

 

Falls Sie sich an dieser Stelle wissenschaftliche Beweise zur Wirkung von Empathie und Mitgefühl auf die Effektivität von Teams wünschen, um Implikationen für Führung abzuleiten, empfehle ich Ihnen die Forschungsarbeiten von Prof. Tania Singer. Zudem können Sie sich das kostenlose ebook von Prof. Singer „Mitgefühl, In Alltag und Forschung“ herunterladen.

 

Führung, natürlich auch Psychologisierte Führung, bedeutet Ziele zu erreichen. Doch dies geschieht – in der Regel – durch und mit den Mitarbeitern. Insofern ist es sinnvoll und auch notwendig, Kompetenzen und Stärken der Mitarbeiter zu fördern, Probleme (auch zwischenmenschliche) zu erkennen und hier Unterstützung anzubieten. Vor allem bedeutet es aber Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter zum Selbstmanagement zu haben und ihnen Freiräume zur Entwicklung und Entfaltung zu geben. Auch das setzt ein gesundes Maß an Psychologisierung voraus. Es bedeutet die interindividuellen Unterschiede zu erkennen, zu verstehen und entsprechend zu handeln oder auch auf das Team, die Mitarbeiter und deren Kompetenzen und Improvisationstalente zu vertrauen. Eingreifen, dort wo es nötig ist, Geschehen lassen, dort wo Menschen und Teams aufgrund der ihnen inne wohnenden Fähigkeit zur Selbstregulation, Probleme und Aufgaben lösen.  Balance, Vertrauen und Unterscheidungsvermögen sind hierbei gefragt. Und dafür benötigt man, ohne Frage, Menschenkenntnis. Das bedeutet Psychologisierung.

 

Warum das Ganze überhaupt? Neben humanistischen Aspekten gilt es zu bedenken, dass der "Rohstoff qualifizierter Mitarbeiter" nicht so schnell nachwächst, wie wir ihn "verbrennen". Nicht umsonst sind wir inzwischen „Burned-out“.

 

Damit Unternehmen langfristig und gesund wachsen können, ist es also notwendig das "Kapital Mensch und Mitarbeiter" zu pflegen und zu erhalten. Das Ziel sollte sein, dass weniger Mitarbeiter abwandern und somit Know-how im Unternehmen bleibt. Know-how bedeutet nicht nur Fachwissen, sondern auch Wissen um zwischenmenschliche Teamprozesse und Organisationsstrukturen. Dieser Bereich ist allerdings nur schwer messbar und wird daher häufig vernachlässigt. Doch wenn Fluktuation und krankheitsbedingter Wertschöpfungsverlust reduziert werden sollen, gilt es auch dies zu berücksichtigen.

 

Das alles ist reichlich erforscht und wissenschaftlich belegt. Trotzdem hat unsere Gesellschaft diese Erkenntnisse noch nicht ausreichend verinnerlicht: Weder die Allgemeinbevölkerung, noch die Führungskräfte und Unternehmensberater.

Also  mangelt es, wie so oft, an der Umsetzung. Denn das bedeutet alte Gewohnheiten, Strukturen und Verhaltensmuster zu verändern. Und da wo viele Menschen zusammen arbeiten ist dies um so schwieriger.

 

Insofern ist eine „Psychologisierung von Führung“ ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Mehr zum 7+7 gesunder Führung® finden Sie in:

"Wirtschaftsfaktor Gesundheit: Wie Ihr Unternehmen durch Corporate Health gesünder und leistungsfähiger wird."

Mit einem Beitrag von mir: "Das 7+7 gesunder Führung - Psychologisierung von Führungskräften als BGM Maßnahme." Zudem weitere Artikel namhafter Autoren, u.a. des Dalai Lama! Das Buch "Wirtschaftsfaktor Gesundheit" ist ein wertvoller Leitfaden für alle, die Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) in der Praxis verantwortlich umsetzen wollen.

 

Zu bestellen bei: http://www.fomaco.de/buch-wirtschaftsfaktor-gesundheit. oder bei Amazon.

 

Oder buchen Sie gleich ein exklusives Coaching, Impulsvortrag oder Workshop bei mir. 

 

Herzlichst Ihr Burnout & Mental Coach in München
Dipl.-Psych. André Kellner.

 

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Burnout & Ernährung

Gesunde Ernährung & Mentale Stärke
Gesunde Ernährung & Mentale Stärke

 

Dem Geheimnis gesunder Ernährung, mentaler Stärke & Burnout Prävention auf der Spur - Ein Interview mit Ernährungscoach
Anna Fiedler

 

 

 

Anna Fiedler bietet seit rund drei Jahren das vitalligent Ernährungscoaching speziell für Manager an. Sie gibt Kochcoachings, sendet Erinnerungs-SMS an Ihre Kunden, steht am Wochenende für Ernährungs-Fragen zur Verfügung und stellt schon mal den Kantinenplan in Firmen komplett um. Manche Sekretärin erhielt durch Anna Fiedlers Arbeit ein Stirnrunzeln und wunderte sich nach einigen Monaten über ihren neuen, schlanken und dynamischen Chef. Anna Fiedler sorgt dafür, dass das Gewicht von Führungskräften trotz üppiger Businesslunches, vieler Geschäftsreisen und langer Arbeitstage stimmt.
In Ihrem ersten Buch „Männer, startet durch zum Idealgewicht“ (ISBN-10: 3841771505), gibt sie erste Eindrücke ihrer Arbeit wieder. Auch zum Thema Burnout-Prävention hat sie einiges zu sagen. Grund genug, mich näher mit ihr über das Thema auszutauschen.

Ernährungscoach Anna Fiedler
Ernährungscoach Anna Fiedler

André Kellner:
Frau Fiedler, Sie sind zertifizierte Ernährungsberaterin und haben sich mit dem vitalligent Ernährungscoaching auf Führungskräfte und Manager spezialisiert. Neben dem Ernährungscoaching beraten Sie Ihre Kunden ja auch in gesunder Lebensführung und somit auch im Bereich Gesundheitsvorsorge und Burnout Prävention. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit vor?

Anna Fiedler:
Ich arbeite in gewisser Weise zweigleisig. Das eine ist die Ernährung. Die verändere ich entsprechend dem Zeitplan und dem Familienumfeld. Der Gesundheitszustand ist immer der Ausgangspunkt dafür. Auf der zweiten Ebene bitte ich die Klienten immer, auf ihre Symptome (Magenbrennen z.B.) zu achten und zu notieren. Nach wenigen Tagen ist meistens schon klar, was wir verändern werden. Das ist dann die eigentliche Arbeit. Ich denke, zum Thema Burnout Prävention arbeite ich ähnlich wie Sie. Ich bringe den Kunden dazu, sich mit sich zu beschäftigen. Das Thema Kochen ist zum Beispiel eine Methode der Entschleunigung. Dabei kann Mann hervorragend über Sachen sinnieren, die ihn beschäftigen. Ich sage oft, wenn sie dabei ihre Gedanken beobachten, entstehen dabei auch Lösungen. Das ist eine sehr gesunde Methode. Frauen freuen sich meistens auch, wenn ER kocht.

André Kellner:
Wir Psychologen wissen, dass gerade Manager ein erhöhtes  Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Burnout haben. Beide Themen werden, in diesem sehr leistungsorientierten Berufsfeld, gern totgeschwiegen. Wir wissen auch, dass ausgewogene Ernährung und Sport zur Verbesserung der psychischen Verfassung beitragen. Häufig wird dieser wichtige Bereich von Psychologen und Therapeuten vernachlässigt. Was bemerken Sie davon in Ihrer Arbeit? Wird die körperliche und mentale Basis beeinflusst durch Ernährung?

Anna Fiedler:
Natürlich beeinflusst die Ernährung das Thema Burnout. Der Klient, sein Arzt und ich bemerken viele Verbesserungen. Die Blut- und Leberwerte verbessern sich. Die EKG-Werte verbessern sich. Gerade nach einem Schlaganfall oder Hörsturz wissen Manager, jetzt ist es höchste Zeit, etwas zu verändern. In der Regel schicke ich den Klienten nach sechs Monaten wieder zum Blutbild. Das Feedback ist immer von Freude und Dankbarkeit gezeichnet. Der Klient fühlt sich insgesamt leistungsfähiger, bemerkt eine verbesserte Belastbarkeit und Konzentrationsfähigkeit. Das ist eine gute Burnout-Prävention, denke ich.

André Kellner:  
Ihre Erfahrungen bestätige ich gern.Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die häufigsten Ernährungsfehler (gestresster) Manager?

Anna Fiedler:
Mir fällt häufig auf, dass die meisten Männer zu wenig essen. Das wenige ist  geprägt von Fleischspeisen oder Fertiggerichten. Sie trinken zu wenig Wasser, Tee oder Saft. Dafür gibt es ein Missverhältnis bei den Getränken Kaffee und Alkohol. Und das machen sie über viele Jahre. Kein Körper kann dabei leistungsfähig sein oder bleiben. Die ganze Energie wird verbraucht, um das System irgendwie am Laufen zu halten. Unser Körper benötigt gewissen Nährstoffe, Vitamine, Enzyme, Fettsäuren etc. um Prozesse rund laufen zu lassen. Ein Auto fährt irgendwann auch nicht mehr, wenn Sie kein Motoröl oder Sprit reingeben. Der häufigste Fehler ist, über die Symptome wie Magendrücken oder andere Verdauung Symptome hinweg zu gehen und diese jahrelang zu überhören. Ich sage gerne: „Der Krebs und der Herzinfarkt kommen nicht über Nacht. Das ist jahrelange Vorarbeit.“

André Kellner:
Was genau empfehlen Sie Ihren Kunden? Welche Möglichkeiten gibt es zum Beispiel auch ein Burnout-Risiko durch gesunde Ernährung zu reduzieren?

Anna Fiedler:
Wir beginnen oft damit, schon mal das Trinkverhältnis zu verändern. Weniger Kaffee, dafür mehr Tee und oder Wasser. Tagsüber empfehle ich gerne Riegel und Nussmischungen. Beides erhöht die Konzentrationsfähigkeit. Auch Kopfschmerzen werden dadurch reduziert. Außerdem macht es Sinn, sich mit seinem Körper, dem Essen und Kochen zu beschäftigen. Essen sollte nährstoffhaltig sein, schmecken und schnell zubereitet sein. Unser Körper benötigt z.B. Eisen und Magnesium für Muskel- und Blutarbeit. Gesunde Ernährung ist einfach und unkompliziert. Mann muss es nur machen.

André Kellner:
In Ihren Ernährungs- und Gesundheitscoachings steckt ja auch eine Menge Psychologie. Wie schaffen Sie es, Ihre Kunden für gesunde Ernährung zu begeistern?

Anna Fiedler:
Ich höre oft, ich wäre eine halbe Psychologin. Ich bin fest davon überzeugt, dass Essen, Körper und Psyche fest zusammen gehören. Das eine vom anderen zu trennen, führt immer zu kurzzeitigen Ergebnissen. Ich denke, ich schaffe es immer wieder zu überzeugen, weil die Klienten merken, dass es einfach ist. Ich zeige ihnen sehr einfache und praktische Dinge. Sie lernen wo, wie und wann und es passt genau zu ihnen. Dazu organisiere ich viel für die Klienten, wie zum Beispiel Geschäftsreisen oder Einkaufslieferungen für daheim. Das bringt eine Zeitersparnis und es gibt keine Ausreden. Ich lasse Dinge weg, die nicht schmecken oder nicht umsetzbar sind. Wenn das Gewicht sinkt und das Wohlbefinden steigt, ist das die beste Überzeugung.

André Kellner:
Gibt es neben dem Ernährungscoaching noch andere Themen, bei denen Sie Ihre Kunden beraten, um die körperliche und mentale Gesundheit zu stärken?

Anna Fiedler:
Ja klar, bei jedem Klienten. Es tut vielen gut, wenn sie mir Dinge aus dem privaten oder geschäftlichen Umfeld erzählen, welche ich neutral betrachte. Es geht oft um Druck im Business oder Probleme mit der Familie. Jeder weiß, wie gut es tut, jemanden etwas zu erzählen, der keine blöden Antworten zurückgibt, sondern einfach verständnisvoll zuhört. Diese ganze Verstrickung führt ja auch oft zu gewissen Verhaltensweisen beim Essen. Die Gespräche bauen Druck ab und geben Erklärungen. Manchmal gebe ich Lösungsansätze zurück, weil ich einen Klienten kenne, der ähnliches schon mal erlebt hat.

André Kellner:
Wie sieht denn ein konkretes Ernährungs- und Gesundheitscoaching bei Ihnen aus?

Anna Fiedler:
Nehmen wir das Beispiel, wenn ein Klient sein Gewicht von 120 Kilo auf 95 Kilo reduzieren will. Das dauert in der Regel sechs Monate. Danach wiegt er etwa 95 Kilo bis 100 Kilo und weiß genau, wie er es halten wird. Anfänglich lasse ich mir alle aktuellen Daten geben. Er führt eine Zeit lang ein Ernährungsprotokoll. So bekomme ich einen Überblick, wie der Stand der Dinge ist. Danach beginne ich schrittweise Dinge auszutauschen, hinzuzufügen oder wegzustreichen. Jede Woche telefonieren wir ein bis zwei Mal. Dazu erhält er Coachingbriefe, Rezepte und Speisepläne. In den Life-Coachings kaufen wir ein, kochen, gehen ins Restaurant, machen Smoothies. Das Thema Lunch versuche ich zu optimieren. Wenn der Einfluss des Managers groß genug ist, wird etwas anderes in die Kantine eingeführt. Sonst organisieren wir eine Lösung von außerhalb.

Ich gehe gern schrittweise voran. Der Klient hat oft das Gefühl, das Gewicht reduziert sich zu langsam. Meistens arbeite ich im zweiten oder dritten Monat mit einer professionellen Diät. Das reduziert das Gewicht dann immer sehr schnell um fünf bis sieben Kilo in drei Wochen. Am Schluss erhält er noch ein Auswertungsprotokoll.  

André Kellner:
Sie sind ja selbst auch viel unterwegs und beruflich stark eingebunden. Wie halten Sie sich körperlich fit?

Anna Fiedler:
Ich selbst gehe zweimal pro Woche zum Powerplate Training. Außerdem genehmige ich mir viele Ruhezeiten. Wenn ich bemerke, dass ich etwas mental nicht wirklich erledigen kann oder will, dann lasse ich das bleiben und verschiebe es.

André Kellner: 
Und was ist ihr Lieblingsessen für gestresste Tage?

Anna Fiedler:
Im Winter frühstücke ich am liebsten Pancakes oder selbstgebackenes Vollkornbrot, dazu Butter und Honig. Ich habe es mir abgewöhnt, zum Frühstück Kaffee zu trinken. Ich trinke lieber grünen Tee. Kaffee trinke ich erst gegen 09:30 Uhr im Büro oder beim Termin. Tagsüber esse ich gern etwas Obst und Nüsse, mittags gedünstetes Gemüse oder sehr gern Suppe. Am Abend versuche ich, mit meinen Kindern zu kochen. Meine Kinder entscheiden dann meistens. Da gibt es schon auch mal Pommes oder Kroketten. Das Gesamtbild muss stimmen. Auf eine Einzelmahlzeit kommt es nicht an.

Im Sommer trinke ich lieber Smoothies zum Frühstück. Tagsüber esse ich gern Eiweißriegel oder trinke Buttermilch. Mittags eher Salat und abends gern Fleisch oder Fisch. Dazu kommt, dass ich oft mit Klienten esse gehe oder bei Ihnen daheim esse. Da liegt die Auswahl ja oft in meiner Hand. Im Winter wäre mir das alles zu kühlend. Da brauche ich eher wärmende Speisen.

André Kellner:
Vielen Dank für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke in Ihre Arbeit. Ich wünsche Ihnen und allen Lesern eine gesunde und vitale Zeit.

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Neue Wege gehen - Prävention, Therapie und Heilung von Burnout und Depressionen

Neue Wege gehen - raus aus dem Burnout
Neue Wege gehen - raus aus dem Burnout

Teil 3 der Burnout-Serie von Dipl.-Psych. André Kellner, berichtet über Prävention, Therapie und Heilung des Burnout Syndroms. Es werden Möglichkeiten der Selbstbehandlung ebenso aufgezeigt, wie professionelle Wege in Coaching und Therapie.

 

Sie können den gesamten Artikel ganz unten auch als PDF herunterladen.

 

 

Wie im letzten Artikel bereits ausführlicher beschrieben, hat Burnout – unter anderem – häufig mit Überforderung zu tun, mit hohen Ansprüchen an sich selbst und mit einer Zunahme und Verdichtung von Informationsprozessen und Möglichkeiten. Im Übrigen ist es gerade auch diese Zunahme an Möglichkeiten, die vielen Menschen Angst macht und sie überfordert. Die Angst einen Fehler zu machen, Angst die falsche Entscheidung zu fällen oder gefällt zu haben. Womit wir bei einem der Urgründe für Depressionen und Burnout angelangt wären – der Angst. Die Angst nicht zu genügen, nicht passend zu sein oder gut genug zu sein (Thema „Selbstwert“), die Angst den Job zu verlieren, die Angst seine Familie nicht ernähren zu können, die Angst, die Angst, die Angst. All‘ dies mündet in Prozesse des sich Überforderns, des sich selbst Verleugnens, des sich selbst nicht mehr Spürens und damit in Depressionen und Burnout. Nicht umsonst interagieren diese beiden Symptomatiken so stark, nicht umsonst finden wir hier so hohe Korrelationen.

 

Burnout Symptome und einen Burnout Test finden Sie hier: Burnout-Coaching München

 

Eine der Hauptursachen liegt auch in einer Entfremdung der Menschen von sich selbst und einer damit verbundenen Sinnleere (vgl. auch „Die Burnout Lüge“ von Martina Leibovici-Mühlberger). Leibovici-Mühlberger nennt als weiteren Faktor eine postmoderne, individualistisch-egozentrische Geisteshaltung der kapitalistisch-konsumversessenen Gesellschaft. Burnout-Betroffene seien damit nur die Symptomträger einer kollektiv kranken Gesellschaft, welche ich in meinem letzten Burnout Blog als „narzisstische Leistungsgesellschaft“ bezeichnet habe. Die massive Zunahme von Burnout, Depressionen und andere psychischen Erkrankungen, ist somit auch Teil einer sozialen und vor allem gesellschaftspolitischen Entwicklung. Burnout und Depressionen sind Symptome des einzelnen Menschen, so wie die allgemeine Zunahme von Burnout ein Symptom für den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft ist.

 

Entfremdung von sich selbst bedeutet mangelnde Selbstwahrnehmung, mangelnde Bedürfniswahrnehmung und daraus resultierend, fehlende innere Zufriedenheit. Hier setzen – unter anderem – auch die Achtsamkeitsverfahren an. Auch wenn es hier derzeit einen Hype gibt, der manchmal fast schon zu viel des Guten ist, gerade wenn Anbieter Heilversprechungen verkünden („Achtsamkeit in 8 Wochen erlernen“), die Achtsamkeit zu genau dem verkommen lassen, was sie nicht sein soll – ein Konsumgut. 

 

Achtsamkeit, ist wichtig, Achtsamkeit ist heilsam, aber sie ist nichts, was man kaufen und in
8 Wochen inhalieren kann. Andererseits hat der Hype natürlich auch etwas Gutes, denn er zeigt wie enorm das Bedürfnis der Menschen nach Reduktion, nach Innehalten und nach Bewusstheit und einer damit einhergehenden Geisteshaltung ist. Somit erhalten immer mehr Menschen Zugang zu einfachen, heilsamen Methoden, die den Menschen wieder zu sich selbst zurück bringen. In 8 Wochen kann man jedoch damit beginnen diese Methode und innere Haltung einzuüben und erstaunliche Veränderungen und Verbesserungen bewirken.

 

Achtsamkeit ist eine Geisteshaltung, die, wenn sie ein Leben lang immer wieder praktiziert wird, wirklich heilsam ist. Sie hilft den Schleier zu heben, wieder bewusst wahrzunehmen, in Kontakt mit sich selbst zu kommen und die verlorene innere Balance wiederherzustellen.

 

Bewusstheit, bzw. Gewahrsein (Awareness) hat z.B. die Gestalttherapie als innere Haltung bereits in den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts genannt und als wesentlichen Faktor für die Gesundwerdung des modernen Menschen postuliert. Und damit natürlich auch nur ein bereits tausende Jahre altes Wissen aufgegriffen.  „Selbst-Erkenntnis, achtsame Wahrnehmung und Bewusstheit sind die ersten Schritte zur Veränderung“.

Womit wir bei ersten Möglichkeiten der Therapie, der Rückfallprophylaxe und der Burnoutprävention angelangt wären.

 

Ziele und konkrete Bestandteile des Burnout Coaching/Therapie:

Zuerst geht es natürlich auch um Symptomlinderung. Dann um Ursachenforschung und Ursachenveränderung. Hierzu ist ein ganzheitlich systemischer Blick und auch der Einbezug der eigenen Biographie und Psychodynamik notwendig. Dabei hilft Ihnen ein professioneller Burnout-Coach, Arzt oder Therapeut, denn je nach Schwere der Symptomatik, können Sie dieses komplexe Thema nicht allein bewältigen. Es ist sinnvoll und notwendig auf allen Ebenen Veränderungen anzustreben, Ursachen zu verstehen und zu beheben und nicht nur die Symptome zu bekämpfen. Es gilt neue Lebenswege zu gehen.

Zur Symptomlinderung gilt es alle Methoden zur Stressreduktion nutzen, denn (Dauer-) Stress, Dauererregung kann zu Burnout führen. Grundsätzlich sollte das Coaching oder die Therapie in ein komplettes Behandlungskonzept eingebettet sein. Folgende Aspekte sollten, neben der Therapie/Coaching, unter anderem, Teil des Behandlungskonzeptes sein. Vieles von den folgenden Punkten können Sie selbst tun oder mit Hilfe ihres Therapeuten, bzw. Coachs initiieren:

 

  • Ärztlich, körperliche Untersuchung. Hier lassen sich auch Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenprobleme oder anderen körperliche Erkrankungen feststellen, welche auch Burnoutähnliche Symptome hervorrufen. Bestenfalls kooperiert Ihr Coach/Therapeut mit einem guten Arzt. 

  • Je nach Schwere der Symptomatik kann medikamentöse Begleittherapie sinnvoll sein. In jedem Fall empfehle ich auch homöopathische Unterstützung und/oder Akkupunktur.

  • Sport und Bewegungsprogramm. Hierzu brauche ich fast nichts mehr sagen. Sport und Bewegung sind ganz klar an erster Stelle zu nennen, bestenfalls noch im Freien. Sport, hier insbesondere Ausdauersportarten, dienen dem Stressabbau, da sie Stresshormone abbauen und Glückshormone ausschütten. Zudem wird dadurch auch noch die Leistungsfähigkeit verbessert. Wichtig ist, dass dieser Sport nicht wieder ausschließlich vom Leistungsgedanken und Konkurrenzdenken angetrieben wird. Es gibt eine goldene Regel in der modernen Stress- und Depressionsmedizin:
    „Das erste Medikament ist Sport und Bewegung“.

  • Ernährungsumstellung, Alkoholkarenz oder zumindest Reduktion. Konkret bedeutet dies maximal 2 x pro Woche Alkohol trinken.

  • Erlernen und regelmäßiges Üben eines Entspannungsverfahrens. Dies ist, genau wie Sport, nur wirksam, wenn Sie es regelmäßig tun. Autogenes Training heißt nicht ohne Grund Autogenes Training“. Egal ob Sie nun AT (Autogenes Training), PMR/PME (Progressive Muskelentspannung), Achtsamkeitsmeditation, achtsames Gehen, Yoga, Qi Gong, Tai Chi, Meditation jeglicher Art oder was auch immer praktizieren. Insbesondere Yoga ist sehr zu empfehlen, da es mehrere Ebenen trainiert (u.a. Achtsamkeit, Körperbewusstsein, richtiges Atmen, Anspannung und Entspannung, Dehnung und Kräftigung). Zudem ist Yoga, richtig praktiziert, auch eine Geisteshaltung. Ein Verfahren dass den Parasympathikus aktiviert und zugleich die Bewusstheit (Achtsamkeit) schult, muss in ihrem Behandlungsprogramm enthalten sein! Am besten täglich, mindestens
    3-4 x wöchentlich. Die Anleitung zu einer einfachen und schnell wirksamen Übung zur Aktivierung des Parasympathikus (Übung zur Herzkohärenz), finden Sie am Ende des letzten Burnout Blog oder unter Download als Audiofile für Zuhause oder Unterwegs.

  • Gesang, allein oder noch besser in der Gemeinschaft. Singen befreit, den Geist, kräftigt den Körper und massiert die inneren Organe. Wenn es Ihnen dann auch noch Freude bereitet, dann kommen auch noch Glückshormone mit ins Spiel, die Herzkohärenz wird he